Potsdam. Erfüllt grenzenlos Sehnsucht.

Hallo! Hier sind die Reisefrequenzen. Unterwegs in Potsdam.
Nah ist’s auch schön.
In Potsdam ist die Welt zu Hause. Wenn Reisen schwierig ist, geht immer noch Potsdam.

Ein Besuch in Potsdam gleicht einer Reise durch Europa und darüberhinaus. Das ist praktisch und schön in schwierigen Corona-Reisezeiten. Französisch beeinflusstes Rokoko, ein holländisch aussehendes Viertel, die russische Kolonie Alexandrowka mitsamt orthodoxer Kirche in zartrosa, ein Wasserwerk im Stil einer türkischen Moschee mit Minarett, Obelisken wie aus Ägypten, ein italienisches Dörfchen, eine französische Kirche, palladianische Stadthäuser, römischen Bäder, englische Gärten. Die Aufzählung ist unstoppable. Wenn Reisen nur eingeschränkt möglich ist, bleibt immer noch Potsdam. Dies ist kein Werbetext, den könnten andere schreiben. Hasso Plattner, Kai Diekmann, Andreas Dresen, Johannes B. Kerner wohnen hier. Potsdam ist einfach schön.

Großzügige Landschaftsgärten und weitläufige Havelseen prägen neben den Schlössern und der historischen Innenstadt das Bild der im Unesco-Weltkulturerbe gelisteten Stadt. Eine Stadt zwischen grünen Parks und blauem Wasser. Die Ränder sind am Schönsten.

Potsdam. Erfüllt grenzenlos Sehnsucht.
Neue Orangerie im Park Sanssouci

Potsdam wurde erstmals 993 als Potzupimi erwähnt. Diesen Ortsnamen mit seinem eigenen Klang werde ich vermutlich niemals wieder vergessen. 1660 erklärte der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm die Havelstadt zu seiner Lieblingsresidenz. Anschließend lud er die in Frankreich aus Glaubensgründen verfolgten protestantischen Hugenotten mit dem Toleranzedikt von Potsdam an die Havel ein. 20.000 Neuankömmlinge brachten Erfahrungen aus Landwirtschaft und Baukunst ihrer Heimat mit. Die Flüchtlinge mit ihren Fähigkeiten waren wesentlich für die schnelle Entwicklung zur Blüte der Residenzstadt verantwortlich. Seit 1990 ist Potsdam Landeshauptstadt.
Eine Stadt der Superlative. Hier gibt es die meisten Sonnenstunden, die zweithöchste Akademikerrate, das schnellste Internet – so sagt man – und den höchsten Natur- und Freizeitwert aller Landeshauptstädte.

Potsdam. Erfüllt grenzenlos Sehnsucht.
Das Chinesische Haus im Park Sanssouci

Der Große Garten, Schloss Sanssouci und das Neue Palais

Sanssouci ist schön und Potsdam ist schöner. Die Stadt an der Havel integriert die größte Park- und Gartenlandschaft Deutschlands. Wie verstreute Perlen liegen 17 Schlösser, Paläste und Prunkbauten im Grün der Parkanlagen. Die meisten sind in ihrem heutigen Aussehen einem Bonner zu verdanken, Peter Joseph Lenné, der 1816 als Gehilfe ins Gartenamt kommt und als er 1866 stirbt, längst zum General-Gartendirektor aufgestiegen ist.

Sichtachse Park Sanssouci
Sichtachse m Park Sanssouci

 Das weltbekannte Schloss Sanssouci, erbaut von Friedrich II., steht auf den mit Wein und Feigen bewachsenen Terassen. Im Tal sprudelt die Fontäne und rechts und links wachsen Kirschen. Friedrich II. ließ sich mit Unterstützung des Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff sein Lusthaus errichten und nannte es Sans.souci, ohne Sorgen. Und manche sagen auch, sans femmes. Ohne Frauen. Außer in der Küche.
So wie in Rheinsberg sollte es sein und auf diese Weise die Erinnerung an seine relativ unbeschwerte Kronprinzenzeit bewahren. Als das Rokokoschloss noch in der Planung war, wurde nebenan auf Wunsch des Alten Fritz bereits die Gruft für sein Grab ausgehoben. Doch erst 1991, 205 Jahre nach seinem Tod, wurde der Leichnam nach einer Odyssee hier beigesetzt und somit der letzte Wunsch Friedrichs II. erfüllt. Wenn ich vorbeigehe, oben auf der Terrasse vor dem Schloß, liegen oft Kartoffeln auf der Grabplatte. Manchmal sogar mit rosa Schleifen gebunden. 

Potsdam. Erfüllt grenzenlos Sehnsucht.
Kolonnadenhof Schloß Sanssouci

Potsdams Schlösser sind vielfältig wie die Zeitläufte. Im Großen Garten steht die Prahlerei. So nannte Friedrich II. das nach dem siebenjährigen Krieg 1763 errichtete Neue Palais mit seinen 970 Räumen. Es wurde später der bevorzugte Wohnort des letzten deutschen Kaisers mit Tennisplatz und elektrischer Beleuchtung. Im Hof fuhr er mit einem seiner Mercedes-Autos seine Runden. Nach der Revolution 1918 reiste der Kaiser mit 90 vollgepackten Eisenbahnwaggons ins Exil nach Holland.

