Spreewald – Lübbenau und Lehde schön zu jeder Jahreszeit

Hallo! Heute geht es in den Spreewald nach Lübbenau und Lehde. Der Spreewald ist ab dem Frühjahr ein brandenburgisches Top-Reiseziel und im Winter ein verwunschen magischer Zauberwald. Er ist zu jeder Jahreszeit ein tolles Ziel. Wenn das Licht durch kahle Bäume fallend sich in Wasseradern spiegelt, wenn ein Hauch von Weiß den Spreewald zum Schneewald malt, wenn die Regentropfen im Wasser kleine Kreise zaubern, wenn in Lübbenau und Lehde Nix-los-Zeit ist, dann ist die stille Natur besonders schön.

Der Spreewald ist ein Labyrinth der Möglichkeiten. Durch weit verzweigte Fließe und angelegte Kanäle sucht sich die Spree ihren Weg Richtung Berlin. Auf den leicht erhöhten Talsandinseln ließen sich westslawische Sorben nieder und nannten die Eilande „kupa“, Kaupen. Das ausgedehnte Niederungsgebiet der Auen und Moore entstand während der letzten Eiszeit vor etwa 20.000 Jahren. Um 8000 v. Chr. hinterließ der Mensch schon seine ersten noch spärlichen Spuren. Heute ist der Spreewald eine historische Naturlandschaft und steht als Biosphärenreservat unter Naturschutz.
Die Regionalbahn RE 7 oder RE 2 kommt ca. alle halbe Stunde am Lübbenauer Bahnhof an. Von dort sind es etwa 15 Fußminuten bis zum Spreewaldfeeling. Seit 1866 hält hier ein Zug und in das alte Bahnbetriebswerk am Wasserturm ist das bunte Kulturzentrum „Gleis 3“ mit Theater, Musik und Freizeitangebote eingezogen.
Die historische Stadt Lübbenau ist das Tor zum Oberspreewald. Einst floß abtauendes Eis von hier durch das Baruther Urstromtal gen Westen, während es sich im Unterspreewald für den Abluß Richtung Norden entschied. Der Stadtname geht auf Lubin, Lubomir, den Friedliebenden zurück und zeigt wahrscheinlich seinen ehemaligen Besitz an.

1. Lübbenau hat zwei Gesichter. Die Neustadt.

Lübbenau hat zwei Gesichter. Das eine trägt die Zeichen des inzwischen aufgegebenen Braunkohleabbaus und ist als Neustadt ab 1957 entstandenen. Innerhalb kürzester Zeit boomte die Stadt und ihre Einwohnerzahl wuchs von 5626 auf über 22.000 an. Vom 17.12.1959 bis zum 30.06.1996 war das größte Dampfkraftwerk Europas mit sieben Schornsteinen in Betrieb, 2010 wurden die Gebäude gesprengt. Seitdem sind 15.726 Einwohner in der Stadt geblieben. Viele wohnen in renovierten Plattenbauten um das 1965 errichtete dreizehngeschossige Spreewaldhaus und das Einkaufszentrum am „Roten Platz“. Südwestlich von Lübbenau entstand in den ehemaligen Gruben des Tagebaus eine geflutete Seenlandschaft.

2. Die Lübbenauer Altstadt.

Das traditionelle Lübbenau ist die historische Altstadt um Kirche, Kirchplatz, Schloß und Großen Spreewaldhafen. Der Weg vom Bahnhof führt entlang der Poststraße geradeaus ins Zentrum. Die gute Meile ist als Kunstempfang zum Skulpturenboulevard aus Objekten unterschiedlicher Materialien und Ausdruckskraft gestaltet worden. Ein großer Parkplatz wartet auf zahlungsbereite Besucher, uns fasziniert der blitzblanke metallene Heuschober im Zufahrtsbereich. Der Heuschober als Symbol des ländlich-idyllischen Spreewaldes ist zum Marketingemblem geworden. Hier dient er als abschließbare Park- und Ladestationen für E-Bikes und Fahrräder, weitere Pseudo-Schober stehen in Leipe und vor dem Spaßbad Spreewelten. Welch genial schöne Idee.

