Zypern – Die schönsten Dörfer im Süden Zyperns

Hallo! Hier sind die Reisefrequenzen mit Tipps zu den schönsten Dörfern im Süden Zyperns. Die Dörfer auf Zypern sind eine Welt der Geschichten. Ihre steinernen Häuser erzählen aus der Zeit vor dem Boom des Küstenstreifens. Sie sind ruhig, fast verschlafen, manche ihrer Fenster blind. Nur wenige Schritte hallen durch eng verwinkelte Gassen bis am Wochenende die Städter beim Verwandtenbesuch in der alten Heimat jeden verfügbaren Parkplatz füllen. Kleine Ortschaften schmiegen sich unter kühlende Pinien auf den Höhen des Troódosgebirges. Sie stehen im Frühjahr umgeben von üppigen Blütenmeeren in den Kornfeldern der Ebene und auf den Veranden reifen im späten Sommer die Trauben. Hier bleibt Zeit zum Plaudern, für den Genuss regionaler Speisen, für ein Backgammonspiel im altmodische Kafeníon neben der Kirche und nachts für den ungestört hell leuchtenden Sternenhimmel. Jedes der etwa 600 Dörfer Zyperns hat seine Besonderheiten, seine Legenden, seinen heiligen Schutzpatron und sein Geheimnis. Dörfliche Museen wahren die Dinge des alltäglichen Lebens. Olivenmühlen und Weinpressen sorgen für das historische Flair, ausgeschilderte Spazierwege erschließen die schönsten Landstriche, in sanierten Dorfhäusern werden behagliche Ferienwohnungen angeboten. Die Dörfer Zyperns warten auf ihre Entdeckung und jeder Besuch öffnet eine kleine Schatzkiste.

Falls Ihr lieber Stadt statt Landschaft schaut, geht es hier nach Nikosia

Die Dörfer auf der Akámas Halbinsel nördlich von Páphos

In der hügeligen dünn besiedelten Laóna Region zwischen Páphos und Pólis Chrysochoús wachsen Weinreben auf den Hängen und goldgelbe Zitrusfrüchte reifen in Tal. Im Frühling leuchten unzählige Blüten teils seltener Pflanzen, für Naturliebhaber und Wanderer ist es die schönste Jahreszeit. Zyperns Weinstraße 1 schlängelt sich durch die Dörfer Stroumbí, Káthikas, Páno und Káto Aródes, Ineia, Droúshia und Kritou Téra und Winzer bieten ihre Produkte in gut ausgeschilderten Kellereien an.

Káthikas ist seit der Antike besiedelt und wird das Tor zum Akámas genannt. In die traditionellen, hübsch renovierten Steinhäuser ist eine internationale Community eingezogen und die Restaurants entlang der Dorfstraße sind oft gut besucht. Das Akámas Visitor Centre im Ortskern vermittelt in interessanter Darstellung Informationen zur besonderen Flora und Fauna der Region.

Aródes spiegelt in seinen beiden Ortsteilen die Geschichte der Insel. Der obere, Pános, ist die belebte griechisch-zyprische Siedlung. Der untere, Káto, wurde bis 1975 hauptsächlich von türkischen Zyprern bewohnt, die um 1900 errichtete kleine Moschee und der muslimische Friedhof zeugen davon. 1974/1975 mussten alle Bewohner ihre Heimat verlassen und in den türkischen Norden Zyperns umziehen. Zurück blieb ein leeres Dorf.
Das Nachbardorf Ineia wurde nach inos, dem Wein, benannt. Hier zeigt das auf Zypern einzigartige Korbflechtmuseum im restaurierten alten Schulhaus neben der Kirche alle Arbeitsschritte des verschwindenden Handwerks vom Halm zum Korb.

