Limassol/Zypern. Tipps für die Altstadt zwischen Tradition und Meer.

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Limassol/Zypern. Tipps für die Altstadt zwischen Tradition und Meer.
Limassol/Zypern. Tipps für die Altstadt zwischen Tradition und Meer.
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Hallo! Hier sind die Reisefrequenzen. Heute bummeln wir mit Euch zu den Sehenswürdigkeiten in der Altstadt von Limassol an der südlichen Küste der Insel Zypern.
Reisen nach Zypern sind wieder problemlos möglich (Stand 01.10.2021) und unser ,Sehnsuchtsbericht zum Fernhören’ führt Euch gen Süden ans Meer. 

Zypern liegt in der Levante, der östlichen Ecke des Mittelmeeres. Limassol ist mit knapp 200.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt auf der Insel, direkt am Meer und  multikulti. Unser Weg führt uns in die Altstadt. Ehrlich, authentisch, ungeschminkt, voller Geschichtszeichen und Lebensspuren und ohne Bilder der Influencer. 

Limassol/Zypern. Tipps für die Altstadt zwischen Tradition und Meer.
Street Art unter dem Wassertank

Limassol ist eine Stadt der Häutungen und des Wandels. Davon erzählt schon ihr wechselnder Name. In der Antike hieß die Stadt Neapolis, später nannten die Zyprer sie Lemesós. Und so heißt die Metropole noch heute. International nennen wir sie in politisch inkorrektem Sprachgebrauch Limassol. Diesen Namen gaben die Kreuzfahrer der Siedlung nach der mittelalterlichen Eroberung.
Die Geschichte Zyperns ist lang und sehr vielfältig. Das zeigt sich auch im Gesicht der Stadt.
Sie ist eine agile Hafen- und Finanzcity im schnellen Umbruch. Eigentlich sind der Ort zwei. Einerseits die Altstadt mit ihren schmalen Gassen und den alten Häusern, die sich um die mittelalterliche Burg scharen. Andererseits ist in den neueren Stadtteilen der Hochhausbauwahn ausgebrochen, zumal auf den Filetstücken entlang der Küste. In den Vororten sind küstennah Hotels aus dem Boden geschossen. Aus der Ferne ist die Stadt ein Häusermeer mit Kränen und Baugerüsten für immer neue, teils architektonisch interessante Gebäude. 

1. Molos, die Strandpromenade von Limassol

Wir beginnen unseren Rundgang auf der Strandpromenade, die das Meer vom Stadtzentrum trennt. Molos, die Promenade, ist Lifestyle und Ausgehhotspot. Dementsprechend ist das Parken eine Herausforderung. Eine Zyprerin winkt uns auf ihren gerade geräumten Platz und schenkt uns das Geld für die Parkuhr. Ein Zeichen des Zeus Xenios, des Schützers der Gäste und Fremden, ein Zeichen der zyprischen Gastfreundschaft. Da bleibt uns noch viel zu lernen.
Unser Blick schweift weit aufs Meer, hohe Palmen spenden Schatten. Auf weit geschwungenen Extrawegen, die auf Pfählen im Wasser stehen, stelle ich mich über die sanften blauen Wellen und atme die salzhaltige, frische Luft. Und frage mich, wie die Zyprerinnen es schaffen, auch nachdem der Wind durch ihre Haare fegte noch wie frisch frisiert auszusehen.
Die Hauptpromenade ist ein breiter Grünstreifen. Sie ist ein Skulpturenpark, ein Fitnessparcour mit Geräten und einfach der Ort, um hier richtig zu sein. Ich schaue den Familien und Freunden zu, die sich hier treffen. Angler verbringen ihre Zeit und warten auf Fisch. Fliegende Händler bieten Zuckerwatte in rosa und große bunte Ballons an. Ich kaufe mir einen frisch gepressten Orangensaft und mache eine Pause auf den klobigen Steinen des Küstenschutzes. So bin ich dem Meer am nächsten. Zahlreiche Frachtschiffe liegen vor mir wie farbige Punkte im Wasser auf Reede und warten auf den nächsten Auftrag.

