Potsdam. Alter Markt. Ein Architekturspaziergang.

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Potsdam. Alter Markt. Ein Architekturspaziergang.
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Hallo! Hier sind die Reisefrequenzen. Heute unterwegs auf einem Spaziergang über den Alten Markt in Potsdam und ein wenig darüber hinaus. Wir betrachten die italienische Renaissance-Architektur in Preußen. Das ist eine Fake Architecture der besonderen Art und es wird recht speziell. 

Potsdam Alter Markt

Wir treffen uns, sozusagen, mit mehreren Perücke tragenden und leicht angestaubt riechenden Herren, um die italienisch anmutende Gestaltung in Potsdam zu verstehen. Ein Rundgang für Architekturfans.

Der eine der Herren ist Friedrich II. Er hatte das Sagen und die, wenn auch nicht immer gut gefüllten, Geldtaschen. Die anderen sind der Venezianer im preußischen Grafenstand Francesco Algarotti, sowie der einflussreiche Lord Burlington aus London, den Friedrich zusammen mit dem Grafen Algarotti bereits am Hof seines Vaters kennengelernt hatte. Algarotti, der spätere Kunstinfluencer am preußischen Hof, war mit Lord Burlington auf der Rückreise aus St. Petersburg in Potsdam und Rheinsberg geladen. Zu dieser städteplanerisch einflussreichen Runde zählen selbstverständlich auch die Architekten des Königs. Bei ihnen steht der herausragende Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, lange Zeit eng befreundet mit Friedrich II. Dazu stößt selbstverständlich Voltaire, noch versteht er sich blendend mit dem König.
Wir schauen uns auf dem Marktplatz von Potsdam um. Alles glänzt, viele der Gebäude sind neu und es sieht aus wie ein historisches Disneyland. Am 14. April 1945 wurde die Potsdamer Innenstadt von der Royal Air Force vernichtet. Der Bombenhagel der „Nacht von Potsdam“ begann um 22.16 Uhr. 
Heute sehen wir über die politischen und ästhetischen Diskussionen um den Wiederaufbau hinweg und flanieren in die Geschichte der Architektur.
Unser besonderes Interesse gilt dem Kulturtransfer und der Frage, wie die italienische Renaissance auf den Potsdamer Markt kam. 

Der Kern ist das Schloss. Es glänzt in altrosa, steht auf dem Platz der alten Burg und wurde für Friedrich II. bis 1750 im Spätbarock umgebaut.  

Der König schaut aus einem der Fenster des Potsdamer Stadtschlosses, in dem er sich ohnehin nicht besonders gern aufhält, und ist über den Ausblick entsetzt. Voltaire, der hier ab 1750 hin und wieder wohnt, stimmt ihm zu. Eine Verschönerung des Stadtplatzes sollte gelingen. Friedrichs II. Wahl fällt auf den Palladianismus. Das ist ein klassizistischer Stil, der vom italienischen Renaissancearchitekten Andrea Palladio (1508 – 1580) inspiriert ist und in Nordwesteuropa en vogue war.
Friedrich II., seit seinen Rheinsberger Tagen an Architektur interessiert, erinnert sich einiger Bücher und einiger Herren, die ihm hier weiterhelfen können.

Die Bücher der Inspiration für die neue Gestaltung Potsdams

Die Bücher stehen in seiner Bibliothek. Es sind „I Quattro Libri dell’Architettura“, die vier Bücher Palladios, die er durch Vermittlung des Grafen Algarotti erhält. Seit 1751 besitzt er zudem die übersetzte Palladioausgabe Giacomo Leonis, die in Venedig für die Engländer mit neuen Kupferstichen ausgestattet wurde. Eine Loseblattsammlung birgt einige Skizzen der Villen Palladios. Außerdem nimmt er immer wieder die britische Architekturbibel der damaligen Zeit zur Hand, den „Vitruvius Britannicus“ von Colen Campbell (1715 – 1725 erschienen). Das Werk ist ein Kompendium mit zahlreichen Stichen der modernen palladianischen Architektur im Vereinigten Königreich. Ein weiteres Druckwerk aus seiner Bibliothek stammt von William Halfpenny und gibt ebenfalls imposante Fassaden und Grundrisse englischer palladianischer Bauten wieder, war jedoch deutlich preiswerter als der „Vitruvius Britannicus“. 

