Jüterbog. Eine Tour durch die Altstadt zwischen mittelalterlichen Türmen

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Jüterbog. Eine Tour durch die Altstadt zwischen mittelalterlichen Türmen
Jüterbog. Eine Tour durch die Altstadt zwischen mittelalterlichen Türmen
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Hallo! Hier sind die Reisefrequenzen, unterwegs in der Stadt Jüterbog in der sanften Landschaft des Fläming. Wir bummeln mit Euch auf durch die gemütliche Altstadt, die von Glanz und Größe erzählt. Auf den Spuren von Mittelalter, Reformation und Militär. Viel Platz, viel Grün, fast unzerstört. Eine Stadt voller Legenden. Und an einem Samstagnachmittag unglaublich ruhig. 

Als ich den Stadtnamen erstmals vernahm, meinte ich ein „r“ vor dem „g“ zu hören. Doch Bog kommt vom Bock. Im Stadtwappen zeigt ein schwarzer Bock seine goldenen Hörner und Hufen. Eine etwas plattfüßige Legende erzählt von der alten Frau Jutta, die samt Bock beim Betreten der Stadt zu ihrer Namensgeberin wurde. Erstmals erwähnt wird der Ort als „Iutriboc“, der lateinischen Form der slawischen Worte für Otter und Bach. Der Fischotter tummelt sich bis heute im vorbei fließenden Flüsschen Nuthe.

„Jüterbog ist Jammerbock“
. So hieß der Soldatenspruch um 1900. Ab 1832 wurde Jüterbog zur Garnison ausgebaut. Seit 1897 brachte die Königliche Militär-Eisenbahn Soldaten und Offiziere von der Berliner Kolonnenstraße direkt zum Einsatzort. Eine eigene militärische Planstadt entstand. Wir besuchen sie bei unserem nächsten Rundgang. Zum Schluss zogen 1994 die letzten der einstmals über 40 000 Soldaten der russischen Armee aus der Militärstadt Jüterbog ab. Zurück blieben die heute etwa 12500 Einwohner. 

„Stadt des Anstoßes“ hat sich Jüterbog zum Titel gewählt. Der Stein des Anstoßes hieß Johann Tetzel. Der Dominikanermönch betrieb erfolgreich den Ablasshandel und brachte so Martin Luthers Tintenfass im nahen Wittenberg zum Überlaufen. Luther schlug daraufhin schließlich 95 Thesen an der Wittenberger Schlosskirchentür an. Reformationstag. 

Das ist die Stadt, die wir bei unserem Rundgang erkunden wollen. Zwei lange Straßen, der Markt mit dem gotischen Rathaus, drei große Kirchen und die stolzen Tore und Türme der Befestigungsanlagen sind die Jüterboger Altstadt. Der Grundriss der Ackerbürgerstadt erinnert an ein halbiertes Ei.

Jüterbog. Eine Tour durch die Altstadt zwischen mittelalterlichen Türmen

1. Die Stadtgeschichte

Die Stadt war ein wichtiger Kreuzungspunkt zwischen Brandenburg, Magdeburg und Sachsen. Thietmar von Merseburg erwähnte sie erstmals um 1007 in einer Auseinandersetzung mit Polen. Im 12. Jahrhundert, als Albrecht der Bär Brandenburg für die Askanier sicherte, verleibte der ihn unterstützende Magdeburger Erzbischof Wichmann Jüterbog dem Bistum ein. Eine seiner ersten Maßnahmen war die Verleihung des Stadtrechts 1174 und die Ansiedlung kompetenter Flamen. Dort wo heute der Schlosspark ist, wird 1161 eine Burg erwähnt. Alle Hinweise auf sie sind seitdem im Erdreich der Jüterboger Altstadt verschollen. 
Bis 1815 gehörte Jüterbog zu Sachsen, auf dem Wiener Kongress fiel es an Preußen. Die Preußen bauten die Garnison. Mit dem ersten Artillerieschießplatz überhaupt, der Artillerieschule ab 1889 und den Kasernen von Jüterbog II wurde der Ort einer der größten Militärstädte des Deutschen Reiches. Ein zweiter Schießplatz und das „Neue Lager“ entstanden. Die waffentechnischen Entwicklungen aus Jüterbog spielten eine zentrale Rolle im 1. Weltkrieg. Nach dem Versailler Vertrag gab es eine militärische Pause. Dann wurde aufgerüstet. Ein zweiter Flugplatz, eine erste Raketenversuchsanstalt, die Ausbildung von Panzerbesatzungen. Das Nationalsozialistische Schulungsprogramm für Rechtsreferendare. 
Nachdem am 18. April 1945 die Bahnanlagen von der US AirForce bombardiert wurden, marschierte am 20. April 1945 die Rote Armee fast kampflos ein. 
In und um Jüterbog sollen zeitweilig zwischen 40 000 und 70 000 sowjetische Soldaten stationiert gewesen sein. 