Auch das fast verlassene türkisch-zyprische Dorf Androlikou bleibt Mahnmal der Vergangenheit. Eine Liebesgeschichte hat es berühmt gemacht. Hier lebten Hassan und Hambou, ein türkischer Zyprer und eine griechische Zyprerin die sich in ihrer Liebe der Teilung und Trennung widersetzten. Der Filmemacher Panicos Chrysanthou drehte seinen berührenden Film „Akámas“ über die beiden. Während Panicos mir die am Rande des muslimischen Friedhofs nebeneinander liegenden Gräber des christlich-muslimischen Paares zeigt, zitiert er das Credo von Hassan Moustafa:

„Ich preise den Herrn, der alles mit einer solchen Ordnung geschaffen hat. Er diskriminiert niemanden. Sei er Türke, Grieche, Engländer oder wer immer. Sie alle kommen und gehen. Wir sind alle Vorübergehende. Wir kommen, wir sehen, wir gehen.“ Hassan Moustafa

In Droúshia sind die beiden Kafeníons neben der Kirche und das geschmackvolle Droúshia Heights Hotel Mittelpunkt des Geschehens. Am oberen Ortsrand zeigt das große neue „Museum zum ländlichen Leben“ in ausführlicher Präsentation traditionelle Arbeiten und interessante Details zur Geologie und Pflanzenwelt der Umgebung. An Samstagen erläutern Frauen des Dorfes in Live-Vorführungen die Techniken des Webens, Spinnens und Stickens.
Kritou Téra mit seinen engen Dorfstraßen und fotogenen Szenen beherbergte einst das erste Casino auf Zypern. Hier soll sogar der ägyptische König Farouk heimlich um Geld gespielt haben.

Geroskípou am östlichen Stadtrand von Páphos

Geroskípou liegt an der Durchgangsstraße östlich von Páphos und wird mit seiner fast städtischen Struktur als Vorort von Páphos geschätzt. In der Antike wuchs hier der Heilige Garten, der als „Hierós kipos“ eine Pausen- und Kultstation auf dem Pilgerweg zum Haupttempel der Aphrodite war. Wo einst die Gärten sprossen steht auf dem modern gepflasterten Dorfplatz eine der ältesten Kirchen Zyperns. Der gedrungene Sakralbau wurde in spektakulär seltener Fünfkuppelbauweise während des 8. oder 9. Jahrhunderts errichtet und der Agia Paraskeví geweiht.
Traditionell gefertigte Töpferwaren und die landestypischen aus Stärke, Zucker und Aromen hergestellten süßen Loukoumi/Cyprus Delight werden bis heute in den Läden an der Hauptstraße angeboten. Das Volkskundemuseum zeigt in einem 1799 errichteten und später vom britischen Vizekonsul bewohnten Haus die liebevoll gepflegte Ausstellung überlieferter Wohnkultur. Fast wie ein Wohnzimmer ist die Taverne Seven Saint George’s gestaltet. Der Besuch ist ein ästhetisches und vor allen Dingen geschmackliches Vergnügen.

Die Flusstäler Diarízos und Chapotami zwischen der Küste bei Koúklia und dem Troódos

Während einer landschaftlich abwechslungsreichen Rundtour erkunde ich von der Küste bis zum 850 m hoch gelegenen Dorf Arsos in einem Tagesausflug die still stehende Zeit. Der Diarízos ist mit seinen 42 km der viertlängste Fluss Zyperns. Ebenso wie der Chapotami wird sein Wasser im trockenen Sommer für die Bewässerung der Landwirtschaft abgezweigt.
Am Asprókremmos Staudamm beginnend führt die Straße vorbei an der Kulisse des verlassenen pittoresken Dorfes Souskioú. Auf einem Wirtschaftsweg spaziere ich zu den Hausruinen in denen einst türkische Zyprer lebten. Die Fenster der kleinen Moschee stehen offen und der Wind lässt ein paar trockene Blätter im Gebetsraum rascheln. Auf den Blumenwiesen weiden Ziegen unter Oliven-, Johannisbrot- und Mandelbäume und am Ortsrand steht eine kleine Kirche.

