Rathenow. Ein Stadtrundgang durch die Stadt der Optik.

Reisefrequenzen
Reisefrequenzen
Rathenow. Ein Stadtrundgang durch die Stadt der Optik.
Rathenow. Ein Stadtrundgang durch die Stadt der Optik.
/

Hallo! Hier sind die Reisefrequenzen. Heute mit einem Ausflug in die Stadt der Optik, nach Rathenow. Ganz in den Westen Brandenburgs. Wie immer nehmen wir Euch und Sie mit auf unseren Stadtrundgang. 
Vom Bahnhof in Rathenow durch die Innenstadt zum Weinberg, über die Brücke, durch den Optikpark, zurück zur St. Marien-Andreas-Kirche und wieder zum Bahnhof. 

 
Am Bahnhof von Rathenow

An einem Sonntag reisen wir mit der ODEG, der ostdeutschen Eisenbahn, von Berlin aus in Richtung Westen. Der Zug ist rappelvoll und ich wünsche mir statt all der Mitreisenden ein einsames Atoll. Drei Stationen später ist der Zug leer. Rathenow ist offenbar ein Geheimtipp.
Wir kommen an. Vom Bahnsteig geht’s in die Unterführung, ihr Zustand ist lagebedingt unterirdisch. Der unwirtliche Eindruck erweitert sich auf dem Platz vor dem Bahnhofsgebäude. Hier steht Johann Heinrich August von Duncker auf einem Denkmal, er lebte in Rathenow und ist der Erfinder der optischen Industrie. Ohne ihn hätte Rathenow einen anderen Weg durch die Geschichte gemacht. Wir hoffen, dass er nicht seine Brille aufsetzt, um sich die etwas lieblose Weite genauer anzuschauen. Es scheint uns nicht so, als wartet Rathenow auf seine Gäste. Doch wie so oft und in der Liebe trügt der erste Schein.

Rathenow. Ein Stadtrundgang durch die Stadt der Optik.
Das Denkmal für den Erfinder der optischen Industrie, J.H.A. von Duncker

Das alte Bahnhofsgebäude aus Rathenower Ziegeln ist toprenoviert. Es wurde 1870 für die Berlin-Lehrter-Eisenbahn gebaut, mit der sich auch die Truppen in den deutsch-französischen Krieg dieser Jahre bewegten. Rathenow war 300 Jahre lang bis 1994 Garnisonsstadt.
Nebenan steht grünlich gestrichen ein Holzhaus im norwegischen Stil, heute beherbergt es ein Café. 1913 wurde es im Auftrag der Kaiserin Auguste Viktoria als Ankunftshalle für ihre Tochter Victoria Luise und deren Ehemann Ernst August III. von Hannover errichtet. Victoria Luise. So hieß meine Schule. Ernst August aus Hannover war Offizier bei den in Rathenow stationierten Zietenhusaren. Weil Prinz und Gemahlin per Zug anreisten, gestaltete Stadtbaurat Sprotte ein repräsentatives Empfangsgebäude im Lieblingsstil des deutschen Kaisers. Inzwischen gibt es statt höfischer Ankunft à la Norwegen hier leckere Teeblätter vom Bäcker Thonke.
Daneben steht der Wasserturm seit um 1900. Der Zahn der Zeit hat sich in Putz und Gebälk gefressen, doch die Rathenower Ziegeln halten noch aus im Auftrag des Denkmalschutzes. 

Die Geschichte in Kürze
 
Rathenow ist ein bronzezeitlicher Siedlungsplatz mit einem später aufgeworfenen slawischen Burgwall und Gräberfunden der Vorzeit in der Umgebung. In einer bischöflichen Urkunde von 1216 wird die Stadt erstmals erwähnt.
Später hatte sie unter dem 30jährigen Krieg schwer zu leiden, im Jahr des Friedens 1648 wohnten nur noch 40 Menschen in Rathenow. Es blieb nicht einfach in der Stadtgeschichte, verantwortlich war auch die strategisch interessante Lage zwischen Havel und Elbe. 
Am Ende des Zweiten Weltkrieges, im Mai 1945 nach bereits zwei verheerenden Bombenangriffen im vorherigen Jahr, kämpften Reste deutscher Truppen unter Generalfeldmarschall Keitel gegen die sowjetische Armee. 70 % der Stadt waren nach wenigen Tagen zerstört. 
Aktuell hat Rathenow etwa 24 000 Einwohner.