2. Unser Rundgang durch die Altstadt in Jüterbog

Wir beginnen unsere Jüterboger Altstadt-Erkundungen. Im Mittelalter war das Reinkommen gar nicht so einfach. Es gab eine sechs Meter hohe gut befestigte Stadtmauer, geschützt durch Wall und Graben. Drumherum war es sumpfig. Drei Stadttore, bewacht und nachts geschlossen, boten Passage für die Fernverkehrsstrecken. Sie bestanden aus Innentor, Außentor und einem Zwinger. Alle drei sind phänomenal gut erhalten, perfekt ist das Dammtor im Westen. Die Backsteinanlagen sehen beeindruckend aus. Sie stammen aus dem 14. – 16. Jahrhundert, hielten in den Napoleonischen Kriegen ein letztes Mal stand und wurden dann als überflüssig befunden geschliffen. Neun Türme sind dennoch erhalten. Pulverturm, Eierturm, der Schiefe Turm und der Mäuseturm gehören dazu und schon ihre Namen sind voller Geschichten. 

3. Das Zinnaer Tor und die Keule

Unser Weg führt durch das Zinnaer Tor in die Altstadt von Jüterbog. Sowohl der eckige als auch der runde Turm der Toranlage sind erhalten. Der untere Teil ist aus Feldsteinen um 1300 aufgeschichtet, der obere nach einem Stadtbrand Ende des 15. Jahrhunderts ergänzt. Ein gründerzeitlicher Bauherr hat sein Stadthaus auf Kante ins Mittelalter gezwängt. Etwas muss hier mal anders gewesen sein. 
Am Zinnaer Tor hängt wie an allen Wegen nach Jüterbog die Keule. Sie ist ein Zeichen der Gerichtsbarkeit. Doch eine Tafel sorgt für Verwirrung. „Wer seinen Kindern giebt das Brodt und leidet nachmals selber Noth, den schlage mit der Keule todt“. Klare Ansage. Ein rigoros gelöster Fall von Versorgungs- und Erbstreitigkeiten dessen Deutung wahrscheinlich seit 1394 im Dunkel bleibt.

4. Das zweitälteste Rathaus Brandenburgs

Durch den ehemaligen Wursthof der Fleischer schlendern wir zum Markt. Ein großer Platz, ein zur Seite gerücktes giebelgeschmücktes Rathaus, das seine Mitte auf den Platz rückt. Das zweitälteste Rathaus Brandenburgs besteht aus drei Teilen und wurde nach 1285 begonnen. Der herausragende Teil ist unten offene Gerichtslaube. 1493 baute Meister Merten den hübschen Staffelgiebel über ihr auf. An einer Ecke des Rathauses steht, hoch oben, die Kopie einer Skulptur des Heilige Mauritius. Von unten schauen wir ihm direkt aufs durch die ritterliche Rüstung pointierte Gemächt. Der Heilige Mauritius, ein aus Theben/Ägypten stammender Schutzpatrons des Heeres, scheint ein frühes Zeichen der späteren Garnisonsgeschichte. In erster Linie ist er hier der Schutzpatron des Erzbistums Magdeburg, zu dem Jüterbog einst gehörte.

Jüterbog. Eine Tour durch die Altstadt zwischen mittelalterlichen Türmen
Das Rathaus

Das Obergeschoss birgt ein Fürstenzimmer, in dem auch schon Friedrich II. und zuvor Wallenstein saßen. Für uns profane Besucher bleibt es verschlossen.
Im Eingangsbereich der Gerichtslaube hockt aus Holz und grob gemeißelt Hans Kohlhase. Er war das Vorbild für Heinrich von Kleists Michael Kohlhaas. Hans Kohlhase sah sich zu Unrecht verdächtigt und verlangte Entschädigung. Am 7.12.1534 kam es in Jüterbog zu einer Einigung, Kohlhase sollte 600 Gulden erhalten. Doch Friedrich I. annullierte den Jüterboger Vertrag. Martin Luther mischte sich ein und forderte Kohlhase zur Beendigung seiner erneut aufgenommenen Fehde. All das nahm ein böses Ende und Kohlhase bekam sein Recht nicht. Stattdessen wurde er in Berlin zum Tode verurteilt und dort gerädert. Der Rechtsweg blieb ihm versagt. In der Gerichtslaube steht die Büste des Pferdehändlers mit seinem Tier.

