Bodmin Moor. Mythos, Geschichten und Tipps aus dem Nebel in Cornwall.

Hallo! Hier sind die Reisefrequenzen mit einer Tour durch das mystische Bodmin Moor mitten in Cornwall, UK. Hier liegt das Schwert Excalibur versunken in einem See, im legendären Jamaica Inn steht Daphne du Mauriers graziler Schreibtisch und im Nebel über dem offenen Moor verschwindet das Grab des letzten Königs von Cornwall.

Das Bodmin Moor ist der kleine Partner des Dartmoors. Mystisch, voller Geschichten und wunderschön. In der Weite des Bodmin Moores laufen Schafe, Ponys und Rinder zwischen den Tümpeln und die Überreste des einst intensiven Bergbaus prägen die Landschaft. Wie vertrocknete Geister ragen die Gerippe alter Maschinenhäuser in den graublauen Himmel. Nach dem Regen sagt das weglose Moor bei jedem Schritt „qutsch“.
Wir schauen uns zwischen Minions, den Golitha Falls und Bolventor um
1. Der Stein des Königs
2. Der Dolmen Trevethy Quoit
3. Der Steinkreis The Hurlers
4. Der Cheesewring
5. Die Golitha Falls
6. Jamaica Inn

1. Der Stein des Königs Dorniert 

An der Straße von Minions, nicht weit von St.Cleer, stehen geschützt nur durch eine niedrige Mauer zwei aufrechte Stelen. Sie erinnern an den letzten cornischen König. In ihre harten Oberflächen sind keltische Muster und lateinische Buchstaben geritzt und oft liegen frische Blumen neben den Steinen. Einer der Granitblöcke ist etwas höher, der andere niedrig gedrungen. Es sind Men Myghtern Doniert, der Stein des Königs Dorniert, der auch mit den Namen Duncan benannt wird und „The other half stone“. König Dorniert hat im 9. Jahrhundert gelebt und vom nahen Liskeard aus den Südwesten regiert. Die Inschriftensteine erinnern als einzige archäologische Belege an die frühen Könige Cornwalls.


Fast wären diese einst herrschenden und kämpfenden Männer mitsamt ihrem Königreich für immer im Nebel der Geschichte verschwunden. Doch „Doniert bat um die Errichtung (dieses Kreuz) für seine Seele“, so mahnen die eingemeißelten Worte. Sie bitten um Gebete für den letzten König Cornwalls, der 875 ertrank. Vor über tausend Jahren wurde er hier zu seiner letzten Ruhe gebettet. Der Königsstein hat eine oben offene Spalte, in die ein hölzernes Kreuz gesteckt werden konnte. Ehrfürchtig fast schaue ich mich um. Die verbliebenen Stelen sind die Basen christlicher Grabsteine. Es ist der Ort einer Tragödie. König Dorniert starb in den Stromschnellen der nahen Golitha Falls. War sein Tod Mord? Einiges deutet darauf hin. Vielleicht musste König Dorniert sterben, weil er in den dunklen Zeiten britischer Geschichte, in den Zeiten der Schlachten zwischen Sachsen und Wikingern den falschen Koalitionspartner wählte. Er stand auf der Seite der Nordmänner. Aber schließlich siegten die Sachsen. Die walisischen „Annales Cambriae“ berichten darüber und erzählen von König Dorniert. Unter den Steinen im Moor liegt eine kreuzförmige Kammer. Aus diesem längst geplünderten Grab erhob sich der königliche Geist übers Moor. So stelle ich es mir vor.
Wir machen uns mit dem Auto auf die Suche nach weiteren Zeichen der Vorzeit und wollen das Dolmengrab des Trevethy Quoits finden. Es wird kompliziert. Doch schließlich taucht der Quoit am Ortsrand von Tremar beim 8 Moorview Terrace, Liskeard PL14 5AL auf.
Dort steht neben einigen Häusern der uralte massive Bau, die locals nennen ihn das „Haus des Riesen“. Wir warten auf die Rangierfahrten eines Müllfahrzeugs, dann ist unser Weg zum Ziel frei. 