Auf dem Markplatz zeigt die St. Nikolai Kirche ihr frisches Barockoutfit. Früher soll sie per Kahn angesteuert worden sein, der jetzige Bau steht auf dem Trockenen und wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts nach Plänen von Johann Gottfried Findeisen aus Dresden aufgerichtet. Ihr Fundament ruhte ursprünglich auf grundwasserumspülten Erlenstämmen, doch der Braunkohleabbau ließ den Wasserstand im Spreewald sinken und entzog der Kirche den sicheren Unterbau. Seit dem Jahr 2000 ruht sie auf einem Betonfundament und dennoch ist ihr Kirchturm um 14 cm schief geblieben. Seit der Reformation ist sie protestantisch und ihr erster Patronatsherr war der Großgrundbesitzer Moritz Carl Graf zu Lynar. Innen glänzt St. Nikolai in einheitlicher von Dresdner Kunsthandwerkern ausgeführter barocker Ausstattung. Altar, Kanzel, Logen, Orgelprospekt und die auf beiden Seiten durchgängigen rokkokoverzierten Emporen bieten dem nordostdeutschen Besucher eine willkommene Abwechslung üblicher Gotik und Feldsteinkirchen. Von 1635 bis 1815 gehörte die Gegend zu Sachsen, der Wiener Kongress überließ sie Preußen. Vor der Kirche erzählt eine begehbare Brunnenanlage von Spreewälder Märchen. Der Künstler Volker-Michael Roth hat 2007 seine Phantasie über Zwerge, Könige und Irrlichter in Metallfiguren fließen lassen. Eine andere Spreewaldsage erzählt von der Entstehung zahlreicher Spreearme und der Rolle des Teufels dabei. Mithilfe zweier Ochsen pflügte er sein Land, doch es ging ihm zu langsam voran. Da drosch er voller Wut auf die Tiere ein.

 “Doch die Ochsen liefen weiter, liefen schneller – gingen durch,
zogen mit dem Pflug im Schlepptau gar manche tiefe Furch´.
Mal nach Osten oder Norden – kreuz und quer ging die Tour
bis nach Lübben zum Schlosse – dies Gespann eilig fuhr.
Und die Gräben, die sie zogen füllt die Spree bald bis zum Rand
So entstand nach kurzer Dauer dies Spreewälder Land…”

 (Text: Folkskammer, Wie der Teufel den Spreelauf schuf)

Wir freuen uns auf die stille Welt außerhalb der Stadt und kaufen beim Bäcker am Kirchplatz Plinsen (sorbische Eier-/Pfannkuchen) als Proviant. Das Café Zeitlos im ältesten Gebäude der Stadt ist voll besetzt und in der gut ausgestatteten Touristen-Information stehen Leinöl, Meerrettichprodukte und Gläser voller Spreewaldgurken als regionale Delikatessen zum Kauf in den Regalen. Nur das empfohlene Spreewaldmuseum hat ausnahmsweise zu. Wir sehen nur den Unterkieferknochen eines Grönlandwals, der vor der backsteinernen Mauer des Stadttores hängt. Auf dem Rückweg zum Kirchplatz schauen wir uns in einem Schaufenster die sorbische Tracht an einer Puppe an. Trägerrock, Schürze, Samtweste, Schultertuch und Haube sind wunderschön bestickt. Gegenüber öffne ich die Tür zum Tante Emma Laden “Lebensmittel Wolke”. Die Brille beschlägt, ich sehe nichts und aus dem Nebel fragt mich eine Stimme, ob ich ein Brillenputztuch brauche. Den Mittagstisch habe ich verpasst, gerade wird die zweite Schüssel Kartoffeln für den morgigen Tag geschält. In der “Lebensmittel Wolke” gibt es gutes Essen, netten Small Talk und ein reichhaltiges Spreewaldsortiment.

