Werder – Plessow – Kemnitz. Der sauberste See und die schöne Insel.

Reisefrequenzen
Reisefrequenzen
Werder - Plessow - Kemnitz. Der sauberste See und die schöne Insel.
Werder - Plessow - Kemnitz. Der sauberste See und die schöne Insel.
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Hallo! Hier sind die Reisefrequenzen. Heute auf einer Runde um den Großen Plessower See. Bei Werder/Havel, nicht weit von Potsdam. Von Werder nach Plessow und über Kemnitz nach Werder. Der Große Plessower See ist ein Gewässer in Topqualität mit kleinen Naturbadestellen. Und weil sie so schön ist, beenden wir die Tour auf der Stadtinsel Werder. 

1.Plessow 2. Kemnitz 3.Werder. Während der 15 Kilometer langen Runde holpert der Weg. Ob zu Fuß oder per Fahrrad, wir kommen nicht immer zum See und bei Werder müssen wir für ein kurzes Stück auf die Hauptstraße ausweichen. 

Erster Stopp Plessow

Unser erster Stopp ist das Dorf Plessow. Zuvor sind wir am Werderaner Tannenhof vorbeigefahren und haben über den Zaun nach den zukünftigen Weihnachtsbäumen geschaut. Ein paar Meter weiter liegt unser erster Verführungsstopp. Im Hofladen vom Obsthof Lindicke kaufen wir frisch gepflücken Erdbeeren und füllen unsere Picknicktaschen mit Obstsaft und Wurst und Potsdamer Klosterbier und mit Cantuccini aus Geltow. Dann geht’s rechts ab nach Plessow.

Das Schloß in Plessow
Schloss Plessow

In der Ortsmitte steht links die renovierungsbedürftige Kirche und rechts das der Öffentlichkeit unzugängliche Schloss in der ewigen Schlossfarbe rosa. Seit 1290 gehörte es der Familie von Rochow, 1946 enteignete man sie. Nach mehr als 650 Jahren. Das Herrenhaus, ein Bau aus dem späten 18. Jahrundert, wurde eine Wirtschaftsschule des damaligen Landes Brandenburg. Nach kurzer Zwischennutzung zog die Fachhochschule der Zollverwaltung der DDR ein. Heute residiert hier das Bildungs- und Wissenschaftszentrum der Bundesfinanzverwaltung.
Das Herrenhaus leuchtet hinter stabilen Zäunen, es ist hübsch anzusehen. Nebenan steht ein hellgrauer, für das kleine Dorf viel zu hoher Gebäudeblock, ehemals Platte und jetzt grau verblendet und immer noch Platte mit Streifen in rosa. Ein Parklpatz und verschiedene neue Gebäude der Finanzverwaltung drängeln sich in die alte Ortsmitte. 


Immer wieder bin ich verwundert. Ich komme in einen dieser hübschen eher unauffälligen Orte und sehe ein Schloss oder Gut oder Herrenhaus. Dann lese ich nach, recherchiere und lerne. Plessow wurde 1179 erstmals erwähnt. Seit 800 Jahren und sicher noch sehr viel länger siedeln Menschen am See. Haben geliebt, gelitten, verloren, betrogen, geboren und sind gestorben, an diesem Ort.
Zahlreiche bronzezeitliche Grabanlagen wurden im Umkreis gefunden und beim nahen Kemnitz gar das größte germanische Gräberfeld der Sueben in Brandenburg.

Ansicht Plessow

Plessow, der Ortsname ist ein slawisches Wort für die Weite am Wasser. Die Straße zweigt fast gegenüber der Kirche Richtung Wald ab, sie heißt „Am Weinberg“ führt zum Gewässer.
Am Ende des Weges liegt ein Haus am See und eine halbwilde Badestelle. Die Seeoberfläche ruht sehr still und am gegenüber liegenden Ufer recken die Bäume ihr Maigrün gen Himmel. Das ist unser Ort für Cantuccini und Klosterbier. Für alle anderen verwegenen Kombinationen und für das Schwimmen im Wasser ist es uns noch zu kalt.
Der Große Plessower See ist wie fast alle Seen im Havelland der Überrest einer eiszeitlichen Rinne, die vor etwa 19.000 Jahren entstand. Er liegt verwunschen im Wald eingebettet, alte Buchen und Eichen wachsen an seinen Ufern und Erlen hängen ihre Zweige fast bis hinein. An manchen Stellen steht ein schützender Schilfgürtel und bietet Nistplätze für brütende Vögel. Anders als auf der Havel und den meisten der Brandenburger Seen ist auf dem 5,1 km langen Großen Plessower See jeder motorisierte Wassersport verboten und sogar Segelboote sind nicht erlaubt. Der Große Plessower See ist ein Trinkwasserreservoir, ein Gewässer in Topqualität. Es gibt an diesem touristisch kaum erschlossenen See nur wenige Badestellen und ein Strandbad in Werder. Sonst nichts. 2 m Klarsicht und keine kalten Strömungen in tieferen Schichten. 