Das Dorf Mamónia gibt dem geologischen Phänomen der Mamónia-Zone ihren Namen. Hier lagern metamorphe Gesteine des ophiolithischen Komplexes in kalkhaltigen Sedimentgesteinen. Die Straße wird kurviger und am Extreme View Café mache ich einen Stopp. Es gibt Honig, selbstgemachte Marmeladen und eingelegte Früchte, der Imbiß ist aromatisch und die Aussicht bietet Blick auf ein Felsenpanorama inklusive der fotogenen Ruinenkulisse des Dorfes Prastió. Über der Straße scheinen sich die steilen Klippen von Chasamboulia zu küssen.
Auf den Hängen von Arsos wird in 850 m Höhe seit venezianischer Zeit Wein angebaut. Direkt neben der Hauptkirche und dem Kaffeehaus ist das Arsos Restaurant mit köstlichem Essen ein sehr gutes Ziel für die Pause. Das kleines Volkskundemuseum und der Naturpfad „Sechs Brunnen“ bieten lokale Informationen und einen Spazierwege an.
Der Rückweg führt mich oberhalb des Chapotami Flussbettes zurück zur Küste.
In Dorá gehen noch 10 Schüler auf die ortsansässige Schule, Mastros Taverne Dora serviert einfaches gutes Essen in schöner Atmosphäre.  Von der auf einer Hügelkuppe gelegenen Kirche aus schweift der Blick weit über Hausdächer und Hügel hinweg. Ein Abstecher führt zum verlassenen wild romantischen Ort Káto Archimandríta in das tiefe Flusstal hinunter.
Bei Koúklia erreiche ich wieder die schnelle Küstenwelt.

Omódos, Vouní, Koiláni, Lófou in der Weingegend nördlich von Limassol

Seit alters her wird in der Krasochoria-Region Wein angebaut. Sie liegt in den südlichen sonnenverwöhnten Hängen des Troódosgebirges nördlich von Limassol und in ihrem Namen verbergen sich die griechischen Worte für Wein und Dorf. Auf den kalkhaltigen Böden der terrassierten Hügel gedeihen die niedrigen Rebstöcke verschiedener Sorten.
Omódos ist eines der bekanntesten Dörfer der Insel und lockt viele Besucher. Seine weiß getünchten Häuser liegen zwischen ausgedehnten Weinhängen und in den hübschen Gassen bieten lokale Winzer ihre Weine an. Kleine Geschäfte laden zum Souvenirstöbern ein und stellen neben importierter Billigware die typischen gehäkelten Spitzen, Kunstobjekte und zyprischen Silberschmuck aus. Die Taverne „To Katoi“ in der Linou 25 hat mehrere Auszeichnungen erhalten und serviert im historischen Haus ihre Speisen. In einem nahegelegenen Lagerraum entdecke ich die mittelalterliche Weinpresse „Linos tou Charilaou“ und hinter den Türen zweier alter Häuser die bäuerliche Wohnatmosphäre des 19. Jahrhunderts in kleinen Ausstellungen. Das charmante Herz von Omódos ist der einzigartige rechteckige von Venezianern einst mit weißen Kalksteinen grob gepflasterte Dorfplatz. Unter schattenspendenden Maulbeerbäumen warten die Stühle und Tische der Cafés auf ihre Besucher. An der Stirnseite des Platzes liegt hinter einem Torbogen das vermutlich im 4. Jahrhundert gegründete Heiligkreuz-Kloster Timios Stávros. Die Mönche bewahren ihre Schätze in gläsernen Schauvitrinen. Einen Splitter vom Kreuz, Reste der Fesseln Jesu, die Schädelreliquie des Apostels Philipp und Knöchelchen. In den Klosterräumen werden byzantinische Ikonen, Kunsthandwerk und EOKA – Devotionalien in Museumsräumen unter wunderschön geschnitzten Holzdecken präsentiert.