Wir gehen vom Bahnhof durch ein saniertes, charmantes Gründerzeitviertel. Im Hintergrund schauen backsteinernen klotzige Kasernengebäude über die Dächer der Wohnbebauung. Ein Industriegebäude zeigt seine gemischte Nutzung aus Kreativität und Verfall. An der Puschkinallee blühen zweireihig die roten Kastanien. Am Märkischen Platz erreichen wir nach dem Passieren eines Reststücks der Stadtmauer die Innenstadt.
 „Wir erhoben uns – Gestalt zu sein“. Das Motto von Johannes R. Becher steht in goldenen Lettern am Kulturzentrum. Es leuchtet in einer orangerosa Farbe, als wäre es ein Schloss.

Rathenow. Ein Stadtrundgang durch die Stadt der Optik.
Das Kulturzentrum

Die Straßen sind breit und sehr leer, sozialistisches Bauen und die Fassaden der 90er Jahre lassen hadern mit ihrer Gestalt. Beim Griechen „Akropolis“ sind um halb 12 schon viele Plätze besetzt, Sonntagmittag in Rathenow.
Die großen Kreuzungen sind hübsch gestaltet. Symbole der Optik und ein Denkmal für einen Ziegel schleppenden „Abtragsjungen“ erinnern an die Industrien, die in Rathenow neben den Kasernen die Arbeitsplätze waren. Aus Rathenow kamen die Backsteine für das Holländische Viertel in Potsdam, für Schloss Sanssouci und für das nach den roten Rathenower Ziegeln benannte Rathaus in Berlin. 

Rathenow. Ein Stadtrundgang durch die Stadt der Optik.
Der Baum des Lebens erzählt auf 1500 Fliesen die Geschichten von Einwohnern Rathenows

Die Wiege der optischen Industrie ist Rathenow

Rathenow ist die Wiege der industriellen Optik in Deutschland. Johann Heinrich August von Duncker, der von Beruf Pastor war, legte vor 200 Jahren mit seiner Erfindung den Grundstock für die optische Industrie an der Havel. Er produzierte im Pfarrhaus Mikroskope und Brillen und begann dort mit dem Ladenverkauf. 1801 eröffnete er zusammen mit seinem Pfarrerkollegen Samuel Christoph Wagener  die „Königlich privilegierte optische Industrie-Anstalt“. Duncker erfand die Vielschleifmaschine und damit den Schleifstein für die industrielle Fertigung optischer Geräte. 
Sein Sohn und später sein Enkel Emil Busch führten die „Optische Industrie Anstalt“ erfolgreich fort. Die spätere „Emil Busch AG“ wurde zu einer der europaweit innovativsten Firmen für optische Erzeugnisse. 
Vor dem Zweiten Weltkrieg war Rathenow einer der führenden Optikstandorte weltweit mit über 50 Unternehmen. Dann folgte die Zerstörung. Nach schwierigen Jahren gewann die Industrie in der Stadt wieder an Fassung. In der DDR kamen alle Brillengläser aus Rathenow. 4.500 Menschen waren mit der Herstellung beschäftigt. Heute produziert hier der Optiker Fielmann mit etwa 1.500 Angestellten und für die optische Feinmechanik weit über die Mark hinaus bekannt ist die Firma „Askania“. 
Wir gehen die Berliner Straße hinunter und stehen am Stadtkanal. Die Innenstadt ist eine Insel, die in den verzweigten Armen der Havel liegt.

Rathenow. Ein Stadtrundgang durch die Stadt der Optik.
Am Alten Hafen in Rathenow

An der Stadtschleuse

Und dann spuckt er einfach in unregelmäßigen Intervallen in den Kanal. Er ist einer von drei Männern in Arbeitskleidung und mit Schiebermützen auf ihren Köpfen. Einer hat eine Tabakspfeife im Mund, der andere ein Stift hinterm Ohr und der dritte den Flachmann in der hinteren Hosentasche. Ein Hund, der gerade gefüttert wird, ist auch dabei. Alle drei sehen etwas altertümlich aus und sie sind aus Bronze.