Blick auf den Großen Plessower See
Der Große Plessower See

Wir treffen eine Familie die sinnend zum gegenüberliegenden Ufer schaut. Die Frau erzählt uns, sie sei in der Nähe aufgewachsen und als Kind war dieser Platz ihr Sommersonnenort. Einmal hat sie den Schlüssel zu ihrem Poesiealbum hier verloren und sie fragt sich, ob er noch da ist. Auf dem Grund des sauberen Großen Plessower Sees.

Von der Badestelle aus gehen wir eine extra Runde um den ehemaligen Weinberg oder besser Weinhügel herum. Die Maiglöckchen blühen und verströmen ihren süßen Duft. Wir verlaufen uns und stapfen durchs Unterholz bis wir auf einer Lichtung stehen, auf der die Quittensträucher blühen und Esskastanien gedeihen. Plötzlich liegt Herbst in der Luft.

Von Plessow nach Kemnitz

Unter der Autobahn hindurch und nach einer Rechtskurve erreichen wir Kemnitz. Kemnitz mit K ist unser nächster Stopp. Das gibt es sogar dreimal in Brandenburg. Das slawische Wort Kamenica bezeichnet einen steinigen Acker. Der Acker, der den Aufenthalt im Dorf im übertragenen Sinne ein wenig steinig macht, ist der Berliner Ring, die A 10. Ungefähr dort, wo seit dem frühen Mittelalter der Weg nach Magdeburg führte, rasen die Fahrzeuge. Nach einer Weile blenden wir das Grundrauschen einfach aus.
Ein wenig scheint das kleine Kemnitz, als sei es eine Seite aus einem Dorfbilderbuch oder aus einem Häuserbaukasten für die Modelleisenbahn entstanden. Tatsächlich haben früher viele Dorfbewohner bei der Eisenbahn gearbeitet, die Strecke von Berlin nach Magdeburg führt fast durch den Ort. Seitdem hat sich viel verändert. Die alten Bäume stehen noch immer an der kopfsteingepflasterten Straße im Dorf. 


Mittendrin schimmert die Kirche im warmen rötlichen Farbton, ihre dicken Feldsteine sind Kaminrot überstrichen und die Farbe zeigt erste südliche Patina. Ein kleiner Fachwerkturm ragt aus dem Kirchenrechteck, die Eingangstür ist verschlossen. Nebenan steht das ehemalige Gutshaus der Familie von Britzke. 
Schon vor 1450 gehörte es den von Rochows, durch Verkauf profitierten die von Görnes und schließlich Heinrich Carl von der Marwitz. Er vermarktete Dorf und Herrenhaus 1735 an den Landrat von Britzke. Familie von Britzke blieb bis 1945, im Jahr darauf wurde das Gut eine LPG.  Das Renaissancegebäude auf einer Halbinsel im Großen Plessower See gehört inzwischen einem schwäbischen Investor und wir können über die markante Absperrung nur einen Giebel des Hauses erspähen. Weil durch Privatisierung der alte Zugang zum See in der Dorfmitte versperrt ist, gibt es nebenan einen neu angelegten Park mit zahlreichen Bänken für die Rast. Von hier aus führt der Wanderweg weiter nach Werder. Doch bevor wir ihn gehen, schauen wir uns noch um.
Kemnitz ist ein Ort für gehobene Ansprüche. Ein Golfclub, ein 3-Sterne-Hotel mit Blick auf den See und das Pferdegestüt Bonhomme prägen das Ambiente. Der Park und der Zugang zum Herrenhaus sind videoüberwacht, ein schwarzer Porsche rollt langsam an uns vorbei. Statt der alten Dorfmitte heißt der Treffpunkt „Zum Rittmeister“. Für alle, die Durst auf Homebrewing haben, ein Edel-Pils oder Schwarzbier, ist „Zum Rittmeister“ mit seinem Biergarten unter Bäumen ein schöner und guter Pausenort. Wir hatten schon Potsdamer Klosterbier und Werderaner Apfelsaft am See und ziehen weiter auf dem Wanderweg E 10. 