Limassol/Zypern. Tipps für die Altstadt zwischen Tradition und Meer.
Blick aufs Meer von der Promenade in Limassol

2. Der alte Hafen, neu ausgebaut

Die Uferpromenade endet im alten Hafen. Das ist der Place to be für die Lemensiani, die Einwohner von Limassol. Der alte Fischerei- und Warenhafen mit seinem bis vor kurzem noch abgesperrten Hafenbecken ist umgestaltet und neu bebaut. Ein abwechslungsreicher Ort mit charmanten Lokalen. Pittoresk anzuschauende Fischerboote schaukeln vor stylischen Tavernen. Die Restaurants bieten leckeres Essen in modern-zyprischem Ambiente. Es ist ein schöner Ort mit Flair am Meer. 

Limassol/Zypern. Tipps für die Altstadt zwischen Tradition und Meer.
Neubauten am alten Hafen

3. Limassol Marina, künstliche Inseln

Ein paar Schritte weiter stehen wir vor der aus dem Meer gestampften Limassol Marina. Luxusvillen auf schwimmenden Inseln, teure Yachten im Hauseingang ankernd. Limassol Marina ist ein bonbonbuntes Disneyland für finanzkräftige Investoren. Selbst inmitten der großen Finanzkrise wurde an den künstlichen Seeinseln tatkräftig weitergebaut. Die Limassol Marina ist das Statement zyprischer Geld- und Steuerpolitik. Goldene EU-Pässe verkaufen, ein Steuerparadies anbieten, Pandora Papiere bestücken, russisches und arabisches Investment fördern. Die Stadt ist ein Umschlagplatz für Geld geworden, nicht immer legal.
In der Ferne erkenne ich die Gebäude des modernen Seehafens. Das Terminal für Fracht- und Kreuzfahrtschiffe ist die größte zyprische Anlegestelle. Hier wird Frachtgut angelandet, hier werden die Kurzzeittouristen ausgespuckt und wieder eingesogen, von hier aus werden die Schiffe versorgt, die vor der Küste im Aphrodite Gasfeld operieren und hier liegt das Schiff der deutschen Marine im Auftrag der UNO-Mission UNIFIL.

2. Zum Kastell in der Altstadt von Limassol, besonders romantisch am Abend 

Vom alten Hafen aus überqueren wir einen tosenden Kreisverkehr und erreichen die Fußgängerzone im Herzen der Altstadt von Lemesós. An der Ecke stehen die Taxifahrer. Sie warten, rauchen, unterhalten sich laut rufend und trinken derweil einen kleinen griechischen Kaffee.
Im Zentrum der sonst so schnell gewordenen Stadt ist ein wenig die Zeit stehen geblieben. Zeit zum Stöbern, Zeit zum Genießen, Zeit für das Herz levantinischen Lebens. Rechterhand ist das alte Lager- und Handwerkerviertel, hinter manchen Türen wird noch gewerkelt.

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Vor uns lagert das massive Kastell, der behäbige rechteckige Bau der mittelalterlichen Burg aus hellem Kalksandstein. In ihrem Garten wachsen Oliven und Granatapfelsträucher, eine Ölpresse und frühe Artefakten sind ausgestellt. 1191 soll hier der englische König Richard Löwenherz geheiratet haben, wahrscheinlich in einem Vorgängerbau. Seine Frau hieß Berengaria von Navarra und Richard war wohl ausschließlich als geopolitischer Stratege an ihr interessiert. Da half auch keine Hochzeit auf der Insel der Liebe, auf Zypern. Die Hochzeit in Limassol war ohnehin nur ein Zufall, denn Berengarias Flotte wurde auf dem Weg ins Heilige Land abgetrieben. Kaum angelandet wurde die Spanierin vom zyprischen Herrscher Isaak Komnenos verhaftet. Richard Löwenherz befreite sie aus den Kerkern und eroberte nebenbei die ganze Insel. Damit begann für Zypern eine über 700jährige Fremdherrschaft wechselnder Hoheiten. 
In der Burg zeigt das zyprische Mittelaltermuseum Teile des Silberschatzes von Lambousa, gelbgrüne Majolika aus der Epoche der französischen Lusignans und einige mitteleuropäische Ritterrüstungen. Wir haben schon andere Rüstkammern gesehen. Interessanter ist der Blick von der Dachterrasse über das Zentrum zum Hafen. Die Spitzen der Minarette und die Kuppeln der Kirchen heben sich über die rotgedeckten Dächer mit ihren weißen Wassertanks. Hohe alte Dattelpalmen ragen aus diesem altstädtischen Häusermeer. Dort wo sie stehen wohnten vor der Teilung des Landes 1974 die türkischen Zyprer. Der Verzehr von Datteln ist das Zeichen des Fastenbrechens und daher gilt die Dattelpalme als ein muslimischer Baum. Heute erinnern die Bäume wie auch einige türkische Straßennamen an die einst religiös und sprachlich gemischte Stadtbevölkerung. 
Um die Burg herum, dort wo vor einigen Jahren noch die Autos fuhren, ist jetzt eine besonders am Abend romantische Flaniermeile angelegt. Die Innenstadt ist in den letzten Jahren nach schier ewiger Baustellenzeit aus dem Staub neu erstanden. Restaurants haben ihre Tische und Stühle auf das Pflaster gestellt, griechische Musik klingt über den Platz und abends, wenn das Kastell sanft angestrahlt wird, leuchten die Kerzen und Fackeln. 
Hinter der Burg stehen die alten aus Kalkstein errichteten Hallen, in denen die Schoten und Kerne des Johannisbrotbaums gemahlen und verarbeitet wurden. Einst waren sie fast das wichtigste Agrarprodukt, das schwarze Gold Zyperns. Ein kleines Museum zeigt die alten Maschinen und großformatige Fotos erzählen von der anstrengenden Arbeit in einer Zeit, als noch Esel die Lasten trugen. 

