Schwielowsee. Eine Perle für alle, ein Refugium der Künstler und ein Platz absoluter Schönheit.

Brandenburg
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Schwielowsee. Eine Perle für alle, ein Refugium der Künstler und ein Platz absoluter Schönheit.
Schwielowsee. Eine Perle für alle, ein Refugium der Künstler und ein Platz absoluter Schönheit.
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Hallo! Hier sind die Reisefrequenzen. Heute sind wir unterwegs auf einer Runde um den  Schwielowsee, nicht weit von Potsdam entfernt. Wir nehmen Euch auf unsere Erkundungen wie immer gerne mit. Nah ist es auch schön.

Der Schwielowsee ist eine Bucht der Havel. Er beginnt bei Caputh und fließt beim gegenüberliegenden Ort Geltow mit der trägen Havel davon. Der See ist der südlichste Punkt des sich durch Brandenburg schlängelnden Flusses. Von hier aus dreht die Havel unter der Baumgartenbrücke hindurch wieder nach Norden um. Vier größere Orte liegen direkt am Wasser. Sie heißen Caputh, Ferch, Petzow und Geltow. Wir zeigen Euch die Sehenswürdigkeiten vom Schwielowsee.
Der zwischen bewaldeten Hügeln liegende See war einst eine Gletscherzunge und ist so wie fast ganz Brandenburg ein Überbleibsel der letzten Eiszeit. 786 Hektar groß, 5,4 Kilometer lang und 2 Kilometer breit. Der Wasserspiegel liegt fast 30 m über dem Meer, die höchste Erhebung in der waldreichen Umgebung ist der Weitkiekenberg. Mit fast 130 m ist er im flachen Brandenburg ein Ausguck für den Weitblick.
Unser erster Stopp ist Caputh.

1. Ein Rundgang durch Caputh

Es ist ein gemütliches Dorf und seit Jahrhunderten eine Sommerfrische für wohlhabende Berliner. Der erste, der hier ein Sommerrefugium erbauen ließ, war der Große Kurfürst im 17. Jahrhundert. Er schenkte seiner Frau Dorothea ein Haus am See. Gelb leuchtet das kleine Schloss zwischen den hohen Bäumen. Der Blick schweift von dort zum Gewässer. Wenn die Sommer zu heiß sind, lockt im Schloss der festlich kühle Speisesaal, ausgekleidet mit 7500 weiß-blauen niederländischen Fayencefliesen. Er ist eine kostbare Sehenswürdigkeit.
Wir flanieren auf der Seepromenade, trinken Eisschokolade die schmeckt wie in Kindertagen und schauen der Seilfähre „Tussy“ zu. In der Zeit eines Wimpernschlages fast überquert sie das Caputher Gemünde.
Ein wenig landeinwärts finden wir eine der bekanntesten Gestalten der deutschen Fernsehgeschichte. Am Haus in der Weberstraße 12 hängt eine Figur mit einer roten Zipfelmütze, einem roten Umhang und einem weißem Bart. Das ist der Sandmann, der allabendlich auf die Bildschirme kommt. Hier ist er ein Relief aus Ton, gebrannt in der Glindower Ziegelei. Gerhard Behrendt, der Sandmannerfinder, wurde in diesem Haus 1929 geboren und hat bis 1955 hier gelebt. Das Sandmännchen entstand 1959 in nur 14 Tagen.

Das Sandmännchen streut die schönsten Schlafsandträume in die Augen. Doch halt. „Sandmann, lieber Sandmann, es ist noch nicht soweit“. Denn wir wollen noch mehr vom Schwielowsee sehen.
Zurück am Ufer. Das Leben brummt und die Motoren der vorüberfahrenden Boote scheppern. Früher ist Albert Einstein hier, nicht weit von seinem Sommerhaus entfernt, sehr gerne gesegelt.
Vor dem Restaurant „Fährhaus“, in dem es gute Speisen und einen schönen Ausblick gibt, wartet eine Menschenschlange um Punkt 12 Uhr auf Einlass zum Essen.

Wir setzten unsere Runde fort. Das ist mit dem Auto aber besser mit dem Fahrrad gut möglich. Ab Potsdam Hauptbahnhof und zurück in etwa 30 Kilometern. Fahrradwege sind fast überall ausgebaut, nur in den Ortsdurchfahrten nicht. Und ganz entspannt ist eine Schwielowseerunde auf dem Ausflugsdampfer.