Stadtansicht auf Werder
Werder

Die Insel in Werder

Bis zum Ortsanfang von Werder ist es nicht weit. Am Seeufer entlang bis zum Strandbad, durch den Stadtpark und schon sind wir an der Brücke. Werder ist Insel und Insel ist Glück. Wir sitzen am Wasser, schauen den Booten zu und lassen unsere Beine vom Steg herunterbaumeln. Die Stadtinsel Werder wird von der Havel umarmt. 
Eigentlich ist die Insel ein Hügel. Oben auf der Anhöhe steht die neogotische Heilig-Geist-Kirche mit ihrem aufragenden Turm. Geplant wurde sie vom renommierten Architekten August Stüler und 1858 eingeweiht. Aus der Ferne übernimmt sie die Funktion eines Leuchtturms und signalisiert allen Reisenden – hier ist Werder. Im Inneren des Chorraums schwebt über dem Altar ein leuchtender Sternenhimmel. Nebenan steht mit erstarrten Flügeln die Bockwindmühle. Seit 1500 durften die Werderaner Windmühlen errichten, im 20. Jahrhundert brannte die letzte nieder. In den 1970er Jahren haben die Städter eine alte Mühle gekauft und sie wieder hier auf dem Mühlenberg aufgebaut.


Das Alte Rathaus, nur ein paar Schritte weiter, entstand 1879 aus einer Fachwerkschule und prangt in Neorenaissance. Im ehemaligen Stadtgefängnis, in dem bis 1896 das Leichenhaus des Friedhofs war, ist jetzt das Obstbaumuseum mit Informationen zum Obst der Region. Das Obst und das Baumblütenfest alljährlich Anfang Mai sind ja die Synonyme für Werder.


Wir wählen den Rundweg am Ufer. Das ist für mich das Schönste auf dieser Insel. Vom Festland aus linkerhand ein Stück am Ufer entlang, vorbei an der katholischen Kirche „Maria Meeresstern“ öffnet ein paar Meter weiter der Traum einer Gartenkolonie. Sei es das Klima oder die eifrigen Hände, hier blüht alles viel früher und üppiger als in der Umgebung. Die Blüten der Pfingstrosen sind weit offen und die Rosen schon vielfarbig neben dem Mohn.

Nachdem der Blütenrausch uns glücklich machte, ist das anschließende Schlendern am Wasser einfach schön. Es gibt zahlreiche Pausenplätze und Einkehrmöglichkeiten mit Blick ins Blaue. Im „Arielle“ werden wir doch zu „barbarischen Fischfressern“, wie es im Disney-Film heisst, und holen uns an der Theke ein Fischbrötchen. Der Fisch schwamm wohl nicht in der Havel und unser Gefühl ist deshalb recht maritim.

Der Weg durch die Straßen zurück verkündet an jeder Ecke Idylle. Früher lebten auf der Insel die Fischer und Ackerbürger, inzwischen diejenigen mit einem Porscheschlüssel oder Airbnb. Manche Gebäude sind etwas maniristisch renoviert, andere sind einfach Alltag.


Im Lendelhaus, dem barocken Gutshaus der Familie Kaehnel auf dessen Gelände später Friedrich Wilhelm Lendel eine Obstverwertungsfabrik für den hungrigen Berliner Markt eröffnete, gibt es ein kleines Café und ein Kunstatelier. An Gelegenheiten zum Essen und Trinken mangelt es in Werder auch hier nicht.
Unser letzter Stopp kurz vor der Brücke ist der Werderaner Regionalladen und nach dem Zahlen an der Kasse landet in meinem Rucksack ein Glas mit Kaninchenleberwurst. Ich bin gespannt.  

Das waren die Reisefrequenzen! Heute auf einer Runde um den Großen Plessower See. Der sauberste See und die schöne Stadtinsel Werder/Havel.

Werder - Plessow - Kemnitz. Der sauberste See und die schöne Insel.

Tipps:

Wo: Werder – Plessow – Kemnitz –Werder
Was: Eine Runde um den See. Mit dem Fahrrad, zu Fuß oder mit dem Auto in ungefähr 15 Kilometern. Die Strecke ist nicht als Seerunde ausgebaut. Die Badestellen und auch die Orte lohnen einen Besuch.
Food: Hofladen Lindicke. „Zum Rittmeister“ Kemnitz. In Werder gibt es alles und mehr als der Magen begehrt. Im Café Hagemeister hängt eines der Bilder des aus Werder stammenden Malers Karl Hagemeister, es gibt guten Kuchen und Kaffee von der Kaffeerösterei “Spreebohne” an der Havel.
Inspiration: In Werder ist auf dem Galgenberg das einzige Christian Morgenstern Museum in Deutschland. https://www.bismarckhoehe-in-werder.de
Werders Weinberg bietet Wein plus Ausblick. Werder, Wachtelberg. Saale-Unstrut an der Havel.
Wechselnde Ausstellungen in der Historischen Saftfabrik Lendelhaus.
Das Obstbaumuseum in der Kirchstraße http://museen.de/obstbaumuseum-werder-havel.html
♥️ Unser Lieblingsort: Die Badestelle am Plessower See bei Plessow. Die Stadtinsel Werder. 

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