Es sind nur ein paar Meter bis zum still verschneiten Großen Spreewaldhafen. Am Ufer ist der Schnee noch unberührt. Die Kähne liegen Kielüber auf dem Trockenen und warten auf den Trubel. Vor der Gurkenpromenade lodert wärmend ein Feuer in der Schale, die große Stille lässt der Natur und ihren sagenhaften Welten Raum. Während im schönen Sommer erst die Gäste, dann die Mücken und schließlich ziemlich viele Gäste kommen, sind wir jetzt fast allein. Manche Restaurants und Museen sind winterlich geschlossen, die Kahnfahrten im Januar und Februar nur auf Vorbuchung existent.

3. Wie kam die Gurke in den Spreewald?
Anfang des 16. Jahrhunderts reiste Graf von Schulenburg, damaliger Großgrundbesitzer, auf der Suche nach neuen Start-up Ideen durch das florierende Holland. Tuchbarikanten und Weber sollten als ausländische Facharbeiter im Spreewald angesiedelt werden. Doch aufgrund schwieriger Anbaustrukturen und Transporte auf dem Kahn führte das Projekt nicht zum Erfolg. Statt dessen kamen die Niederländer auf die Idee des Gurkenanbaus. Der Boden ist fruchtbar, für Gemüse bestens geeignet und gut zu bewässern. Auf über 500 Hektar werden rund 40.000 Tonnen Gurken nicht mehr idyllisch zwischen Fließen sondern auf großen Feldern außerhalb des Biosphärenreservats von Saisonarbeitskräften unbequem geerntet. Seit über 20 Jahren sind die Spreewälder Gurken eine “Geschützte Geografische Angabe”. Wo Spreewaldgurke draufsteht, muss mindestens 70 % Gurke aus dem Spreewald drin sein.

4. Das Schloß von Lübbenau im Schloßpark.

Dann laufen wir Brück auf Brück ab über die Hauptspree und ihre Arme zum Lübbenauer Schloß. Unterwegs begreifen wir, verlaufen kann im Labyrinth der Fließe einfach sein. Für Fahrradfahrer droht ein Schild die Herausforderung an.

Vor uns steht das Lübbenauer Schloß in einer wasserdurchzogenen Parklandschaft. Joseph Peter Lenné soll sie gestaltet haben, wahrscheinlich hat er in seinem Potsdamer Büro wie über jeden brandenburgischen Parkplan auch über den Lübbenauer ideenreich den Stift gezogen.

Das Schloß ist ein recht klotziger dreiflügel Bau mit zwei gedrungenen Türmen und inzwischen ein Hotel. 1817 – 1839 hat Baumeister Carl August Benjamin Siegel es anstelle der ehemaligen Wasserburg im klassizistischen Stil für die Grafen von Lynar errichten lassen. Zu den Nebengebäuden gehört der gelbe Fachwerkbau des alten Marstalls von 1744, die ebenfalls aus der Barockzeit stammende Alte Kanzlei und die um 1820 zum Schutz prestigeträchtiger empfindlicher Pflanzen errichtete klassizistisch schlichte Orangerie. Der letzte adlige Besitzer, Wilhelm Friedrich Graf zu Lynar, gab das Schloß als Museum frei und lebte nach 1930 auf seinem zweiten Anwesen in Seese. 1969 riss man es zugunsten des Braunkohletagebaus ab. Wilhelm Friedrich Graf zu Lynar wurde am 29. September 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Das Urteil lautete: Verbindungen zum Widerstand um Claus Schenk von Stauffenberg. An Wilhelm Friedrich Graf zu Lynar erinnert ein Gedenkstein vor dem Schloß.