Bevor ich Omódos verlasse kaufe ich eine Tüte des als Kulturgut der UNESCO gelisteten „Arkatena“  Brotes. Es wird aus Kichererbsenmehlsauerteig mit Ingwer, Zimt, Muskatnuss, Lorbeer und Weizenmehl zubereitet und zweimal gebacken. Ein prima Snack für unterwegs.
Die weiter östlich liegenden Dörfer Vouní, Koiláni und Lófou und haben ihren traditionellen Charme bis heute bewahrt. Vouní hat sich in den letzten Jahren besonders herausgeputzt. Shabby-Chic Cafés, geschmackvoll eingerichtete Tavernen und ein Kafeníon wie aus dem Bilderbuch bieten Besuchern ihren Service an. Die Kaffeehausbetreiberin Cloe ist eine perfekte Gesellschafterin voller farbiger Geschichten und dramatischer Erzählungen.

Im Dorfladen nebenan werden selbstgemachte Seifen verkauft und die blumengeschmückten Gassen sind lauschige Fotomotive. Einst war Vouní mit 1300 Einwohnern das größte Dorf in der Gegend, heute leben nach Jahren der Landflucht weniger als 150 Menschen im Ort. Eine alte Olivenmühle, der venezianische und der osmanische Brunnen und das kleine Volkskundemuseum erinnern an vergangenes Alltagsleben.
Auf gut 900 m liegt das ebenfalls attraktive Koiláni. Bis in die Neuzeit produzierten die Dorfbewohner Seide und bauten Feldfrüchte an, doch das Haupteinkommen brachte der Wein. In fast jedem Haus standen eine Presse und ein Destillierkolben für den hochprozentigen Zivania. Heute keltern 5 Winzer neben den einheimischen Trauben Xinisteri und Mavro 23 weitere Sorten. Auch in Koiláni zeigt eine kleine Ausstellung überlieferte Traditionen und die Tavernen „To Korineon“ und „Mezedes tis Marias“ bieten schmackhafte Gerichte an. Durch Lófou führen schmale uneben gepflasterte Straßen an pittoresken Häusern vorbei zur Kirche ins Tal. Mitte des 20. Jahrhunderts lebten über 1000 Menschen in Lófou, heute sind es ungefähr 50. Die rasante Landflucht nach dem Zweiten Weltkrieg ist trotz des Verfalls der Bausubstanz eine Chance der Dörfer. Es gibt kaum Neubauten und keine Straßenerweiterungen. Als sei die Zeit stehengeblieben. Nach meinem Rundgang spaziere ich in die Taverne „Agrovino Lofou“ und warte im lauschigen Hof bis der Wirt Costas für uns Gäste auf seiner Bouzouki die alten Lieder musiziert.

Info:
Die Dörfer liegen an der ausgeschilderten Weinroute 4/5.

Anógyra in den Hügeln unweit der südlichen Küste

Weiter südlich in Richtung Küste liegt mit weitem Blick auf die Bucht von Pissoúri das Dorf Anógyra.

Der Ort ist nach einer im Winter blühenden Pflanze namens Anagyris benannt, auf deutsch heißt sie Stinkstrauch. Das Dorf Anógyra wird als Heritage Village für kommende Generationen bewahrt. Eine schmale kurvige Landstraße passiert am Ortseingang die aus dem 15. Jahrhundert stammenden Ruinen der Klosterkirche Timios Stavros. Sie steht auf den Fundamenten einer frühchristlichen Basilika und ihre Kuppel erhebt sich malerisch über den Trümmern der Klostergebäude. Legenden erzählen vom unendlichen Reichtum der Mönche und einem Versteck im verborgenen Tunnel. Anógyra war eines der zypernweit größten Anbaugebiete des Johannisbrotbaums und aus den Früchten des Baumes wird noch immer dunkelgoldener Sirup als Grundstoff für eine Süßigkeit namens Pasteli gewonnen. Bis heute wird die Spezialität im Ort produziert, es gibt ein Museum und im Oktober das alljährliche Pastellaki-Festival. Am Ortsrand stellt die Stalies Farm leckeren Anarí und Halloumi Käse sowie frischen Joghurt aus der Milch ihrer Schafe und Ziegen her. Ich rufe am Eingang, ein junger Mann holt mich in den provisorischen Shop und verkauft mir köstlichen Käse. Außerhalb des Dorfes betreibt die Firma Oleastro eine moderne Ölmühle und bietet zertifizierte Bio- Olivenöle an.