Rathenow. Ein Stadtrundgang durch die Stadt der Optik.
Die Schleusenspucker in Rathenow

Die „Schleusenspucker“ lehnen sich an die Brüstung der 1884 angelegten Stadtschleuse am seit dem Mittelalter ausgebauten Rathenower Stadtkanal. Sie erinnern dort an die Tagelöhner, die in den 1920ern und  1930er Jahren hier standen und auf Arbeit beim Be- und Entladen der in der Schleuse anlegenden Lastkähne warteten. Das Warten zwischen den Gelegenheitsaufgaben vertrieben sie sich mit Klönen und Spuckwettbewerben. Irgendwann wurde für die wartenden und ins Wasser spuckenden Männer der Name „Schleusenspucker“ gebräuchlich. Der Rathenower Bildhauer Volker Michael Roth schuf sie zur Landesgartenschau vor 15 Jahren. Einer der dreien hat einen Spuckmechanismus verbunden mit einer Wasserleitung im Mund eingebaut und lässt so immer wieder die Tropfen fliegen. 
Die Schleuse ist immer noch in Gebrauch und das neogotische Schleusenwärterhäuschen hübsch renoviert. Lastkähne kommen keine mehr vorbei, inzwischen ist die Route beliebt bei Sportboot- und Hausbootkapitänen.

Rathenow. Ein Stadtrundgang durch die Stadt der Optik.


Der Blick über den Stadtkanal ist romantisch und schön, die Seerosen blühen und gegenüber streckt sich der Kirchturm von St. Marien Andreas aus dem Grün der Uferböschung. 
Etwas im Hintergrund aber unübersehbar steht der Große Kurfürst aus Sandstein. Sein Denkmal ist die bedeutendste barocke Sandsteinskulptur in Norddeutschland, sie stammt vom Bildhauer Johann Georg Glume. 1738 war das Standbild des Kurfürsten mit den in Ketten gelegten feindlichen Nebenfiguren fertig. Es zeigt den Großen Kurfürst Friedrich Wilhelm als den Sieger der Schlachten gegen die Schweden. Inklusive der Schlacht um Rathenow 1675, die mit der Rückeroberung durch die Brandenburger beendet wurde. Feldmarschall Georg von Derfflinger und der General von Götze kommandierten die etwa 1000 Mann gegen die unterlegen Schweden.
Der Große Kurfürst steht stolz in der Uniform eines römischen Imperators und ein Orden in Gold erwähnt „Hony soit qui mal y pense“. Ein Schurke sei, wer Schlechtes dabei denkt – ist das Motto des höchsten englischen Ordens.


Wir verharren eine Weile und schauen den „Schleusenspuckern“ und den Booten zu. Sonst ist es leer. Ein paar Bänke weiter sitzt ein zeitgenössischer Schleusenspucker und übt.
Der Platz am „Alten Hafen“ lädt ein zum Verweilen. Es ist schön in Rathenow.

Der historische Friedhof und der Rathenower Bismarckturm

Wir schauen uns um und entscheiden uns für den Berg, der früher der Weinberg war und heute der Friedhof. Er ist ein verwunschener, geradezu romantischer Ort. Hier sind die Optikerfamilien der Blütezeit Rathenows begraben und die Angehörigen des Husarenregiments von Zieten. Bürger und Bürgerinnen aus verschiedenen Zeiten ruhen nebeneinander in diesem fruchtbaren Garten. Das älteste Grab wurde für eine Apothekerfamilie ausgehoben und stammt von 1764. Vorbei an den Gräbern, an der halbwilden lauschigen Bepflanzungen, an riesigen Rhododendren, an bröckelnden Grabsteinen und an langsam im rostigen Chic zerfallenden schmiedeeisernen Grabzäunen schlängelt sich unser Fußweg bis hinauf zur Kirche. Wir sind überrascht. Backsteinern und in sanft geschwungener Architektur taucht sie zwischen hohen Bäumen auf. Sie wurde 1917 als Friedhofskapelle gebaut und 1954 nach Zerstörung der Hauptkirche zur Auferstehungskirche geweiht. Ihre klaren, modernen Formen sind ein expressionistisches Kleinod. 

Rathenow. Ein Stadtrundgang durch die Stadt der Optik.
Auferstehungskirche in Rathenow

Durch das Friedhofstor und eine kleine Senke spazieren wir weiter hinauf bis zum Kiekenberg. Hier kann man bis in die Gegend weit kieken. Der 34 m hohe Bismarckturm ist leider noch geschlossen. Wenige Tage vor Beginn des Ersten Weltkriegs wurde er fertig gestellt. Der Turm ist strenggenommen gar keiner, sondern ein Triumphbogen unter dem einst die Skulptur Otto von Bismarcks stand. Schließlich hatten die Wahlmänner des Wahlkreises Westhavelland-Zauche-Brandenburg mit Sitz in Rathenow Otto v. Bismarck zu seinem direkten Mandat verholfen, etwa 30 km von hier wurde er zuvor in Schönhausen geboren. 1942 wurde sein Standbild für die Rüstungsindustrie eingeschmolzen. 