2. Das Malerdorf Ferch

Unser nächstes Ziel ist Ferch.  Die Straße durchs Dorf führt in minialpinen Serpentinen in die uralte Schmelzwasserrinne.
Die südliche Spitze. Der schönste Blick! Licht fließt über das Wasser, weiße Segelboote sind unterwegs, es ist wie Urlaub. Auf der Bank sitzen und auf das Blau von Wasser und Himmel schauen. Im Strandbad von Ferch gibt es Sandstrand, eine Wiese und alles was Badenixen und Meermänner suchen. Ein Netz für Beachvolleyball, ganz ohne Schnickschnack. Wer das Wasser liebt, aber nicht hautnah ins Element tauchen möchte, kann in der Nähe ein Kajak mieten.
Und dann ist da noch der Pavillon mit der Holzterrasse. Zu jeder Tageszeit bleibt ein schöner Blick auf den See und die grünen Ufern. Am Schönsten ist es zum Sonnenuntergang. Ein idealer Platz für ein Glas Wein im Abendlicht.

Ferch war einmal ein Ort des Obstanbaus, der Ziegeleien, der Mühlen, der Pechsieder und der Fischer. Im Mittelalter gehörte die Siedlung den Zisterziensermönchen aus Lehnin. Später übernahm die Ritterfamilie von Rochow den Ort.
Die ältesten erhaltenen Häuser stehen reetgedeckt und verführerisch blumengeschmückt an der Dorfstraße. Eine Frau in einem hellen Sommerkleid arbeitet zwischen den üppigen Blüten. Sie ist die Besitzerin und die Gärtnerin und erzählt uns über die Pflege der Vegetation. Als wäre sie in ihrem perfekten Styling und der ebengleichen Umgebung der „Landlust“ enstiegen. Die Häuser, vor denen sie steht, sind während des 30jährigen Kriegs gebaut worden. Danach standen sie leer. Es lebte nach 30 Jahren Krieg noch eine einzige Frau in Ferch.

Ferch ist ein Ort der Lichts. Das erkannten auch die Künstler. Ende des 19. Jahrhunderts kamen Karl Hagemeister aus Werder und sein Freund Carl Schuch aus Wien, um in Ferch an ihren malerischen Werken zu wirken. Sie liebten wie wir die Stimmung am See. Ruhiger als in Caputh und weniger grandios als in Petzow. Ferch war der richtige Ort für die lichtsuchenden impressionistischen Maler. Im Gegensatz zu anderen landschaftlich schönen Gegenden entstand hier jedoch keine Künstlerkolonie im eigentlichen Sinne. Die Künstler blieben Solisten. Heute steht auf dem Ortsschild „Malerdorf Ferch“ und ein kleines Museum in einer reetgedeckten Kossätenkate zeigt die Entwicklung der Kunst und ihrer Persönlichkeiten. Die Fercher Zeit der Impressionisten hatte ihren Höhepunkt noch vor dem 1. Weltkrieg.
Karl Hagemeister wurde später Mitglied der Akademie der Künste in Berlin, einige seiner Werke sind im Berliner Bröhan-Museum zu sehen. Landschaften, Natur, Licht und Schatten.

Für alle, denen Seeterrasse und Kunstmuseum nicht genügen, gibt es zwei Extra-Tipps. Der eine Tipp ist die Fischerkirche aus dem 17. Jahrhundert, versteckt hinter Bäumen. An der Decke ihres Gewölbes schweben Engelsgesichter in Wolken, so als würden sie gleich weiter über den Schwielowsee gleiten. Ein fliegender Taufengel wacht über der Gemeinde.
Der zweite Tipp könnte der japanische Bonsaigarten mit seinem idyllischen Teehaus sein. Bei unserem heutigen Besuch war es uns allerdings zu voll und zu unruhig dort.
Wir spazieren auf der langen Promenade am See und ärgern uns hin und wieder über die uns Zugang versperrenden Schilder „privat”. Wir wundern uns über ein graues Haus dicht am Wasser und zwei dazugehörige Menschen beim Sonnenbaden unter dem Schild der „Marina“. Das sieht aus wie ein wenig Theater. Dabei ist das Fercher Theater die „Obstkistenbühne“. Sie hat ihre Kleinkunstbühne auf einem alten Bauernhof und ist das Konzept und die Kreativität von Wolfgang Protze. Lieder, Gedichte, Humor und Holzpantinen sind ihr Motto. Auf jeden Fall lohnend.