Plátres und Agrós im Troódos

Weit oben in den Bergen unterhalb des Olympos liegt umgeben vom duftenden Pinienhochwald die weitläufige Ortschaft Plátres. Im ausgehenden 19. Jahrhundert errichteten die nach Kühle suchenden Briten auf über 1000 m Höhe erste Hotels. Sie wurden im großzügigen Kolonialstil errichtet und  hießen „The Cold Waters“, „Switzerland“ oder schlicht „Grand Hotel“. 1938 ließ eine zyprische Familie das bis heute existierende „Forest Park Hotel“ in englischer Manier mit Pool und Tennisplätzen erbauen. Zahlreiche illustre Gäste reisten in den Luftkurort und genossen die Frische des im Mittelmeerraum seltenen Waldreichtums. Der griechische Dichter Giorgos Seferis widmete dem Dorf ein Gedicht und für Ägyptens König Faruq wurde das zyprische Nationalgetränk Brandy Sour in Plátres erfunden. Daphne du Maurier, Prinzessin Mary von England und Prinzessin Irene von Griechenland vervollständigten die Liste der zum Besuch verweilenden Prominenz.
Gut 2 km nördlich des Ortszentrums beginnt am zypernweit bekannten einfachen Forellenrestaurant Psilo Dendro der Wanderweg zur Attraktion der Kaledonischen Wasserfällen. Am Ortsausgang des Unteren/Káto Plátres keltert die Winzerei Lambouri den Rebsaft aus einer der höchsten zyprischen Lagen. Ihre vielfach ausgezeichneten Produkte werden unter den Namen „Seaside Dream“, „Summer Blush“ oder „Olympia“ vermarktet.

Gute 5 Kilometer westlich liegt der kleine für den Erhalt typischer Handwerkstraditionen bekannte Flecken Phiní. Im Museum Pilavakeion wird die überlieferte Töpferkunst samt einer tönernen Sauna gezeigt und bei Giota kann man hands-on die typische Keramik der Insel formen.
Agrós liegt in den südlichen Hängen des Troódosgebirges auf 1.100 Metern Höhe inmitten eines Amphitheaters hoch aufragender Berge. Der 1554m hohe Papoutsa schaut auf das Dorf und die unzähligen, seit Jahrhunderten für den Obst- und Gemüseanbau in der Pitsilia-Region angelegten Terrassen. Agrós ist als eines der größten Gebirgsdörfer mit guter Straßenanbindung, Schulen, Poliklinik, Sporthalle und dem mehrstöckigen Rodon Hotel ausgestattet. Es ist für klare Bergluft, das in Flaschen abgefülltes Quellwasser „Agros“ und verschiedene landwirtschaftliche Produkte bekannt. Im Mai blüht das ganze Dorf rosa und das betörende Aroma der Duftrosen liegt in der Luft. In den frühen Morgenstunden begleite ich Lefkos bei der Ernte zarter taufrischer Blütenblätter. Später werden sie bei „Venus Rose“ zu Rosenwasser destilliert und in Flaschen verfüllt. Eine Spezialistin für kulinarische Genüsse aus regionalem Obst und Gemüse ist Niki. In ihrer Manufaktur kocht sie mit ihren Angestellten süße traditionelle Leckereien. „Glyko“ heißen die in Zuckerwasser eingelegten fruchtigen Genüsse, die zur Begrüßung der Gäste in zyprischen Häusern serviert werden. Es gibt fast 50 verschieden Sorten, von Wassermelone über Kürbis bis Quitte und Kirsche. Wie die meisten Dörfer Zyperns besticht Agrós nicht durch ein touristisch aufpoliertes Ambiente sondern seinen ursprünglichen spröden Charakter. An jeder Ecke der Gassen und steilen Treppen blühen Blumen, schnurren Katzen, wachsen Nüsse oder Beeren. In zwei großen und einem kleinen Kaffeehaus an der aufsteigenden Straße östlich der Kirche bleibt Zeit zum Plaudern und das Koiláda Restaurant an der Dorfstraße in östlicher Richtung serviert eine reichhaltige Meze.