Rathenow. Ein Stadtrundgang durch die Stadt der Optik.


Unter dem Bismarckturm ist es auch sehr schön. Blumenrabatten sind angepflanzt und Bänke bieten uns Platz für eine sonnige Pause.

Die Weinbergbrücke

Wir schlendern den Berg auf lauschigen, baumbestandenen Pfaden hinunter bis zur großartigen Weinbergbrücke. Die Brücke ist spektakulär und voller Schwingungen. Über ihr hält sie ein doppelter Bogen und sie selbst ist ein S hoch über dem Wasser. Sie ist ein 348m langer luftiger, freier Ort. Unter ihr liegt Hellers Loch und die Rathenower Havel. Die Weinbergbrücke ist eine Fußgängerstrecke mit zwei sehr langen Bänken auf denen wir endlos verweilen könnten. Heute allerdings ist es ein wenig zu heiß.  2016 gewann das Büro schlaich bergermann partner den Deutschen Ingenieurbaupreis für diese geschmeidige Konstruktion.

Rathenow. Ein Stadtrundgang durch die Stadt der Optik.
Die eine Hälfte der Brücke

Der Optikpark in Rathenow

Am anderen Ende der Brücke beginnt der Optikpark. Ein launiger älterer Herr meint witzig zu sein, macht Sprüche und verlangt unseren Eintritt. 5,– Euro zahlen wir für den bunten Park. Der bequemste Ort sind die Liegestühle in den Farben des Regenbogens. Sie stehen im Gelände zwischen allen Farben des Spektrums, die in unterschiedlichen Formen leuchten. Stege führen in Halbkreisen und Geraden über einen Teich und wir begreifen nicht, dass diese Wege die Berliner Weltzeituhr am Alex symbolisieren sollen. Sie wurde in Rathenow von Erich John erfunden und in verschiedenen Werkstätten angefertigt. Seit 1969, dem 40. Jahrestag der DDR, läuft sie in Berlin mit Rathenower Präzision. Die Fernrohre und das Café sind geschlossen aber bunte Schirme sind farbig bepflanzt und die Schwäne im Schilf haben sechs Junge. Der Optikpark war Teil der Bundesgartenschau 2015 und schimmert bis heute in den Farben der Prismen. Natur-Kultur-Entspannung, so lautet sein Motto.
Vom Liegestuhl aus schauen wir einfach aufs Wasser oder auch in die Bäume. In Gedanken versuchen wir die vielfältig dargestellten optischen Phänomene zu entschlüsseln. Dann holen wir uns ein Eis am Kiosk. 

Rathenow. Ein Stadtrundgang durch die Stadt der Optik.

Über die Hauptstraße „Schwedendamm“ gehen wir zurück in die Stadt. Und plötzlich steht da ein Leuchtturm im flachen Gewässer der Havel.

Der Leuchtturm in Rathenow

Der beste Standpunkt ist an der alten Stadtmauer „Vor dem Mühlentor“. Leuchtend rot blüht der Mohn und bildet einen Vordergrund, als sei er gemalt. Dahinter steht mitten in der Havel der Leuchtturm von Rathenow und erzählt von der Ostsee. 
Der sechseckige Stahlturm wurde 1990 auf der Mittelmole von Warnemünde errichtet und grüßte als 13m hohes sogenanntes Molenfeuer dort alle Schiffe, die in den Hafen von Rostock fuhren oder zurück in das baltische Meer. 1997 wurde er in Warnemünde abgebaut und vom Schifffahrtsamt eingelagert. Glücklicherweise erinnerte sich der Verein zur Pflege der optischen Tradition an den leuchtenden Turm und ließ ihn als technisches Denkmal 2009 in der Havel wieder aufbauen. 
Die bekannteste Leuchtfeuerfirma war die Optische Anstalt Rathenow, Gebr. Picht & Co. „Das Licht kommt von Picht“ hieß es früher. Zwischen 1865 und 1915 war die Firma Deutschlands einziger Hersteller optischer Linsensysteme für Leuchttürme und bestückte weit über einhundert Türme mit Fresnelschen Stufenlinsen. Die Optik im Rathenower Leuchtturm ist ähnlich, kommt aber nicht von Picht.
Ursprünglich war der Turm zitronengelb, jetzt ist er Rot-Weiß in den Landesfarben Brandenburgs gestrichen. 