3. Gutsherrliche Grandezza in Petzow

Unser nächstes Ziel ist Petzow. Das Lob für diesen Ort mit Kirche, Schloss, Park und See schrieb Theodor Fontane. „Das Ganze (ist) ein Landschaftsbild im großen Stil; nicht von relativer Schönheit, sondern absolut”.
Ein paar Meter hinauf auf den Grelleberg steht die Dorfkirche, vor uns die Apsis. Grüngelbe Ziegeln für die Wände, rötliche für das Gesimsband. Das tönerne Farbspiel der Mark. Ein rechteckiger Bau, ein mit einem Brückenbogen verbundener Glockenturm, gebaut 1840-42. Innen klassizistisch, außen ein Hauch von Neogotik. Am 31.10.1842 wurde sie geweiht. Die Lage ist phänomenal. Links ein See und rechts ein See und einer fast geradeaus. Der Schwielowsee leuchtet in der Ferne, der Glindower See liegt am Fuße des Steilhanges und der kleine rund-ovale Haussee schläft in der Senke.

Am Ende des Weges kurz vor dem See steht das Gutshaus, auch Schloss genannt. Der Bau ist halb englischer Tudorstil und halb Italien. Die Fassaden sind verputzt und sonnengelb gestrichen, Toscana mit vier zinnenbewehrten Türmen. Zur Südseite lassen neogotische Fenster das Licht in einen großen Raum. Ich stelle mir eine illustre Gesellschaft bei den frisch geadelten Gastgebern zur englischen Teatime mit Blick auf den englischen Garten des höfischen Gartenarchitekten Lennés vor. Die Besitzerfamilie von Kaehne repräsentierte damals, als säße sie schon seit dem Mittelalter in dieser Burg am See.
Uns bleibt die schmackhafte Leber mit Zwiebeln und Äpfeln im unprätentiösen Garten der „Fontaneklause“. Nach dem Essen bedanke ich mich. „Ihre Leber war lecker“. Welch eine Fehler. Die Antwort kommt prompt. „Sie kennen meine doch gar nicht.“ Typisch Brandenburg.
Gegenüber an der kleinen Straße verkauft ein alter Herr uns Zucchini aus dem Garten, Tomaten gäbe es auch. Seit 30 Jahren macht er das schon. Gleich nach dem Mauerfall hat er mit seinem Zusatzgeschäft begonnen. Wir nehmen noch einen Strauß wunderbar vielfarbiger Dahlien mit. Sie sind so selten geworden, die aus Mittelamerika stammenden Blumen, die nach Aufmerksamkeit und Pflege verlangen.
Dann gehen wir hinunter zum See und pflücken auf dem Weg reife Brombeeren, blicken zurück auf das schmucke bauliche Ensemble in Petzow und genießen unsere Tour.

4. Die Handweberei und ein Café in Geltow

Der letzte Ort am See ist Geltow auf der anderen Seite der großen die B1 tragenden Straßenbrücke. Unübersehbar und unvergesslich leuchtet von Weitem das buntgemusterte Dach der Geltower Kirche über den See. Eine rot-grün-gelbe Zickzacklinie zieht sich über die Dachziegel des neogotischen Baus. Geltow ist eine schnell wachsende Gemeinde. Doch mittendrin finden wir einen malerisch lauschigen Platz. Ein niedriges altes Haus, eine goldgelbe Fassade, blaue Fensterrahmen. Das ist die Handweberei Geltow. Noch heute wird hier an fast 300 Jahre alten Webstühlen gearbeitet, 16 von ihnen sind ausgestellt. Den schwingenden Schiffchen und schnellen Tritten, dem Klappern des Webstuhls, dem Sausen des Fadens lauschen wir eine Weile und schauen der gleichmäßigen Arbeit zu. Schautafeln erklären uns alles über Kettschären und Kettbäumen und Walzen. Seit 1927 werden in dieser Werkstatt, gegründet von Henni Jaensch- Zeymer, Stoffe per Hand gewebt. Accessoires, Handtücher und Tischwäsche entstehen aus natürlichen Fasern, die Handweberei ist ein aktives Museum. Auf Bestellung  werden auch Wunschstoffe gewebt.