Kakopetriá und Galáta zwischen den Bergen und Nikosia

Auf der Nordseite des Troódosgebirges liegt in 650 m Höhe das hübsche Dorf Kakopetriá. Selbst in der Hitze des Sommers plätschern hier kleine Bäche und sorgen für erholsame Frische. Die praktische Lage an der Hauptstraße zwischen Troódos und Nikosia macht den 1300 Einwohner Ort zu einem leicht erreichbaren Ausflugsziel. Im Zentrum bieten zahlreiche große Tavernen, Cafés und ein kleiner Laden entspannte Plätze unter hohen Bäumen an. Der pittoreske alte Ortskern schlängelt sich entlang des alten Hauptweges einen Hang hinauf. Am Beginn steht unverrückbar eingemauert der „schlechte Fels“. Er hat Kakopetriá seinen Namen gegeben. Einst soll sich im Schatten des Felsbrockens ein junges Paar immer wieder heimlich getroffen haben, doch plötzlich löste sich das Gestein, stürzte zu Tal und erschlug die beiden. Das fotogene Dorf aus Lehmziegelhäusern wird zaghaft gegen den zeitlichen Verfall erhalten. Einer meiner Lieblingsorte ist das Galini Café 22 mit seinen Minibalkonen über dem Fluß. Die große ehemalige Wassermühle in der Talsenke wurde zum Restaurant/Hotel „The Mill“ umgebaut und von Ferne grüßt der 1952 m hohe Olympos. Ein kulturelles Highlight ist die zwei Kilometer oberhalb von Kakopetriá unter dem Schutz der UNESCO stehende nach ihrer auffälligen Dachform benannte Kirche Agios Nikolaos tis Stegis. Im Nachbardorf Galáta stehen mit der Kirche des Erzengels Michael und der Panagia tis Podhitou zwei weitere Highlight-Scheunendachkirchen.

Info:
Agios Nikolaos tis Stegis. Tel: + 357 22922583
Kirchen Erzengel Michael und Panagia tis Podhitou. Tel. +357 99 671 776

Das Marathása-Tal im östlichen Troódos

Weiter im Westen leuchten im Frühjahr unzählige weiße Kirschblüten zwischen dem frischen Grün des Marathása-Tals. Von den Höhen des Olympos schlängelt sich eine kurvenreiche mit dem Symbol dreier Kirschen gekennzeichnete Landstraße bis ins Tal. Auf 1380 m liegt das höchste Dorf Zyperns Pródromos. Über den Dorfhäusern thront der Koloss des seit 1984 geschlossenen Berengaria Hotels, in dem einst Könige und Präsidenten einkehrten. Inzwischen sollen in den Gemäuern zwei weibliche Geister leben.
Das nächste Dorf an der Chaussee heißt Pedoulás. Seine Durchgangsstraße ist gesäumt von alten teils verfallenden Gasthäusern, von Tavernen und Angeboten lokaler Spezialitäten. Die Dorfhäuser sind wie Schachteln in den steilen Hang gebaut und ihre Wellblechdächer erinnern an wirtschaftlich schwierige Zeiten. Das Restaurant/Hotel „Two Flowers“ bietet Gastfreundschaft, traditionelle Küche und einen grandiosen Ausblick über Häuser und Hügel. Treppen und schmale Straßen führen ins Dorfzentrum zur unter dem Schutz der UNESCO stehenden Scheunendachkirche des Erzengel Michaels hinab. Unter ihrem tief heruntergezogenen Dach wurde sie auf Kosten des Priesters Basil Chamados 1474 mit dem brillant erhaltenen Zwölffestezyklus ausgemalt.

