Saltash. Grandiose Brücken über den Tamar nach Cornwall und das Haus von Mary Drake.

Hallo! Hier sind die Reisefrequenzen unterwegs in Saltash unter den Brücken nach Cornwall in England.

Endlich stehe ich unter diesen phänomenalen Brücken. Unter den grandiosen Brücken, die sich von Plymouth nach Saltash strecken, von Devon bis ins Land der Träume nach Cornwall. Bis zum 19. Jahrhundert waren kleine Fähren die einzige Verbindung zwischen den beiden englischen Counties. Seitdem entstanden die beiden Brücken unter denen der Grenzfluss Tamar mit der Flut zum Meeresarm anschwillt und mit der Ebbe ganz schmal wird. Die alte unvergleichlich schöne Eisenbahnbrücke und die neue praktische Straßenhängebrücke. Oben, auf Straße oder Schiene, bin ich oft unterwegs gewesen. Jetzt stehe ich schließlich in Saltash unten.

Saltash. Grandiose Brücken über den Tamar nach Cornwall und das Haus von Mary Drake.
Die Brücken zwischen Devon und Cornwall über den Tamar bei Saltash

Die Bahnbrücke für den Schienenstrang ist ein spektakulärer Eyecatcher. In ihrer einzigartigen Konstruktion halten zwei schmiedeeiserne linsenförmige Fachwerkträger die fast 670 aufgeständerten Schienenmeter. Der geniale britische Ingenieur Isambard Kingdom Brunel hat sie projektiert und Prinz Albert hat sie im Mai 1859 offiziell eingeweiht. Seitdem trägt sie als Royal Albert Bridge seinen Namen. Sie ist nicht nur ein imposantes Bauwerk, sondern ebnete den Weg für Waren und Touristen. Lange vor der Erfindung des Automobils gewährleistete sie eine einfache Verbindung zwischen Saltash in Cornwall und dem Rest des United Kingdoms.
Dagegen sieht der Übergang für Autos fast langweilig aus, obgleich er mit seinen hohen Pylonen gen Himmel strebt und 1962 von der Königinmutter eröffnet wurde. In der Mitte der Brücke grüßt Cornwall seine Besucher mit dem cornischen Wappen und den Worten „Kernow, a’gas dynergh“. Kernow ist der keltische Name des westlichen Landes. Willkommen in Cornwall! Die Fahrt gen Westen ist kostenfrei, für die Rückkehr verlangt die Kommune Brückenzoll. 
Einen freien Blick auf die erhabenen Brücken gibt es in Saltash vom Ufer des Tamars. Dort wurde lange vor dem Bau der Brücken der Seetang gesammelt, um ihn zu Pottasche zu verbrennen. So kam Saltash zu seinem Namen. Heute prangt auf dem Union Inn Pub ein überdimensionaler Union Jack und davor steht eine Statue des rauchende brillanten Brückenkonstrukteurs Isambard Kingdom Brunel. Ich stelle mich daneben und rauche nicht mit. Isambard Kingdom Brunel bekam als 27jähriger den Auftrag die Great Western Railway zu planen. Innerhalb von 30 Jahren wurde im gesamten britischen Westen ein Schienennetz gesponnen. Nebenbei baute I.K.Brunel weitere Brücken, Tunnel und Schiffe bevor er mit nur 53 Jahren. Voller Erfurcht schaue ich auf sein bronzenes Denkmal und mit ihm auf die Konstruktion seiner Eisenbahnbrücke. 