Andrea Palladio, ein Mann des 16. Jahrhunderts. Seine Idee ist die Rezeption der Antike. Klare Formen, einfache Komposition, Fronten wie die eines Tempels und Verwendung der antiken Säulenordnung. Palladio plant in erster Linie freistehende Objekte. Der menschliche Körper bleibt das Maß aller Dinge, wie auch bei Leonardo da Vinci. Ein besonderes Spiel mit Wandöffnungen ist das Palladio-Motiv. Ein hoher mittlerer Bogen wird von zwei schmaleren, gerade abschließenden Öffnungen flankiert. In Potsdam scheint es beim König wenig beliebt.

Die Ideen Palladios finden den Weg nach Potsdam

Der palladianische Baustil kommt über England nach Preußen, dem Weg der Baumode folgend. Während des englischen Umwegs wird er mit politischer Bedeutung aufgeladen. Durch den Architekten Inigo Jones und durch den genialen und inspirierenden Lord Burlington, in dessen Londoner Anwesen übrigens auch der Komponist G.F. Händel übernachtete, wird er zum Stil all derer, die weder katholisch sind noch den Absolutismus verehren. Das entspricht dem Konzept Friedrichs II. Die Bebauung des Alten Marktes in Potsdam wird sein ästhetisches und politisches Signal.
Dabei geht es ausschließlich um die Fassaden, das Innere war Friedrich II. egal. Was hier entstand waren ganz sicher keine Paläste.

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Staatsoper Berlin. Seitenansicht. Das erste palladianische Gebäude in Deutschland

Wir schweifen ab. Das erste palladianische Gebäude Deutschlands steht in Berlin. Die Königliche Oper, 1743. Das erste freistehende Opernhaus, das Größte damals in Europa, der erste Bau Friedrichs II. in seiner Hauptstadt. Die Staatsoper. Original ist sie nicht mehr.

Graf Algarotti schreibt am 12. November 1753 aus dem norditalienischen Vicenza: „Ich bin in Vicenza gewesen, wo ich das gesehen habe, was ich bald in Potsdam wiederzusehen hoffe.“ Friedrich II. setzt alles daran, diese Hoffnung nicht zu enttäuschen. Eigenhändig entwirft und skizziert er die Grundzüge einiger Bauten. Mit der Umsetzung sind die Architekten Knobelsdorff, Boumann, Hildebrandt, Manger und Büring beauftragt. 1752 gründet er zum schnelleren Vorgehen die Verwaltungseinheit des ihm direkt unterstehenden Hofbauamtes, das „Königliche Bau-Comptoir“.

Wir schauen uns um. Dem Schloss gegenüber steht die Kirche St. Nikolai. Friedrich ließ den damaligen Bau mit einer barocken Fassade á la Santa Maria Maggiore in Rom verkleiden. Heute steht hier ein nach dem Krieg wieder aufgebauter Entwurf Karl Friedrich Schinkels aus dem 19. Jahrhundert.

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Das Rathaus und das Knobelsdorffhaus in Potsdam

Der Alte Markt in Potsdam

Eines der prominenten Gebäude, die Friedrich II. sich an seiner römischen Platzanlage á la Potsdam wünschte ist das Rathaus mit der vergoldeten Skulptur des Atlas. Die Vorlage für den Bau war eine nicht ausgeführte Skizze Palladios, der den Palazzo Angarano in Vicenza plante. Die Idee einer Atlasfigur auf dem Kuppeltambour übernahmen die Architekten vom Rathaus in Amsterdam. Ursprünglich war sie aus Blei und stürzte, weil zu schwer, 1776 auf die Straße. Seitdem ist sie in immer neuen Kopien aus Kupfer. Oben auf der Attika warten personifiziert die bürgerlichen Tugenden. Wachsamkeit, Standhaftigkeit, Überfluss, Gerechtigkeit, Kaufmannschaft und die Vorsicht. 

Rechterhand neben dem Rathaus stand das Prediger- und Schulhaus, ein Nachbau des Palazzos della Sagra Consulta von Ferdinando Fuga in Rom. Es ist nicht wieder aufgebaut worden.