2. Der Dolmen Trevethy Quoit

Der Trevethy Quoit ist aus schweren Granitplatten errichtet und steht stolz im fast baumlosen Bodmin Moor. Zwei Meter lang, innen fast 5 Meter hoch und über 5.500 Jahre alt. Angesichts des Alters und der Größe des Grabes werde ich klein. Der Trethevy Quoit ist das besterhaltene jungsteinzeitliche Portalgrab in Cornwall und eines der imposantesten in ganz England. Allein die Deckplatte über den sieben aufrechten Steinen wiegt 10,5 Tonnen. Es bleibt ein Rätsel wie es den Vorfahren gelang solch gewaltige Dolmen zu bauen. Ursprünglich hatte der Bestattungsort zwei Kammern und war teilweise mit Erde bedeckt.

So stand die neolithische Anlage als ein Hügel in der welligen Landschaft. Bis heute bleibt das Grab mysteriös. Im gewaltigen Deckstein schimmert der Himmel durch ein kreisrundes Loch. Sein Ursprung liegt im Dunkel. Vielleicht diente es zur Beobachtung der Gestirne und zum Bestimmen der Jahreszeiten durch den Einfall der Sonne. Rätselhaft bleibt auch der bewegliche Stein am unteren Rand der Grabvorderseite. So etwas gibt es nur beim Trethevy Dolmen. Möglicherweise war die verschließbare Öffnung ein zusätzlicher Weg für die Toten. Der Ein- oder Ausgang von dieser in eine andere Welt. Ich versuche hindurchzuklettern, aber es ist unmöglich. Erstmals erwähnt wurde der Trethevy Quoit 1584 in einer topographischen und historischen Darstellung Britanniens. Damals schon war er viele tausende Jahre alt und die ersten Forscher vermuteten den Zauberer Merlin als Bauherren des Kolossalgrabs. Die Hasenglöckchen und Lichtnelken blühen, jetzt im Frühjahr ist es besonders schön. Wir denken uns 6000 Jahre zurück und schauen übers raue Bodmin Moor.

Bodmin Moor. Mythos, Geschichten und Tipps aus dem Nebel in Cornwall.

Auf der Fahrt Richtung Minions passieren wir den Longstone oder Long Tom, einen Granitmenhir dessen Spitze ein griechisches Kreuz ziert. Sein Alter ist nirgends notiert. Vielleicht steht er seit 600 Jahren zwischen den grasenden Schafen, vielleicht stand er zunächst ohne das Kreuz schon seit dem Neolithikum in der Nähe des Steinkreises bei Minions.
Unser nächster Stopp ist der westliche Parkplatz des kleinen Weilers Minions. Wir wollen wandern, feuchtes Moor unter den Schuhen und wilden Wind in den Haaren spüren. Ich schnüre die Schuhe. Vom Steinkreis “The Hurlers“ zum Cheesewring, über die grasige Fläche zum South Wheal Phoenix Maschinenhaus und zurück nach Minions ist unser Wander-Plan.

Bodmin Moor at its best.

3. The Hurlers bei Minions

Nicht die blau-gelben Gestalten einer Animationsfilmserie gaben dem Ort ihren Namen, sondern die Minenarbeiter. Minions war Heimat der Kumpel, die im rauen Bodmin Moor bei Nebel und Wind Kupfer und Zinn abbauten. Seit der Bronzezeit haben Menschen auf der unwirtlichen Ebene nach kostbaren Metallen gegraben. Am Ortsrand von Minions beginnt ihre mystische Welt. Wir schnüren die Wanderschuhe und gehen vom Parkplatz aus los. Aus dem flüchtig streifenden Nebel taucht vor uns ein rätselhafter Steinkreis auf. Seit wahrscheinlich mehr als 4000 Jahren stehen „The Hurlers“ im torfigen Moor und sind Zeichen einer bronzezeitlichen Megalithkultur. Der Legende nach sind die kantigen Stelen die Überreste versteinerter Menschen. Trotz religiöser Verbote trugen sie einst an Feiertagen einen cornischen Wettkampf mit Namen „Hurling“ aus. Zwei Mannschaften kämpften dabei mit Stöcken um eine hölzerne Kugel. Zur Strafe angesichts ihres Feiertagsvergehens wurden sie mitten im Moor versteinert. Und tatsächlich sind die Steine der „Hurlers“ im Durchschnitt so groß wie ein Mensch. „The Hurlers“ sind nicht ein einzelner Steinkreis, sondern drei. Nicht alle der versteinerten Spieler sind noch erhalten, manche liegen flach ins Moor gefallen. Doch Vorsicht. Wer alle Steine korrekt zählt wird selbst in einen Steinblock verwandelt.
Nicht weit entfernt wurden im Grabhügel Rillaton Barrow ein Bronzedolch und ein Goldbecher gefunden. Perlen und Feuersteine lagen als Schmuck in diesem mysteriösen bronzezeitlichen Grab. Heute steht um den zentralen Stein im ersten Kreis eine kleine Wasserlache. Es hat geregnet und das Moor hat sich vollgesogen. Mitten im Wasser hat jemand eine rote Rose als Opfergabe den “Hurlers“ gebracht.