Nebenan auf einer Bank sitzt die Skulptur von Ann Glanville. Sie war eine interessante Frau aus Saltash. Nachdem sie 14 Kinder geboren hatte und ihren Mann zu Grabe getragen übernahm sie dessen Job als Fährmann am Tamar. Als begeisterte Ruderin formte sie einen Ladies-Vierer der bei Landeswettbewerben männliche Crews besiegte. Königin Viktoria gratulierte ihr und im hohen Alter wurde sie vom Prince of Wales und dem Duke of Edinburgh 1879 auf ihre vor Plymouth ankernde Jacht zum Essen geladen. Jetzt sitzt sie züchtig viktorianisch in blau gekleidet auf der Bank und schaut fast neben Isambard Kondom Brunel, dem Ingeniuer mit dem großartigen Namen, auf den Tamar. 
Unter dem Brückenpfeiler gibt es im Community Café Ashtorre einen english tea mit Aussicht. Den Rücken an der wärmenden steinernen Wand, den Blick in die Sonne zur Brücke und den bei Ebbe auf dem trockenen Sand lümmelnden Booten.
Wir schauen durch den kleinen Ort und machen uns auf den Weg zum Besuch bei Mrs. Mary Drake.
Mary Neman’s Cottage ist das älteste Gebäude in Saltash. Es steht am Hang hinter den Tamarbrücken und wurde um 1480 gebaut. Heute ist es ein kleines Museum und erinnert an die spätere Bewohnerin Mary Newman. Die niedrige Eingangstür des weißgekalkten Hauses führt in die kleine Welt Marys während der elisabethanischen Zeit. Der Tisch ist gedeckt à la 16. Jahrhundert, die Kleidung liegt bereit und liebevoll wird jeder ausgestellte Gegenstand verständlich erläutert. Die Perle des Cottages ist der von ehrenamtlichen Helfern gepflegte blühende Garten mit Blick bis zur Brücke. Hier werden Tee, Kaffee und kleine Kuchen auf Großmutters Geschirr serviert. 

Am 4. Juli 1569 heiratete Mary Newman aus Saltash einen der bekanntesten Seefahrer und Piraten aller Zeiten. Aus Ms. Newman wurde Mrs. Francis Drake. Vieles ihrer Biografie liegt im Dunkeln und auch ihr Wohnort bleibt umstritten. Zweifelsfrei jedoch ist überliefert, dass Francis auf der anderen Seite des Wassers in Plymouth wohnte und zu seinem Saltasher Sweetheart stets mit dem Boot über den Tamar ruderte. 
Während ihr Mann über die Weltmeere schipperte lebte Mary in Saltash an der Culver Road. Wahrscheinlich betreute sie dort ihre Eltern, den jüngeren Bruder ihres Mannes und seinen Cousin. 1577 verließ Drake die Hafenstadt Plymouth auf dem Schiff Pelican und kam nach erfolgreicher Weltumsegelung und schwer beladen mit gekapertem spanischem Gold erst 1580 wieder in Plymouth an. Mary, die sich die ungewisse Wartezeit mit Thomas Doughty, einem Freund ihres Mannes, verkürzte, ruderte ihm auf dem Tamar entgegen. Dank der erfolgreichen Piraterie von Francis wurde das Paar wohlhabend. 17 Häuser, diverse Schiffe und einige Mühlen gehörten zum Besitz der kinderlosen Familie. Mary genoss ihre kostbaren Kleider aus Seide, Juwelen aus Gold und Geschmeide, ein Tafelgeschirr aus Porzellan und reiche spanische Trophäen. Francis Drake wurde als erfolgreichster Pirat seiner Königin zum Ritter geschlagen und zog mit Mary in die Buckland Abbey um. Dort starb Mary Newman mit gerade 30 Jahren. Das Glück ist ihr Haus und ihr Garten.  

Im Garten des kleinen Museums plaudern wir mit den kenntnisreichen Museumsdamen. Sie erklären uns, dass ein ‘trencher’ ein Holzbrett ist und ein ’trencher loaf’ sozusagen ein essbares Brottbrett. Das haben schon Virgil und Shakespeare gewusst. Wir lernen es in Saltash. Und genießen einfach den Ort.

Das waren die Reisefrequenzen in Saltash am Tamar, dem ersten Ort in Cornwall, UK. Der Ort ist für einen ersten oder letzten Stopp in Cornwall eine Empfehlung.

Unsere Tipps für Saltash, Cornwall:
Anreise: Im Ort kann man gut und kostenlos parken – eine Seltenheit in Cornwall.
Mit dem Zug geht’s über die Brücke zum Bhf. Saltash und in 10 Gehminuten zum Ufer des Tamars.
Museum: Mary‘s Newmans Cottage 51 Culver Rd. Saltash. Ostern – 1.10. Mi – So 12 – 16 Uhr
Ashtorre Rock Teatime: tägl. 10 – 16 Uhr
♥️ Unser Lieblingsplatz: Im Garten des Mary Newman‘s Museum. Bei Isambard Kingdom Brunel am Ufer des Flusses Tamar.

Mit Dank an Andreas, der die Reise ermöglicht hat.

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