Neues Palais
Das Neue Palais

In Sichtweite des Prahlerei oder auch Fanfanorade genannten Neuen Palais, übrigens ein Nachbau des nordenglischen Howard Castles, steht ein Schmuckstück des Klassizismus. Knapp hinter den Anlagen des Hippodroms lugt es hervor. Das Schloss Charlottenhof wurde von Karl Friedrich Schinkel im zarten weiß-blau für die bayrische Prinzessin Elisabeth Ludovika gestaltet.

Oberhalb der den Garten teilenden Maulbeerallee führen steile Treppenstufen zum Drachenhaus mit seinen Wasserspeier im chinesischen Stil. Durch die Baumallee ragt das Belvedere auf dem Klausberg. In der Nähe steht, wie eine Kulisse, die Orangerie im Stil der italienischen Neorenaissance. Im Sommer stehen der Oleander und die Zitruspflanzen wie in Arkadien davor, im Winter müssen sie zurück hinter die wärmende Glasfassade. Die Orangerie ist ein beliebtes Motiv für Modeaufnahmen und holt mit ihrer großzügigen Gestaltung und Präsentation italienisches Flair nach Preußen. Unterhalb liegt als „italienisches Dörfchen“ in zartrosa und hellgelb gestrichen das Krongut Bornstedt an einem kleinen See.

Der Neue Garten und seine Schlösser

Potsdam war jahrhundertelang die wichtigste Residenzstadt der Hohenzollern und prunkt damit. Es gibt eine zweite Orangerie im Park Sanssouci, ein zweites Belvedere frisch renoviert auf dem Pfingstberg und einen zweiten großen Garten, den Neuen Garten am Heiligen See. Dort steht direkt am Ufer das frühklassizistische Marmorpalais. Das Kleinod des Architekten Carl von Gontard ist mit schlesischem Marmor in verschiedenen Farbnuancen verkleidet und bietet eine idyllische Aussicht in die Blickachsen des englischen Gartens und über den See. Auf der anderen Uferseite wohnen die Reichen und Schönen. Am Eiskeller, der einer Pyramide gleicht, vorbei führt ein Spazierweg zum letzten Schloss der Hohenzollern.

Mit Blick auf die Havel wurde Schloss Cecilienhof während des Ersten Weltkriegs im englischen Landhausstil errichtet, kurz vor dem Ende der Monarchie war es bezugsfertig. Am Ende des Zweiten Weltkriegs fand hier die Potsdamer Konferenz der Alliierten statt. Sie endete mit dem Potsdamer Abkommen, der Teilung und Entnazifizierung Deutschlands. In den historischen Schlossräumen zeigt eine Ausstellung die Ereignisse von vor 75 Jahren.

Die düsteren Folgen der Teilung Deutschlands sind in der ehemalige Verbotene Stadt neben dem Neuen Garten zu sehen. Das schicke Villenviertel wurde vom sowjetischen Militär beschlagnahmt. Die Deutschlandzentrale des KGB wurde eingerichtet. Die sowjetische Spionageabwehr war der wichtigste nachrichtendienstliche Vorposten an der Nahtstelle nach Westeuropa. Ein Teil der alten Absperrmauer ist noch zu sehen. Das KGB-Gefängnis von damals ist heute Teil einer Ausstellung, zu der ein Geschichtspfad durch die Siedlung führt.

Die Innenstadt mit der Nikolaikirche und dem Museum Barberini

In wenigen Minuten ist das Stadtzentrum zu Fuß erreicht. Potsdam ist eine Stadt mit viel Flair, kleinen Läden und Boutiquen, perfekt zum Stöbern nach Schönem und Besonderem. Ein Stadtviertel erinnert in seiner roten Backsteinarchitektur an Holland. Das ist das größte holländische Viertel außerhalb der Niederlande. Die 134 Backsteinhäuser aus dem 18. Jahrhundert sind ein gemütlich-ambitioniertes Ambiente für kleine Läden, Kneipen und Cafés. Einmal im Jahr wird prachtvoll und bunt das Tulpenfest gefeiert und im Winter, zum Weihnachtsmarkt, wird es stimmungsvoll und manchmal sehr voll in den Straßen des Viertels. Am Ende der innerstädtischen Hauptstraße, der Brandenburger Straße, steht das Brandenburger Tor. Es ist mit Stolz einige Jahre älter als der berühmte Berliner Namensvetter.

Potsdam. Erfüllt grenzenlos Sehnsucht.

In den einfachen Zopfstilhäusern des barocken Stadtkerns waren früher im Dachausbau die Stuben der Soldaten untergebracht. Die regierenden Hohenzollern dachten praktisch in der seit 1713 ausgebauten Garnisonsstadt. Jeder Bürger war verpflichtet, Soldaten aufzunehmen. Wie eine indirekte Steuer funktionierte das System.