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In einem kleinen Laden verkauft ein alter Herr Grillspieße und Grills, kein zyprischer Haushalt kommt ohne sie aus. Eine Katze huscht vor uns durch die Gasse. Ich bewundere die stabilen Holztüren und die gemauerten Bögen der Altbauten. Vor uns steht das Minarett der Großen Moschee mit seinem spitzen Helmdach. 
Auf dem Weg holen wir uns ein Eis auf die Hand im Hesperia Café, dann flanieren wir weiter.

3. Die Große Moschee und die Agia Napa Kirche 

Wir biegen rechts ab und erreichen den Zaun vor der aus dem 16. Jahrhundert stammenden Großen Kebir-Moschee. Sie steht auf den Fundamenten der Katharinen-Kirche und ist bis heute ein wichtiger ritueller Ort der Muslime. Vor dem Gebäude liegt ein kleiner Friedhof mit seinen alten muslimischen Gräbern, beschattet von Oliven, Zypressen und einer üppigen Bougainvillea.
Unweit zweigt eine der ältesten Gassen der Stadt ab. Loutron, die Straße zum Bad. Sie führt zum türkischen Hamam, dass seit dem 16. Jahrhundert bestand und vielleicht ein älteres ersetzte. Die hölzerne Tür ist eisern verschlossen. 
Wer sich fragt, warum hier nicht alles schön herausgeputzt und charmant ist, dem antwortet die Geschichte. Anfang des 19. Jahrhunderts, noch während britischer Kolonialzeit, rüttelt ein Erdbeben an den Häusern der Stadt. Und für die bis 1960 herrschenden Briten ist die damals bäuerlich geprägte Insel hauptsächlich ein strategischer Spielball und nicht Plan eines großen Entwicklungsinvestments. Nach der Teilung 1974 strömen etwa 30 000 zyperngriechische Flüchtlinge aus dem Norden gen Süden nach Limassol. Gleichzeitig mussten die 8000 türkischen Zyprer die Stadt gen Nordzypern verlassen. Wohnhäuser werden eilig hochgezogen, neue Stadtviertel aus dem staubigen Boden gestampft, die Hotelinfrastruktur entsteht. Viele ziehen aus den alten schönen aber komfortlosen Häuser der Innenstadt fort und überlassen sie dem Zahn der Zeit.

Limassol/Zypern. Tipps für die Altstadt zwischen Tradition und Meer.

In der alten Essigfabrik in der Genethilou Mitelia Straße hat die Theater Gruppe MITOS ihr Domizil, Kunst und Kultur haben in der Altstadt ihre Nischen gefunden. Jetzt taucht vor uns die Kuppel der orthodoxen Agia Napa Kirche in der Agiou Andreou Straße auf. Sie wurde 1906 auf byzantinischen Ruinen neu errichtet und ist eines der Wahrzeichen der Stadt Limassol. Innen ist sie im Vergleich zu anderen orthodoxen Kirchen ein eher nüchterner und klarer Raum. Besonders schön geschmückt und fast mysthisch leuchtet das Kirchenschiff zum Osterfest.