Das vorletzte Dorf auf der Strecke birgt verschiedene Attraktionen. Teile des historischen Ortskerns von Kalopanagiótis wurden zum Hotel Casale Panayiotis umgebaut. Luxuriöse Hotelzimmer befinden sich in geschmackvoll umgestalteten Dorfhäusern und ein Spa, zwei Restaurants, Bar und Café ergänzen das atmosphärische sehr besondere Ambiente. Über dem Hangdorf schwebt die futuristische Lampadistis Winzerei mit neuem Gebäude und Fernblick. Am Fuße der Senke, auf der anderen Seite des Setrachos Baches und der heilenden schwefelhaltigen Quellen liegt das Kloster des heiligen Johannes Lampadistis (UNESCO). Durch einen versteckten Zugang führt der Weg in den blumengeschmückten Klosterhof und von dort in den vollkommen ausgemalten Kirchenkomplex aus dem 13. – 17. Jahrhundert.

Info:
Kirche Erzengel Michael. Tel: + 357 99112352
Kirche Agios Ioannis Lampadistis. Tel: + 357 22953460

Peristeróna in der Ebene westlich von Nikosia

Ein breites mit Kieseln bedecktes Wadi teilt das alte Dorf Peristeróna. An seinem Ufer erhebt sich gleich einer Fata Morgana die aus sorgsam behauenen Steinen errichtete Fünfkuppelkirche der Heiligen Barnabas und Hilarion. Hinter dem archaischen Bau steht das schlanke Minarett der Moschee und beide Gebäude zeigen ein fotogenes Bild scheinbarer Harmonie. Bis zum Konflikt und der Teilung des Landes war das nach der Taube benannte Peristeróna wie fast die Hälfte aller zyprischen Dörfer ein griechisch-türkisch gemischter Ort. Die Szene der beiden religiösen Bauten über dem ausgetrockneten Flussbett wurde auf Briefmarken und dem 1997 herausgegebenen 5 Pfund Geldschein wiedergegeben. Wahrscheinlich wurde die Kirche im 11. Jahrhundert auf einem Vorgängerbau errichtet und später ihren Kirchenpatronen Barnabas und Hilarion geweiht. Die Moschee entstand vermutlich im 19. Jahrhundert auf den Grundmauern einer gotischen Kirche. 1964 mussten mit Beginn der bi-kommunalen Gewalt fast 500 türkische Zyprer, damals 41,8% der örtlichen Bevölkerung, fliehen. Im „Syrton“ am Dorfplatz gibt es beim Wirt Porphyrios, so sagen Viele, eines der besten Kleftiko der Insel.

Lefkara, Káto Drys, Vávla und Vavatsiniá in den Ausläufern des westlichen Troódos

Auf der südlichen Seite der Berge gut 30 km westlich von Lárnaca liegt das charmante, sehr bekannte und gut besuchte Dorf Lefkara. Die nach dem „weiße Berg“ benannte Siedlung auf etwa 600 m Höhe ist eine Spitzenschönheit. Páno Lefkara ist das Epizentrum der Lefkaritika, gestickter weißer Handarbeiten. In den Gassen sitzen meist ältere Frauen auf korbgeflochtenen Stühlen und fertigen die berühmten Lefkaritika, die auch Lefkara Spitzen genannt werden und auf der Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO stehen an. Große Tischtücher, kleinere Servietten oder Details von Kleidungsstücken werden durch Hohlsaum- und Plattstiche mit geometrischen Mustern geschmückt. Vom späten 19. Jahrhundert bis in die 1930er Jahre florierte der Handel mit den bestickten Stoffen in ganz Europa. Die zweistöckigen Häuser mit ihren Laden- oder Werkstattflächen, ihren langen Holzbalkonen und den neoklassizistischen Schmuckelementen zeugen von dieser wohlhabenden Zeit. Vermutlich erlernten die Frauen aus Lefkara die feine Stickarbeit von den Venezianerinnen die sich einst in die frische Bergluft abseits der heißen Küste zurückzogen. Im Dorf werden hochwertige Erzeugnisse aus Zypern und Billigramsch aus Fernost in blumengeschmückten Gassen angeboten. Ein farbiger Hingucker mit seinen tiefblauen Wänden ist das Ethnologische Museum. Möbel des 19. Jahrhunderts, Vitrinen mit hochwertigen Lefkaritika, kostbarer Silberschmuck und ein lauschiger Innenhof sind seine Attraktionen. Von der Heilig-Kreuz-Kirche Timiou Stavrou reicht der Blick weit ins Tal bis zur Spitze des Minaretts im Unteren Lefkara. Um die ruhigen Vormittags- und späten Nachmittagsstunden mit ihrem besonderen Lichteinfall zu genießen empfehle ich in einem der restaurierten Dorfhäuser oder im Retro-Design des Lefkara Agora Hotels zu übernachten.