Schloßkopie
Kopie von Sanssouci in der Kopie vom Stadtschloß


Am Alten Markt wuchs die Keimzelle der Stadt. Die alte Burg wurde zum Stadtschloss umgebaut. Am 14.04.1945 ging sie mit der gesamten Innenstadt im Bombenhagel unter. Die 2014 eröffnete Rekonstruktion beherbergt hinter historischen Fronten den Brandenburger Landtag. An der Fassade steht mit einem selbstironischen Augenzwinkern in goldenen Buchstaben geschrieben „Ceci n’est pas un château“, dies ist kein Schloss. Die Nikolaikirche mit ihrer wiederaufgebauten klassizistischen Schlichtheit bietet nach einem Aufstieg zum Turmrundgang einen Blick über den Stadtkern. Nicht nur von hier aus sind die Plattenbauviertel im Süden gut zu sehen. Die erste Reihe ist inzwischen in königlichem gelb und zartrosa gestrichen, damit der Kontrast zwischen alt und neu nicht allzu stark ins Auge fällt. Der neueste Publikumsmagnet am unbegrünten kahlgepflasterten Alten Markt ist das Museum Barberini im ebenfalls rekonstruierten gleichnamigen Palais. Hochkarätige Wechselausstellung verschiedener Künstler und Themen ergänzen die reiche Potsdamer Museumswelt, zu der neben anderen das Filmmuseum im Marstallgebäude und die Biosphäre unbedingt dazu gehören.

Potsdam. Erfüllt grenzenlos Sehnsucht.
Alter Markt in Potsdam mit Rathaus und Museum Barberini

Am Stadtrand. Der Telegrafenberg und Babelsberg

Zu den Höhepunkten im wahrsten Sinne gehört der Telegrafenberg mit dem Wissenschaftspark Albert Einstein,  94m über dem Meer. Die erste optische Telegraphenstation aus dem Jahre 1832 erinnert an die Anfänge der Kommunikationstechnik. Der Große Refraktor von 1899 war einst das weitreichendste Linsenfernrohr weltweit in der speziell für die Astrophysik errichteten Sternwarte.  Wichtiger Forscher war hier Albert Einstein. 1920 planten Albert Einstein und Erich Mendelsohn ein neues Observatorium im revolutionären und architektonisch herausragenden Einsteinturm, der ein Turmteleskop zur Sonnenbeobachtung beherbergt. Mit diesem neuartigen Teleskop sollte die Relativitätstheorie bewiesen werden, was mit dem Instrumentarium letztlich nicht gelang. Im benachbarten Institut für Klimafolgenforschung sind Modelle der Klimakatastrophe zu sehen. 

Treppe am Schloß Babelsberg in Potsdam
Treppe am Schloß Babelsberg

Nicht um Realität sondern um Fiktion dreht sich die Welt in den Filmstudiosus Babelsberg, in denen die Geschichte und die Effekte des Films thematisiert werden. Der erste Stummfilm weltweit wurde 1912 in Babelsberg gedreht, Babelsberg ist ein Synonym für den Film. Seitdem haben sich die Studios zum größten Filmstudio Europas mit Produktionen wie „Babylon Berlin“ entwickelt. Filmreif steht auch in Babelsberg ein Schloß, im neogotischen englischen Stil, mit bestem Blick aufs Wasser.

Blick Babelsberg auf Havel
Blick vom Schloß Babelsberg auf die Glienicker Brücke

Potsdam ist eine Stadt am Wasser. Die Havel teilt sich in den Jungfernsee, den Tiefen See, den Genthiner See, den Zernsee und in die Alte und Neue Fahrt. Immer ist das Wasser nah und alle damit verbundenen Freizeitmöglichkeiten ebenfalls. Sogar ein Supermarkt lockt mit eigenem Bootsanleger und die Ausflugsgaststätten an Uferspazierwegen laden zum „Potsdamer“. Das ist ein Bier mit Himbeerlimonade. 

Potsdam. Erfüllt grenzenlos Sehnsucht.

Ein Ausflug nach Potsdam.
Was: Ein Schnupperbericht zu Potsdam. Die interessantesten Punkte der ganzen Stadt inklusive Parks, Schlösser und Telegrafenberg. Ein Besuch in Potsdam ist wie eine Reise durch die Welt. Die Parks sind Eintritt frei öffentlich zugänglich.
Wo: Potsdam.
Food: Es gibt sehr viele Möglichkeiten, in Potsdam gut zu essen. Ich empfehle das Eis von der Eismanufaktur in der Brandenburger Straße und weil so schön am Wasser gelegen die Meierei im Neuen Garten. Mein Lieblingsort ist das am Stadtrand gelegene Schloß Gut Golm.
Infos: https://www.potsdamtourismus.de

Das war die Reisefrequenz. Heute in Potsdam. Nah ist’s auch schön.

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