5. Die sparsame Anna von Jüterbog

Hinter dem Rathaus schleicht sich die kleine Töpfergasse entlang, eine Ecke weiter steht die Sparkasse. Der Entwurf des massiven Backsteinbaus stammt von den Berliner Architekten Ernst Paulus und Olaf Lilloe. Die Fassade des Hauses entstand aus handgefertigten Ziegeln. An der Ecke steht die „sparsame Anna“ und füttert ihre Dose mit Groschen. Sie ist aus Muschelkalkstein und in die Tracht des Flämings gewandet. 

6. Tee, Schokolade und Torte: Die Förste

Uns aber ist nach Geld ausgeben zumute und wir haben Hunger. „Die Förste“, Café und Wein, ist unsere Wahl und sie könnte kaum besser sein. Apfel-Mandel und Stachelbeerbaiser sind sehr lecker. Nur möchten wir beim nächsten Mal gerne unter dem Kronleuchter sitzen.

7. Das Rothe Meer in Jüterbog

Ein paar Schritte zurück gehen wir durch die Mittelstraße, unser Ziel ist die Hauptkirche St. Nikolai. Die Doppelturmfassade, diese unterschiedlichen Geschwister, grüßen durch die Häuserflucht. Wir queren eine Straße mit auffälligem Namen und folgen ihr verwundert. „Rothes Meer“. Das Straßenschild ist passend rot umrandet. Mitten in Jüterbog, zwischen Kirch- und Schulstraße. Das Rothe Meer ist eine kleine Gasse in der ein Haus mit Laubengang steht, der Name bleibt ein Rätsel. Ich lese, dass hier die Färber wohnten. Wohl kaum. Solch ein Gestank direkt neben der Kirche und den Häusern des hohen Klerus scheint unerträglich. Eher ist der Name die Erinnerung an ein Massaker während des 30jährigen Krieges. Oder eine Reminiszenz an die Bibel. Das Rote Meer, geteilt zur Flucht. 

8. Die Tetzelkapelle, der Ort des Anstoßes

Auf unseren Nebenwegen folgen wir dem Rothen Meer zur Schulstraße. Hier steht die alte Senffabrik, fast am Ende die Schule und zwischendrin seit 1893 die katholische Kirche St. Hedwig. 
Hier ist der Tatort, hier soll es gewesen sein. Zum Komplex der Kirche gehört die sogenannte Tetzelkapelle. Der spätgotische Backsteinbau stammt von 1478. Als Johann Tetzel nach Jüterbog kam, war sie noch recht neu und möglicherweise keine Kapelle. Tetzel wohnte im Haus des Gerichtsschöppen Benedikt Teupitz und seines Schwiegervaters Hans Geserick. Von hier aus verkaufte er erfolgreich die Ablassbriefe und sammelte Groschen und silberne Gulden ein. Sogar Wittenberger Bürger strömten in das gut 40 Kilometer entfernte Jüterbog und kamen selig mit Ablassbriefen, ohne all ihre Sünden und mit weniger Geld wieder heim. Hier war der Standort des „Stein des Anstoßes“.
Am Ende der Straße steht einer der Stadttürme. Viereckig, unten Feldstein, oben Backstein, gotische Blendfenster und eine Tür in sechs Meter Höhe. Ohne Zugang. Dort oben muss einst der Wehrgang gewesen sein. 

9. Die Kirche St. Nikolai

Zurück zum Magnet der Doppeltürme. Gemauerter sind sie aus Feldsteinen, der eine grüßt mit einem spitzen Sandsteinhelm, der andere mit einer geschweiften Renaissancehaube. Weil die Spitze des Nordturms nicht standhaft war, wurde sie später ersetzt. Verbunden sind die Geschwister durch eine Brücke. Früher standen die Türme separat vor der Kirche.
1307 erstmals erwähnt, entstand die große dreischiffige gotische Hallenkirche in den nächsten Jahrzehnten. Nach dem großen Stadtbrand von 1478 wurde 1488 der Umgangschor errichtet, 20 Jahre später waren die Türme fertig.