Ein Abstecher der auch als einstündige Wanderung möglich ist führt in den nahen Weiler Káto Drys. Ein Bienenmuseum und traditionelle Häuser prägen das hübsche Dorfbild. Das nochmals 3 km entfernte Kloster des Heiligen Minas überrascht mit einem blumengeschmückten Innenhof und ausgemaltem Kirchenschiff. Im Eingangsbereich verkaufen Nonnen Obst aus dem eigenen Garten, ich erwerbe eine Tüte köstlicher Orangen.
Im Dorf Vávla liegen die Gassen sehr still zwischen alten Häusern. Hinter dem Kirchhof blühen in der sanft hügelige Landschaft unzählige Mandelbäume. Die Ferienzimmer im „Our House“ sind von den beiden fürsorglichen Gastgebern Donna Marie und George mit Antiquitäten möbliert worden.
Am Ortseingang von Vavatsiniá kocht Maria in ihrem beliebten großzügigen Restaurant traditionelle Gerichte. An den Wänden hängen alte Familienfotos, ihre damals junge Mutter bei der Handarbeit, Männer bei schwerer Feldarbeit. Im Ortszentrum spendet in einer Höhle die heilige St. Georgs Quelle heilendes Wasser und Plastikbehälter stehen zum Abfüllen bereit. Ausgeschilderte Wanderwege erschließen die attraktive Gebirgsregion der Umgebung.

Info:
Our House, Vávla. Tel: + 357 97667198
Marias Restaurant, Vavatsiniá. Tel: + 357 24342640

Kalavasós, Tóchni, Choirokoitía zwischen Lárnaca und Limassol

Das Dorf Kalavasós ist ein altes Dorf am Rande eines großräumiges Bergbauareals. Entlang des Flusses Vasilikós wurde auf einer Fläche von über 18 Quadratkilometern in einzelnen Minen das einst auch die antike Stadt Amathous reich machende Kupfer abgebaut. Die Trümmer und Überreste sowohl des antiken als auch des neuzeitlichen bis in die späten 70er Jahre betriebenen Erzabbaus liegen nördlich von Kalavasós an der Straße zum aufgestauten Kalavasós- Reservoir. Stolleneingänge, rostende Verladerampen und Reste der Lorenbahnen, Fundstücke braunroter phönizischer Schlacke und der fast schwarzen aus römischer Zeit bieten ein Refugium für Geologieinteressierte und Fans von lost places. Im hübsch renovierten Kalavasós werden zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten in stylischen Dorfhäusern auch über das Agrotourismus Programm angeboten. In der Archiepiskopou Makariou III. Straße hat Michalis Mozoras in seinem dekorativen Steingarten eine kleine Traumwelt geschaffen.

Das ehemals türkisch-griechisch gemischte Nachbardorf Tóchni gehört ebenfalls zum ländlichen Tourismusprogramm. Choirokoitía ist hauptsächlich für die bedeutenden neolithischen Ausgrabungen am Ortsrand bekannt. Im alten Ortskern stehen großzügig restaurierte Dorfhäuser in die aufgrund der nahen Autobahn und guten Erreichbarkeit viele Städter einzogen. Petros Nikolaou stellt in einem typischen Dorfhaus seine Sammlung traditioneller Korbflechtarbeiten aus und zeigt die Herstellung originalen Halloumi-Käses. Bei ihm kann man auch ein „Cyprus Breakfast“ als authentisches Erlebnis buchen.

Info:
Petros Nikolaou, Gregori Afxentiou Street 30, Choirokitía. Tel: +357 99205833.

Das waren die Reisefrequenzen unterwegs in den subjektiv schönsten Dörfern der Republik Zypern.

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