4. Der Cheesewring

In der Ferne sehen wir über blühendem Ginster schon unser Ziel, den Cheesewring. Wir gehen über die feuchte Wiese zu einem steinbunten Weg, biegen rechts ab und sind schon fast da. Zuletzt noch der steinige Aufstieg, unsere Wegmarkierung ist der windgepeitschte Weißdorn. Gehen auf Sicht ist bei gutem Wetter ganz einfach. Auf der Kuppe des Hügels türmen sich Granitplatten als lägen doppelte Riesen-Burger auf dem Gras übereinander. Der Cheesewring ist eine dramatische Gesteinsformation über der rauen Moorlandschaft. Wir schauen bis zum Dartmoor nach Devon und bis zur See in der Ferne.

Der Name des Cheesewrings stammt gar nicht vom Käse, sondern vom Alkohol. Bei der Pressung des Apfelweins wird die zurückbleibende Maische in Cornwall als „Cheese“ bezeichnet. Und die alten Ciderpressen erinnern an den Stapel des grauen Granits über dem Moor von Bodmin. Eine Legende erzählt von ihrer Entstehung und von den Riesen, die einst auf dem Cheesewring lebten. Als das Christentum die Welt der Titanen übernahm, waren sie alles andere als glücklich. So schlug Uther, der Anführer aller Giganten, einen Wurfwettbewerb zwischen den heimischen Riesen und den einwandernden Heiligen vor. Der Wettbewerb sollte religiöse Fragen entscheiden und schien nicht sehr gerecht. Auf der einen Seite die gewaltige Stärke, auf der anderen ein kümmerlicher Typ mit Namen St. Tue. Doch die göttliche Macht in Gestalt eines Engels stand auf der Seite des Heiligen. Trotz seiner körperlichen Schwäche gelang es ihm, 13 Steine aufeinander zu werfen. Der Riese Uther schaffte nur 12. So liegen die Felsen bis heute und das Land wurde christianisiert. Nicht alles am Cheesewring ist legendär. 10 Meter hoch türmt er sich auf dem 380 Meter hohen Gipfel des Hügels. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde er zum Steinbruch. Aus seinem feinkörnigen Granit wurden Teile der Londoner Tower Bridge gebaut. In letzter Minute, vor dem Sturz der auffälligen Gesteinsformation, wurde der Cheesewring unter Schutz gestellt und seine Steine gestützt. Wie gehen zurück, betrachten die Ruine des Maschinenhauses von South Wheal Phoenix und als wir am Parkplatz ankommen, sind meine Wanderschuhe kaputt. Die Sohle beginnt sich zu lösen.

5. Die Golitha Falls

Bodmin Moor. Mythos, Geschichten und Tipps aus dem Nebel in Cornwall.