Wir öffnen die schwere Tür und stehen in einem spätnachmittäglichen Dunkel des Herbstes. Schummrig ist das Licht, vor dem Altar brennt eine Kerze und unsere Augen gewöhnen sich. Die Kirche ist mit Kürbissen, Äpfeln und einer beeindruckenden Erntekrone geschmückt, gerade war Erntedankfest. Der Raum ist eine weite Halle. Dreischiffig, gotisch gewölbt mit farbiger Fassung, umhüllt er uns ganz. Eine um 1824 umgebaute Empore fasst auf beiden Seiten die Halle ein. Ihre Brüstung ist geschmückt mit Motiven aus dem Alten und Neuen Testament, die aus einer Vorgängerkonstruktion stammen. Merkwürdigerweise bleiben manche Bildflächen einfach grau. Wir betrachten es ratlos. Die Kirchenwärterin spricht uns an und hilft weiter. Die vorhandenen Motive reichten beim Umbau einfach nicht aus. Und in der Ratsloge hätten noch bis 1945 die Jüterboger Ratsherren ihre Plätze eingenommen.
Die Ausstattung des Kirchenraumes ist eine Mischung aus der Zeit vor und nach der Reformation. Die Religionsfreiheit gewährte der Magdeburger Erzbischof 1540. 
Ein filigranes steinernes Sakramentshaus von 1508 streckt, geschützt vor Einsturzgefahr und mit Streben gut verankert, seine Fialenspitze in den hohen Chor. Mitten ins Kirchenschiff gerückt steht die aus Holz geschnitzte Kanzel, 1608 wurde sie allseits sichtbar zwischen den Sitzbänken aufgestellt. So kann jeder von jedem Platz hören. An dieser Stelle soll schon mehr als hundert Jahre zuvor Thomas Müntzer gepredigt haben.
Besonders unauffällig raffiniert ist das Gestühl. Jeder Gottesdienstbesucher kann während der Liturgie die Blick- und Sitzrichtung innerhalb der eigenen Reihe wechseln. Einmal Blick zum Altar, einmal zur Kanzel. Nichts konnte dem Gläubigen entgehen. Mir wäre das so praktische Detail nicht aufgefallen. Dank an die ehrenamtlich arbeitende und mit uns plaudernde Kirchenwärterin. 
Die Orgel stammt aus Zörbig, dem kleinen und verkannten Orgelort. Wilhelm Rühlmann hat sie 1908 gebaut. 
Durch den schmalen Spalt einer angelehnten hölzernen Tür dringt ein wenig Licht. Wir schieben sie vorsichtig auf. Dahinter öffnet sich die südliche Seitenkapelle in ungeahnt farbigem Schmuck. Die Decke funkelt grünlich, schwarze Einfassungen und Flügeldarstellungen sind ein markanter Kontrast. All das Schwarz war einst strahlendes Orangegold. Was für ein Glänzen, welche Buntheit. Doch die Farbpigmente sind verblichen. Und dennoch zeigt die farbliche Fassung große Pracht. An den Wänden stehen, neben anderen Darstellungen, in gemalter Farbe die Schutzheiligen Fabian, Valentin, Sebastian, Christoph und Antonius. 

In der südlichen Kapelle werden Ausstattungsstücke gezeigt, die unerwartet reich einem Bildersturm entkommen sind. Am liebsten möchte ich über die Wangen der Mondsichelmadonna streichen, seit gut 500 Jahren steht sie in ihrem goldblauen Mantel und lächelt. Ein Flügelaltar aus der Cranach-Schule zeigt im Seitenflügel Anna Selbdritt mit einer Anna, deren Kopf zu knapp über dem Körper sitzt. Altershalsstarrigkeit.
Eine Besonderheit ist die große aufwendig beschlagene Truhe. Das ist der Tetzelkasten, den der Ritter Hans von Hake dem Dominikaner einst abgenommen und der Stadt Jüterbog übergeben hat. Der Kasten war nicht nur eine Schatztruhe, sondern ein tragbares Büro. Tetzel war Handelsreisender im Auftrag der Katholischen Kirche.

Hinter der Nikolauskirche sehen wir den mittelalterlichen Eierturm und das Neumarkt-Tor. Kaum außerhalb der Jüterboger Altstadt verläuft die Straße „Oberhag“, in deren Namen sich eine Form der Stadtbefestigung verbirgt. Sie bestand aus einem Graben und einer Reihe umgehackter Bäume, die als Reitersperre mit den Ästen stadtauswärts lagen. Hag kommt von Hacken. 
Über den Planeberg erreichen wir den Abtshof, die Stadtrepräsentanz der Zisterzienser Mönche aus Zinna. Ein spätgotisches Gebäude mit Treppengiebeln, davor auf dem Bürgersteig ist in verschiedenen Farben der Stadtgrundriss von Jüterbog dargestellt. Ich hätte ihn bei der Betrachtungen des Abtshofes übersehen.