Linkerhand ist das farblich leicht graue Knobelsdorffhaus. 1750 war es bezugsfertig, Knobelsdorff selbst hat hier nie gewohnt. Wie geplant zog der zuvor an dieser Stelle enteignete königliche Sattlermeister Lehmann ein. Das Knobelsdorffhaus ist der perfekte Palladianismus. Sein Vorbild kommt aus England. Marble Hill House in Twickenham bei London, gebaut von Roger Morris für die Geliebte des Königs. Friedrich II. hatte den Kupferstich im „Vitruvius Britannicus“ entdeckt. Die Attikaskulpturen sind die Lieblinge des Königs, die wir aus Rheinsberg und dem Park Sanssouci kennen. Flora, Vertumnus und Pomona. 
Die Männerköpfe über den Rundbogenfenstern und der vergoldete Balkon sind typisch Potsdam. Vor das palladianische Haus mit klaren Strukturen wird Rokoko vorgeklebt. Getragen von einem Chinesen, denn Chinoiserien waren gerade noch modern. Das Haus hat seine spitze Ecke bereits im Stadtplan von 1777. Als das Haus noch nicht stand war die Ecke durch einen anderen Verlauf der Brauerstraße gerade. 

Das auffälligste Bürgerhaus am Platz ist das Palais Barberini. Heutzutage beherbergt es ein gut besuchtes Museum. Dazumal hieß es nach seinen Besitzern, denn das eine Haus sind eigentlich zwei, das Schulz’sche und Dieckowsche Haus.

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Palais Barberini. Links das Knobelsdorffhaus und rechts das Schloss

Friedrich II. wird auf den Kupferstich des Palazzo Barberini in Rom aufmerksam gemacht, der ihm gefällt. Er befiehlt den Umbau der Südseite des Alten Marktes, der im Jahre 1771 beginnt. 
Von einem schrecklichen Unglück beim Bau berichtet der Architekt Manger: „zweyen Maurermeistern war die Erbauung dieser beyden, von außen nur ein Gebäude vorstellenden Häuser aufgetragen. Der eine bemühte sich besonders zu der mit dorischen Wandsäulen versehenen Vorlage, zwischen deren Pfeilern offene Bogen waren, die besten und tauglichsten Materialien zu nehmen, der andere aber verabsäumte dieses, und nahm dazu, was ihm vor die Hand kam, ohne Unterschied.(…) so stürzte am 23sten September (…) der Theil vom Risalit, welcher jener nachlässige Werkmeister zu erbauen gehabt, des Morgens zwischen sechs und sieben Uhr wieder ein. Es verunglückten dabey viele Arbeiter, von denen etliche auf der Stelle todt blieben, andere aber schwer verwundet wurden. Erstere mußten begraben und die anderen geheilet werden. Es war ein seltener Fall in den Baurechnungen, Kosten für Särge und Begräbnis aufzuführen; doch konnte es nicht anders seyn.“  (Quelle: Manger,Heinrich Ludewig. Baugeschichte von Potsdam, besonders unter der Regierung König Friedrichs des Zweiten.)
Wie bei allen kopierten Bauten hat Friedrich auch hier ein Problem. Die Vorbilder in Italien und England haben viel Platz, sind häufig freistehend. In Potsdam werden sie in die Straßenfluchten gepresst und zwischen anderen Häuser eingepasst.

Das Barberini wird mehrfach umgebaut, wechselt häufig den Besitzer und ist im Inneren alles andere als ein Palais. Zwischen 1880 und 1910 wohnen mehr als 240 Menschen dort. WC auf dem Hof. Ab 1919 ziehen die „Lichtspiele im Palast Barberini“ ein, nebenan im gleichen Haus gibt es „Potsdamer Stange“ in der „Bier Niederlage“. Nach dem 1. Weltkrieg wird das Haus an die Stadt verkauft und nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg 1948 abgerissen. Das Architekturbüro Hilmer&Sattler baute das Barberini wieder auf, 2017 wurde es eröffnet.

Neben dem Barberini steht das Noack’sche Haus, gebaut für den Noack’schen Gasthof. 1777 wurde es errichtet, es ist das letzte in der Regierungszeit Friederichs. 
Jetzt ist der Potsdamer Markt schon seit 40 Jahren eine Baustelle. Friedrich II. strebte nach Prestige und Verschönerung, aber die Realität war laut und staubig. Vielleicht verbrachte er auch deshalb so wenig Zeit im Stadtschloss und schickte dann später lediglich Voltaire hier ins Quartier.