St. Marien-Andreas-Kirche in der Altstadt

Zum Schluss unseres Rundgangs genießen wir die Altstadtatmosphäre am Kirchplatz. Hier stehen die ältesten Häuser aus dem 16. Jahrhundert, Fachwerk in weiß und gelb. Gegenüber ist die gut ausgestattete Touristeninformation untergebracht.

Rathenow. Ein Stadtrundgang durch die Stadt der Optik.

An diesem Platz wurde J.H.A. Duncker geboren, hier hat er an den optischen Instrumenten gearbeitet.

Die Kirche ist ein mächtiger spätgotischer Backsteinbau mit einem romanischen Kern aus dem 13. Jahrhundert. Am Ende des Zweiten Weltkriegs, am 27. April 1945, brannte sie durch Beschuss vollständig aus und ihre gesamte Ausstattung war verloren.
Wir treten ein. Bei unserem zweiten sonntagnachmittäglichen Versuch ist sie tatsächlich offen. Der Eindruck ist etwas verwirrend. Das Gewölbe des Langschiffs wurde bis 2011 wieder hergestellt und über unseren Köpfen erhebt sich das Muster der gotischen Sterne. Doch der Ostchor ist merkwürdig tiefer gelegt und sein Gewölbe modern und aus warmem Holz. In seiner Zerstörungsgeschichte ist die weite Hallenkirche ein berührender Raum. Unser Blick wird in den Osten gezogen, dort sind die neuen Fenster. Gerhard Henschel hat sie bis zum Jahr 2000 entworfen und fertiggestellt. Sie sind von großer Schönheit und Strahlkraft und stellen die Farben im Park in den Schatten. „Moses vor dem brennenden Dornbusch“ leuchtet fast weiß über den lodernden Flammen  und im „geöffneten Kreuz“ sind Davidstern, Yin-Yang Zeichen und der Halbmond im Sinne der Toleranz über einem Zitat Dietrich Bonhoeffers dargestellt. Dieser bildliche Ausdruck ist weltweit einzigartig. 

Rathenow. Ein Stadtrundgang durch die Stadt der Optik.
Chorfenster in Rathenow

Wir hätten das alles vielleicht nicht erkannt, wären nicht die Kirchenwärter von ihren Beobachtungsplätzen geradezu aufgesprungen, um uns jedes Detail der Marien-Andreas-Kirche zu zeigen. Herr H. und Frau H. sind ein eingespieltes Spielteam, mit Fragen und Sprachwitz und sehr viel Wissen. Zum Ende der Führung öffnen sie den Vorhang vor dem Altar von 1380, der zum Schutz des alten Holzes und der farblichen Fassung vor die Schnitzfiguren gezogen ist. Es ist ein Mysterienspiel und eine geniale und zufällige one-man-one-woman-show der beiden Kirchenwärter.

In gut zwanzig Minuten sind wir wieder am Bahnhof. Unsere Zeit hier war einen Tag lang, zu kurz. Wir hätten noch Vieles unternehmen können und die renaturierte Havel hätte uns erschöpfte Besucher an ihren Gestaden Plätze zum Ausruhen angeboten. Rathenow ist nicht Potsdam oder die Uckermark sondern unterschätzt.

Rathenow. Ein Stadtrundgang durch die Stadt der Optik.
Lass die Sonne in dein Herz. Eingemeißelt auf einem Stein auf dem Weinberg.

Das waren die Reisefrequenzen. Heute in der Stadt der Optik, in Rathenow. Nah ist es auch schön!

Tipps und Sehenswürdigkeiten:


Was: Ein ganztägiger Stadtrundgang
Wo: Rathenow
Food: Restaurant Zum alten Hafen.
Bäcker Thonke zum Beispiel am Bahnhof.
Es gibt auf dem Weinberg schöne Picknickmöglichkeiten, aber am Sonntag empfiehlt es sich vorher einkaufen.
Inspiration: Den Turm der St. Marien-Andreas-Kirche besteigen.
Im Optikpark sich auf dem Floß durch einen idyllischen Nebenarm der Havel staaken lassen. (Im Preis von 5,- Eintrittsgebühr inbegriffen)
♥️ Unser Lieblingsplatz: Auf dem Friedhof, auf der Weinbergbrücke, in der St. Marien-Andreas-Kirche.

Podcast Label

Schreibe einen Kommentar

Wir freuen uns über Feedback

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Mit Absenden Ihres Kommentars werden Ihre Einträge in unserer Datenbank gespeichert. → weitere Infos in unserer Datenschutzerklärung