5. Spaziergang durch den Spreewald nach Lehde.

Durch den sanft verschneiten Auenwald spazieren wir nach Lehde. Der Wald steht still und an den Baumwurzeln kratzt das Wasser und ab und zu ein wenig Eis. Ich träume vom Schlittschuhlaufen, doch dazu ist es jetzt zu warm. Wir folgen dem Kanal und sind auf den winterlichen Wegen ganz allein. Aus den weiß-grau Farben taucht wie ein Märcheninselland aus dem Dunst über den Wassern das Dörfchen Lehde auf. Die dunklen Blockhäuser scheinen fast menschenleere Fata Morgana zu sein. Lehde ist eines der ursprünglichsten Dörfer im Spreewald, um 1315 erstmals erwähnt. Der Name des Weilers stammt aus dem Sorbischen, Lědy bedeutet unberührter Fleck. Inzwischen 130 Einwohner, Häuser in direkter Wasserlage, eigene Kahnanlegestelle.

Schon Theodor Fontane war begeistert: „Es ist die Lagunenstadt im Taschenformat, ein Venedig, wie es vor 1500 Jahren gewesen sein mag, als die erste Fischerfamilien auf seinen Sumpfeilanden Schutz suchten“. 

Theodor Fontane, Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Ursprünglich lebten die Siedler vom Fischfang, später von Zwiebeln, Gurken, Meerrettich und heute von Touristen. Einige der traditionelle Häuser gehören zum sehr sehenswerten ältesten Freilichtmuseum Brandenburgs. Alles zur Gurke zeigt das einzige Gurkenmuseum Deutschlands in der Hotelanlage Starick. (Beide Museen im Winter geschlossen) Auf den trockenen Inseln stehen die typischen Heuschober als dekorative Fotomotive vor Landschaft. aufgestellt. Noch immer spielt die Hauptrolle der Kahn. Im Sommer kommt auf ihm die Post, ganzjährig transportiert Alba so den Müll und gelbe Schilder zeigen am Ufer die Haltestellen der Kahnlinie an.

1882 kamen die ersten Touristen im Spreewald an. „Schuld“ war ein Lehrer. Paul Fahlisch organisierte Kahnfahrten und bewarb sie in Dresden, Leipzig und Berlin. Gäste konnten seit 1866 bequem per Zug anreisen und als erste Wirtschaft entstand das „Gasthaus zum Hecht“.

Wir schauen uns in Lehde um und treffen einen Menschen. Er ist gesprächig und berichtet von seiner Freude über die ruhige Winterpause. Bis auf das Hotel Starick ist alles geschlossen. Restaurants, Kahnstationen, Museen. Und weil so wenig los ist, nimmt er sich Zeit zum Plaudern. Błota, den Sumpf nannten die Sorben einst ihren Lebensraum.

Niedersorbisch ist eine ehemals im Spreewald gesprochene und fast untergegangene westslawische Sprache. 1430 wird sie erstmals als Gerichtssprache verboten, doch in Lehde versteht keiner deutsch. Als 1719 Dorflehrer Martin Müller an der neuen Schule in Lehde seinen Dienst antrat, war er der einzige deutschsprachige Bewohner. Der letzte Gottesdienst auf Sorbisch wurde 1867 gefeiert. Als Marie Poppschötz 1976 starb, war niedersorbisch als Muttersprache für immer verloren. Die jahrhundertelange Ausgrenzung der slawischen Minderheit mittels Sprachverbot ist bis fast zum Untergang gelungen.

Wir spazieren zurück nach Lübbenau. Eine kurze Strecke auf dem Fußweg entlang der Straße oder an den Kanälen durch den Wald. In Lübbenau sind die Restaurants und Cafés geöffnet, auch das Linari Restaurant im Schloß-Hotel.

Das waren die Reisefrequenzen mit einem Ausflug in den Spreewald, nach Lübbenau und Lehde.

2 Gedanken zu „Spreewald – Lübbenau und Lehde schön zu jeder Jahreszeit“

  1. Liebe Marike,
    vielen Dank fürs Mitnehmen in den Spreewald! Macht richtig Lust auf die Region. Wenn’s nicht gar so weit wäre, wäre der Wochenendausflug gesetzt.
    Liebe Grüße
    Elke

    Antworten
    • Liebe Elke,
      danke fürs Mitreisen in den Spreewald! Es stimmt, längere Wochenenden wären noch schöner, für den Spreewald und viele neue Ziele.
      Liebe Grüße
      Marike

      Antworten

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