Das Noack’sche Haus wird von Gontard geplant und ist ein Nachbau des Palazzos Chiericati, den Andrea Palladio in Vincenza plante. Doch während der Palast in Italien frei stehend Eindruck schindet, bleiben dem Noack’schen Haus nur 13 Meter Straßenfront. Vom Palast in Vincenza bleiben so nur noch einige Zitate übrig. Sechs dorische Säulen, die Balustrade und sechs Figuren darauf. Die Bildhauer Kaplunger, Wohler und Eckstein sparen wohl auf königliches Geheiß hin mit dem Stein. Statt großer Bewegungen, statt Stand und Spiel der Renaissance, bleibt die Haltung der Skulpturen geschlossen, um sie aus kleineren preiswerten Blöcken schlagen zu können. Apollon, Musagetes, Klio und Venus stehen nebst Artemis und Mars dort oben. Auch das Noack’sche Haus ist, wie seine Nebenhäuser, ein Mietshaus.
Am Ende des Krieges wurde es zerstört, später stand hier das Potsdamer Theater als Kiste aus Blech. 

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Das dritte im Bunde ist der von Sanmicheli in Verona erbaute Palazzo Pompei. Das Haus von Johann Friedrich Schmidt für seinen Gasthof „Zum Roten Adler“. Es wurde schon 1754 nach den Plänen von Carl Ludwig Hildebrandt im Blick einer der Durchfahrten des Stadtschlosses errichtet. Auch dieses Gebäude ist neu und wie bei den Schwestern ist nur die Fassade die Rekonstruktion der alten. Lediglich drei der sieben Maskarone (Köpfe) an der Fassade haben vergraben in einem Garten den Krieg überstanden, sie sind etwas grauer in ihrem Alter als die Neuen anderen. 

Der Palast ist zwei Meter kürzer als das Original und in seiner Eigenart typisch preußisch. Zu den Besonderheiten gehören der Kopf über der Toreinfahrt und die Vasen auf der Attika, die von Anfang an dort standen. Mit ein paar kleinen Veränderungen verlassen die Potsdamer Bauten den strengen Palladianischen Stil und schielen zum Barock oder Rokoko. Von der Vertikalen zur Betonung der Mitte.

Der intellektuelle Austausch der internationalen Gesprächsrunden unter Vorsitz Friedrichs II. hat zum Ergebnis, dass auf und um den Alten Markt in Potsdam einst mehr als 20 Kopien britischer und italienischer Palastfassaden entstanden. 
In Gedanken parlieren wir mit dem Grafen und dem König und sehen doch nur einen riesigen Bauzaun. Baustelle mal wieder, der Geschichte des Platzes entsprechend. Dort wo einst das historische Stadtquartier und später die Fachhochschule Potsdam stand, wird das einstige Viertel nachgebaut. Zumindest einige der äußeren Fassaden. 

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Kommentar am Bauzaun des neuen Stadtquartiers, auf dem früher die Fachhochschule stand. Gegenüber das Stadtschloss.

Am Alten Markt 17 wird als Pseudo-Palladio wiedererstehen, ebenso der „Plögersche Gasthof“ in der Schloßstraße 7, Eckhaus zur ehemaligen Hohewegstraße heute Friedrich-Ebert. Das Vorbild des Plögerschen Gasthofs, des späteren „Gasthof zum Prinzen von Preußen“ und dann der Kommandantur war der Palazzo Valmarana, ebenfalls von Palladio in Vincenza gebaut. An der Ecke zur Hohewegstraße stand in seiner Fassade die Skulptur eines römischen Legionärs. 

Wir gehen noch ein paar Schritte weiter und stellen uns vor, wie Potsdam aussehen würde, hätten Friedrich und Algarotti unter dem Einfluß Lord Burlingtons nicht London und Italien sondern, sagen wir, Istanbul oder Thessalien nachgebaut.

Der Neue Markt

Am Neuen Markt 5 sehen wir, das es auch anders geht. Hier, abseits der touristischen Hauptpfade, steht eine zeitgenössische Adaption der ehemaligen palladianischen Fassade. Der Ursprungsbau wurde 1755 unter der Leitung von Johann Gottfried Büring nach Stichen des Palazzo Thienes errichtet. Statt der ursprünglich elf Achsen wählte Büring nur fünf und zog zudem zwischen Erd- und 1. Obergeschoss und unterhalb des Festonfrieses das Mezzaningeschosse ein. 1945 zerstört, wurde 1999/2000 an der Stelle ein zitierender Neubau nach Entwurf von Nicola Fortmann-Drühe erbaut. 