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Agia Napa Kirche in Limassol

Hier, in einem der orthodoxen Viertel, verändert sich der Stil und die Bauzeit der Häuser. Die 50er und vor allem die 60er Jahre werden präsenter. Auch diese Post-Bauhaus-Architektur mit ihrem Flachdächern und abgerundeten Formen findet langsam Aufmerksamkeit und ihre Liebhaber.
In der Agiou Andreou Straße werden die Lefkaritika genannten typischen Stickereien angeboten, nebenan gibt es Schuhe und Möbel. Unter einem Feigenbaum ist eine kleine Saftbar, nebenan gibt es libanesische Speisen to go. In einer Toreinfahrt werden Stühle neu gepolstert, ein Schneider näht hinter einem verstaubten Schaufenster. Mehr als 25 Kunsthandwerker verkaufen ihre Waren in den Altstadtgassen. 

4. Zur Markthalle und der Universität

Durch die Saripolou Straße schlendern wir am großflächigen kolonialen Postgebäude vorbei zum gleichnamigen Platz vor der alten Martkthalle der Stadt. Wieder ändert sich das Bild. Kleine Cafés, Rooftopbars, hübsche Läden und gut gemachte Street Art. Einer meiner Lieblingsplätze nach 24 Uhr ist die Sousami Bar, das ist ein kleiner Abstecher vorher in die Kitiou Kyprianou Straße. Groovy Indy Bar.

Das Flair der innovativen Szene haben wir auch auf anderen Wegen der Stadt gesehen, doch hier wirkt der Sog der nahen Uni verstärkend. 2004 wurde die University of Technology als zweite Uni der Republik Zypern gegründet. Sie ist glücklicherweise teilweise in historische Gebäude eingezogen und hat diese so am lebendigen Leben erhalten. Ihr Hauptgebäude steht in der Parallelstraße, in der auch das Limassoler Rathaus und das Deutsche Konsulat sind.
Die Markthalle in ihrem imposanten Gebäude ist, nachdem die Zyprer*innen bevorzugt im Supermarkt kaufen, seit 2020 ein neues Agora-Projekt für dining, shopping und entertainment und gehört zu den Sehenswürdigkeiten. Auf dem Saripolou Platz vor der Markthalle ist es dringend Zeit für einen Frappé. Es gibt Restaurants und Bistros, die typischen Holzstühle mit strohgeflochtener Sitzfläche stehen draußen. Ältere Herren lassen stossweise die Rauchwolken ihrer Zigaretten ziehen, einer von ihnen trinkt sein einheimisches KEO Bier aus der Flasche.
Eine Ecke weiter streifen wir durch die Anexartisias-Straße, eine der beliebtesten Einkaufsgegenden der Altstadt.

Limassol/Zypern. Tipps für die Altstadt zwischen Tradition und Meer.

Aber wir überlegen, ob wir langsam schon Hunger auf die geschmackvoll zubereitete Küche des Landes haben. 
Wer nur die heißen Tage der Innenstadt sieht, hat das Leben hier versäumt. Nachts wird die Altstadt von Limassol munter. Dann flutet Musik von griechisch bis Hip-Hop durch ihre Straßen. Limassol ist eine Stadt zum Feiern. Und eine Stadt der Festivals, von Karneval bis zum dionysischen Weinfest bis Musik und Theater und einfach an jedem Wochenende. Zugegebermaßen, ich mag diese unprätentiöse Altstadt.

Das waren die Reisefrequenzen. Das war unser Stadtbummel von der Seepromenade zu den Sehenswürdigkeiten durch die Altstadt von Limassol. An der Südküste der Mittelmeerinsel Zypern. 

Tipps & Sehenswürdigkeiten für Euch:
Wo: Limassol. Zypern
Was: Ein Bummel durch die Altstadt von Limassol
Sprache: Griechisch. Fast alle Zyprer sprechen auch englisch.
Wann/Reisezeit: Für Besichtigungen sind die Monate April, Mai sowie September, Oktober empfehlenswert. Für die heißen Nächste der Sommer.
Strände: Außer den Stadtstränden gibt es den Lady’s Mile Beach
Besichtigungen in der Altstadt von Limassol: Kastell mit Mittelaltermuseum, Volkskundemuseum.
Archäologisches Museum
Food: Karatello bei der Burg. Kypriakon und Gin Fish (beide am alten Hafen). Hesperia Eisdiele (Agiou Andreou) und unendlich viele andere gute Restaurants.
Musik: Sousami, Kitiou Kyprianou. Indy Bar.
♥️ Unser Lieblingsplatz: Die Promenade am Meer, der Platz um die Burg, die Gassen der Altstadt

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