Zwischen bemoosten uralten Bäumen raunt das Plätschern durch den dichten Zauberwald. Die Golitha Falls sind ein verträumter Ort, zumindest im Frühjahr. Alte Eichen und stolze Buchen stehen am Ufer des Flusses Fowey und es ist, als murmeln sie mit dem sprudelnden Wasser. Nach dem Regen zeigen die Stromschnellen ihr wahres Gesicht und wirbeln in der dunklen Farbe des Moores. Zwischen Draynes Bridge und Treverbyn Bridge springen kleine Wasserkaskaden über Flusskiesel und Steine hinweg. Wir spazieren vom Parkplatz am Ufer entlang und lauschen dem Rauschen. 98 Moossorten und unzählige Flechtenarten hüllen die Stämme der Bäume ein. Fledermäuse soll es hier geben und 83 Arten von Motten in diesem englischen Dschungel. Wir bemerken eher die Mücken. Unter Ranken und Farnen verborgen sind die Reste des Bergbaus. Alte Gebäude und tiefe abgesperrte Löcher sind die Zeugen der Kupfermine Victoria. 
Die Golitha Falls sind ein Platz für die Seele und Inkie’s Smokehouse am Eingangsparkplatz der Ort für Leib und Magen. Inkie’s Smokehouse ist ein offenes Feuer, Tische draußen und eine Holzhütte. Dawn French, der den Starkoch Rick Stein nach Cornwall holte, nennt Inkie’s Smokehouse THE place to eat.
Die Golitha Falls und Inkie’s Smokehouse sind eine sehr gute Kombination. Traurig nur die Geschichte, dass hier irgendwo King Dorniert starb. Und weiter unten am Fluss Fowey steht der Grabstein von Isoldes Tristan.

6. Jamaica Inn bei Bolventor

Durch ein Tal, in dem die flechtenbehangenen Bäume aussehen wie Geister, fahren wir zum Gasthaus im Moor.
Als sie mit dem Schreiben des Briefes fertig war, ging sie hinaus in den Nebel vor das dunkle Haus im Moor und warf ihren Brief in den blutroten Kasten. Sie hatte die Zeilen zuvor an ihrem grazilen Sheraton Schreibtisch geschrieben, nachdenklich eine ihrer Zigaretten mit dem Namen ihres Vaters geraucht und anschließend eines ihrer Lieblingsbonbons Glacier Mint gelutscht. Daphne du Maurier traf an einem kühlen und nebligen Abend 1930 im Jamaica Inn ein. Es war das einzige Gasthaus an der einsamen Straße durchs Bodmin Moor. Gemeinsam mit einer Freundin ritt sie am nächsten Tag durch das Moor und verlor in mystischen Nebelschwaden die Orientierung. Der Verzweiflung nahe stiegen die beiden von ihren Pferden und hofften auf tierische Führung. Tatsächlich brachten die Reittiere sie trotz aller Untiefen sicher zurück zum Jamaica Inn. Glücklich und erschöpft quartierte sich Daphne weitere Tage im Gasthaus ein, schrieb Briefe und erfuhr an der Bar die alten Geschichten über den Schmugglertreffpunkt. 1936 veröffentlichte Daphne du Maurier den Roman Jamaica Inn. Darin erzählt sie vom Waisenkind Mary die nach dem Tod ihrer Mutter bei ihrer Tante Patience und deren brutalem Mann, dem Wirt der Spelunke, leben muss. Bis ein brutales Verbrechen passiert… Alfred Hitchcock hat Jamaica Inn 1939 mit Charles Laughton und Maureen O’Hara verfilmt.

Heute sind im Jamaica Inn ein Shop mit fragwürdigen Souvenieren, ein bei britischen Gans sehr beliebter Pub und ein Hotel untergebracht. Außerdem ein kleines Museum mit dem Schreibtisch und Daphne du Mauriers Reisekoffer. Immerhin ist es das einzige Museum weltweit, dass an die Autorin erinnert.
Der Jamaica Inn hat seinen Namen übrigens von der Familie Trelawney. Sie stellten im 18. Jahrhundert zweimal den britischen Gouverneur Jamaicas und holten sich mit der Benennung des Wirtshauses karibisches Flair ins heimische Moor. 
Ein paar Kilometer weiter liegt der Dozmary Pool, in dem Excalibur, das Schwert König Arturs versunken sein soll. Es ist nie wieder aufgetaucht und ich kann es verstehen, See und Umgebung scheinen begrenzt verlockend.
Wir ziehen weiter durch den mystischen Nebel des Bodmin Moors, hören Geschichten und schauen Schafen zwischen dem Sumpfgras zu.

Das waren die Reisefrequenzen. Heute unterwegs im Bodmin Moor in Cornwall.


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