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Die Breite Straße in Potsdam

Wir biegen ab zur Breiten Straße und stehen vor den Häusern, die Friedrich II. selbst entworfen hat. Schloßstraße 13 und Breite Straße 14 sind die allerersten Bauten der Friedrich’schen palladianischen Stadterneuerung. Eigenhändig hat er sie nach Plänen von Lord Burlington, der die Vorlagen William Halfpennys nutzte, skizziert. Wir betrachten den schnörkellosen, klassischen Stil. Schade, dass sie so unbeachtet im tosenden Verkehr stehen. Einst waren die Gebäude der Abschluss des höfischen Lustgartens, die letzten Bauten der Blickachse. 

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Zum Schluß unseres palladianischen Weges steigert sich die Betrachtung zum visuellen Höhepunkt. An der Breiten Straße 8 – 12 stehen die Hiller-Brandtsche Häuser und ihre auffälligen Fassaden leuchten in rot-gelb. 1769 erbaut, sind sie nach ihren Nutzern, dem Kaufmann Johann Friedrich Hiller und dem Schneidermeister Johann Gebhardt Brandt benannt. Der Entwurf stammt von Inigo Jones. Engländer, genial, einfallsreich, ein versierter Palladio Kenner, Vorbild für Lord Burlington und Architekt des britischen Königs. Er plante den Londoner Palast Whitehall und ließ mit dem Bau einer riesigen Anlage beginnen. Dann wurde sein König in London hingerichtet und der Palast niemals fertig. Georg Christian Unger aus Potsdam schnitt sich gedanklich ein Teil der Fassade des Palastes heraus und baute es an die Breite Straße. Prominent gegenüber der Garnisonkirche und dem Großen Militärwaisenhaus. In den viergeschossigen Häuserteilen wohnten jeweils die Besitzer, der dreigeschossige Mittelbau war für die einzuquartierenden Soldaten bestimmt. Architekt Unger bekam anschließend den Auftrag für 300 weitere Häuser, seine Vorzeigestück hatte Eindruck gemacht. Eines der drei Hauptgebäude aus denen der Komplex besteht wurde 2020 mit 11 Wohnungen für 3,6 Millionen zum Verkauf angeboten. Immer noch preiswerter als eine Villa in Berlin-Dahlem. 

Nach so viel Architektur sind wir erschöpft. Dabei haben wir gar nicht alle palladianischen Fassaden gesehen und standen nicht vor allen einst mit Bauten gefüllten und jetzt leeren Ecken.

Wer wandern mag, mache sich auf zum Prachtbau, dem Neuen Palais im Park.

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Das Neue Palais in Potsdam

Das große Vorbild für Friedrichs II. Fanfanorade, wie er selbst diese Prahlerei nannte, ist das englische Castle Howard, dass Friedrich ebenfalls aus dem „Vitruvius Britannicus“ von Colen Campbell kannte.

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Adolf Menzel, Tafelrunde in Sanssouci. Voltaire und Algarotti sind die Köpfe vorstreckend im Gespräch. Der König sitzt in der Mitte. (wiki)

Friedrich II., Graf Algarotti und Voltaire nehmen die Kutsche nach Sanssouci. Wir gehen noch ein paar Schritte und holen uns in der Brandenburger Straße, der langen Fußgängerzone, ein Eis von der Eismanufaktur Potsdam. Lecker. Wie in Italien.

Das waren die Reisefrequenzen. Heute auf einem Architekturspaziergang über den Alten Markt in Potsdam und bis zur Breiten Straße. Italien und England sind hier ganz nah.

Mein Dank gilt den regenresistenten Gasthörer der Freien Universität Berlin und meiner Stadterforschungsbegleiterin Bettina.

Tipps:
Wo: Potsdam. Der Alte Markt und Umgebung.
Was: Ein Architekturspaziergang.
Inspiration: Mielke, Friedrich. Palladio und Potsdam. In: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands. Band 18 1969.
Wegner, Reinhard. Nach Albions Stränden: Die Bedeutung Englands für die Architektur des Klassizismus und der Romantik in Preussen. 1994
Manger, Heinrich Ludewig. Baugeschichte von Potsdam, besonders unter der Regierung König Friedrichs des Zweiten.
https://storyofpotsdam.wordpress.com mit vielen guten Hinweisen
Food: Eismanufaktur-Potsdam, Brandenburger Straße 67

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