10. Die ehemalige Mönchenkirche

Vor uns erhebt sich die dreischiffige Basilika der ehemalige Mönchenkirche, von Franziskaner zwischen 1480 und 1510 erbaut. Da war schon fast alles zu spät, die Franziskaner untereinander zerstritten und die Reformation stand in der Tür. Heute stehen unter dem mittelalterlichen und farbig gefassten Gewölbe die Regale der städtischen Bibliothek. Die Kanzel von Georg Schröter aus Torgau (1577) und der Taufstein (1600) sind sehr Belesen. In der ehemaligen Bibliothek ist jetzt das Museum mit einem echten Ablassbrief. Das Ensemble der Franziskaner war weitläufig und ist jetzt vielfältig als „Kulturquartier Mönchenkloster“ genutzt. Wir wundern uns über die Kratzspuren in den Nischen des Eingangs und finden keine Erklärung.

Links zweigt die Jüterboger Petersiliengasse ab und wir wundern uns über den Namen, das Grün der Pflanze wäre ein schöner Kontrast zum Rothen Meer. Vielleicht wurden hier auf kleinen Grundstücken Kräuter angepflanzt. Vielleicht war die kleine Gasse gegenüber dem Mönchskloster aber auch eine spezielle, denn Petersilie galt als Aphrodisiakum. Für Frauen.

11. Außerhalb der Mauern, die Liebfrauenkirche

Durch das gut erhaltene Dammtor verlassen wir die Altstadt und flanieren zu unserer letzten Station. Der Liebfrauenkirche. Jeder Gedanke an Petersilie wäre fortan despektierlich. 

Die Liebfrauenkirche liegt fast schon im Dunkel an diesem späten Herbstnachmittag. Sie ist eine der ältesten Kirchen Brandenburgs, gegründet von Bischof Wichmann von Seeburg. Zwischen den askanischen Besitzungen manifestierte er eine stiftsmagdeburgische Enklave. Zur Unterstützung holte er sich die Prämonstratenser, die auf besondere Weise durch ihren Gründer mit Magdeburg verwoben waren. Seit 1161 war sie die Hauptkirche des ganzen Jüterboger Landes. Nach 1282 kamen die Zisterzienserinnen, seit der Reformation ist sie protestantisch geweiht. Die Zeit hat sie mit schweren Verletzungen überstanden, sie ist ihrer Seitenschiffe beraubt. Obwohl nur noch der Rumpf erhalten ist, haben ihre mächtigen romanischen Bögen eine starke Ausdruckskraft. Sie münden in einem gotischen Chor. Wir spazieren über den Friedhof, entdecken verfallene und verwunschene Steinwände des ehemaligen Klosters und verschwinden im Dunkel.

Das war unser Rundgang durch die Altstadt von Jüterbog. Mittelalter, Ambiente und Reformation. Das waren die Reisefrequenzen, nah ist‘s auch schön. 

Auf einem Stadtrundgang in Jüterbog gibt es viel zu entdecken. Zahlreiche Tafeln und Hinweisschilder erläutern Zusammenhänge und Hintergründe. Alles was man dazu braucht ist Bock auf Jüterbog, Stehvermögen und für manche der Schrifttafeln gute Augen.

Mit Dank an meinen Kollegen Holger.

Tipps & Sehenswürdigkeiten für Euren Rundgang in der Altstadt von Jüterbog:
Wo: Jüterbog
Was: Ein Spaziergang durch die Altstadt
Museum: Museum im Mönchenkloster. Stadtmuseum und Kinder MitmachMuseum
Di 10 bis 17 Uhr, Mi bis So 13 bis 17 Uhr. Jeden 1. Samstag im Monat ab 10 Uhr
Food: Die Förste, Markt 7
Hermanns Restaurant im Hotel Zum Goldenen Stern, Markt 14. Büffelprodukte vom Bobalis Hof
Bobalis Büffelprodukte Hofladen, Hauptstraße 30
Jüstro Feinkost Konserven
In der Nähe: Fläming Skate
Kloster Zinna, dazu auf unserem Blog https://reisefrequenzen.de/podcast/kloster-zinna-seit-850-jahren-ein-abenteuer-fur-flamen-monche-und-weber
Film: Jüterbog war einer der Drehorte für Der Pianist, Roman Polanski
♥️ Unser Lieblingsplatz: Die Türme und Tore der Stadtbefestigung. Die Kirche St. Nikolai.

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