Unser Extra-Tipp ist das Café im Webhof. In ländlicher Atmosphäre, zwischen blühenden Stockrosen und Ranken wird hausgebackener Kuchen gereicht. So ist der Ort wieder das, was er einmal war. Ein Gasthof für Ausflügler aus dem nahen Berlin. Henni Jaensch machte den Tanzsaal zur Werkstatt und im Garten züchtete sie Wollschafe und baute Flachs an. Nach einer turbulenten Geschichte war die Währungsunion das Aus für die Handweberei. Die traditionelle Arbeit war den neuen Voraussetzungen einerlei. Seitdem ist Deutschlands größte Handweberei ein arbeitendes Museum.

5. Baumgartenbrück, die seltene Schönheit

Die allerletzte Station. Baumgartenbrück ist die Straßenbrücke am Ende des Sees. Direkt neben der Brücke steht ein Restaurant. Hier treffen wir gedankenversunken zwei über die Gegend schwärmende Herren.  Der eine ist Theodor Fontane, unser steter Begleiter durchs Havelland. „…was dauernd hier fesselt … das sind doch die Gaben der Natur, das ist … die seltene Schönheit des Platzes. Es ist eine ‚Brühlsche Terrasse‘ am Schwielow-See.“
Überschwänglich holte Fontane nach einem Besuch in Baumgartenbrück im Jahre 1869 den Dresden Vergleich aus der Tasche. Der andere Herr ist der Freiherr von Meusebach, Träger eines interessanten Namens, zugezogen ins nahe Geltow und Freund der Brüder Grimm. Er reiht sich ein in diese Begeisterung. „Baumgartenbrück ist nicht sehr grosz, sondern nur sehr schön.“
Die Brücke ist eine der wichtigsten Passagen über die Havel. Jeder machte hier Station. Damals war die alte Fernverbindung zwischen Berlin und Brandenburg noch nicht so viel befahren und das lauthalse Auto noch nicht erfunden.

Im roten Ziegelgebäude wird seit 1831 von Familie Herrmann ein Restaurant geführt und im Sommer auf der grünen Terrasse das Essen oder ein kühler Drink serviert.
Glücklicher noch als die beiden Herren scheint die blonde Frau aus Holz. Sie schaut aufs Wasser und blinzelt in die Sonne. Lächeln, in sich selbst ruhen, durchatmen und dazu ganz gelassen die Krone auch mal absetzen. Nichts ist schöner am Schwielowsee. Die Skulptur von Albrecht Klink ist ganz sie selbst.

Das war unsere Runde um den Schwielowsee, nicht weit von Potsdam.
„Kinder, liebe Kinder, es hat mir Spaß gemacht. Nun schnell ins Bett und schlaft recht schön“. Der Sandmann aus Caputh streut Schlafsand in unsere Augen, Sand von den Stränden des Schwielowsees. Sand für die süßen Träume.

Schwielowsee. Eine Perle für alle, ein Refugium der Künstler und ein Platz absoluter Schönheit.

Tipps & Sehenswürdigkeiten am Schwielowsee für Euch:
Wo: Am Schwielowsee in der Nähe von Potsdam
Was: Eine Tour um den See von Caputh bis Baumgartenbrück. Mit dem Fahrrad, dem Auto oder dem Ausflugsdampfer.
Schifffahrt: https://www.schwielowsee-tourismus.de/urlaubsinspiration/wasserparadies/fahrgastschifffahrt.html
Infos:
Schloss und Park Caputh https://www.spsg.de/schloesser-gaerten/objekt/schloss-park-caputh/
Museum der havelländischen Malerkolonie in Ferch: https://www.havellaendische-malerkolonie.de/
Kunst am Schwielowsee: https://www.schwielowsee-tourismus.de/kunst-kultur/kunst/ateliers-kuenstler.html
Mehr über Caputh und Petzow gibts auf diesem Blog: Caputh. Zu Tussy II und Albert Einstein. Petzow. Ein Schloss am See, ein englischer Park und ein Verbrechen.
Food: Fährhaus in Caputh. Strandbad in Ferch. Fontaneklause in Petzow. Sanddorn-Garten in Petzow.
Strand/Badestelle: In Ferch, Strandbad. In Petzow, freie Badestelle.
♥️ Unser Lieblingsplatz: Caputh, die Promenade. Ferch, das Museum der Havelländischen Malerkolonie und die Kirche. Petzow, der Park.

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