Perranporth – St. Agnes. Wandern auf dem South West Coast Path in Cornwall. Bergbau, Zinn, Drehort und Meer.

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Perranporth - St. Agnes. Wandern auf dem South West Coast Path in Cornwall. Bergbau, Zinn, Drehort und Meer.
Perranporth - St. Agnes. Wandern auf dem South West Coast Path in Cornwall. Bergbau, Zinn, Drehort und Meer.
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Hallo! Hier sind die Reisefrequenzen auf dem Wanderpfad an Cornwalls Küste. Unser Weg beginnt in Perranporth und führt nach St. Agnes. Wir wandern auf dem South West Coast Path und folgen der Nordküste.

Perranporth - St. Agnes. Wandern auf dem South West Coast Path in Cornwall. Bergbau, Zinn, Drehort und Meer.

Heute ist es nur ein kurzer Abschnitt für unsere Wanderschuhe. 7 Kilometer und 7 zusätzliche für den Abstecher zur Mine bei Wheal Coates und zurück nach St. Agnes. Der Ozean liegt auf der rechten Seite. Wir folgen den bunten Gesteinen, den Mineralien und baulichen Relikten der cornischen Bergbaugeschichte. Die Wanderung ist keine Herausforderung. Einfach der Küste folgen, zweimal bergauf und wieder bergab, meist ist der Pfad flach. Eine Wanderung in sechs Stationen.

Perranporth - St. Agnes. Wandern auf dem South West Coast Path in Cornwall. Bergbau, Zinn, Drehort und Meer.

1. Perranporth

Perranporth ist ein Ort für die Sommerfrische. Bei Ebbe streckt sich der feine Sandstrand mehr als 3 Kilometer in die Länge. Ein typischer britischer Holiday Park liegt in der weiten Dünenlandschaft, eine Jugendherberge, Läden und Imbissstände halten sich für Familiensommertagsbesuche bereit. Am Strand ist das Watering Hole eine der bekanntesten Strandbars in Cornwall, der letzte Sturm hat den Bau in Teilen übel mitgekommen. Für das Musikfestival Tunes in the Dunes im Sommer ist es bestimmt wieder hergestellt. 
Einst soll hier der Heilige Piran, der Nationalheilige Cornwalls aus Irland kommend die britische Insel erreicht haben. Der Hafen von Piran gibt Perranporth seinen Namen. Piran, der Heilige aller Bergleute, bracht seine Standarte ins westliche Land. Ein weißes Kreuz auf schwarzem Grund ist bis heute die Fahne des Landes.

Wir gehen eine sanfte Steigung hinauf, der Blick zurück verliert sich im Blau und im Sand. Vorbei an der Jugendherberge ist Droskyn Castle das letzte Haus vor der offenen Landschaft. Der Pfad macht eine Biegung und wir sind plötzlich weit weg von jedem Trubel. Die ersten Spuren aufgewühlter Erde erzählen vom jahrhundertelangen Bergbau. Manchmal hat diese Gegend etwas fast Apokalyptisches. Der Abbau von Erzen und der Schmuggel von Diebesgur waren auch an dieser Küste lange Zeit die Chancen zum Überleben. 

2. Cligga Head

Abgeschlagenen Felsen, sich aufbäumende Abraumhalden, Geröll in allen Farben. Im verlassenen Steinbruch von Cligga sammele ich bunte Gesteine und halte Cornwall und ein Teil seiner Geschichte in meiner Hand. Die Steilküste Cligga Head ist unglaubich farbig, jeder Laie wie ich sieht hier die Strahlkraft der Minerale. Rot sind die Klippen und grünlich die Kanten dazwischen. 

Am Rande des South West Coast Path verschwinden die Reste der ehemaligen Industriegebäude. Tiefe Krater, einst die Eingänge zu Schächten, sind mit Absperrgittern vor Unheil gesichert.  Hier hat die Nobel Explosive Company reiche Wolframadern aus dem Berg gesprengt, um das Material für den Bau panzerbrechende Projektile zu verkaufen. 1945 wurde die Mine geschlossen, zweimal kurz wiederbelebt, heute liegt sie verlassen und überwachsen. 
Am Fuße der Klippen schlägt das Meer in die Hanover Bucht, in der ein Schiff namens Hanover aus Lissabon kommend 1763 kenterte. Nur drei der 67 Menschen an Bord überlebten. Doch das Gold und die Schätze an Bord verschwanden gerettet an Land.

Heute ist das Meer von unglaublich intensiver Farbe, perfekt zum Wandern zwischen Perranporth und St. Agnes. 

3. Perranporth Airfield

Landeinwärts liegt das Perranporth Airfield. Die alten Flugzeughangars für die Spitfires, die ab 1941 hier starteten, sind noch zu sehen.
Wir entdecken am Rande des South West Coast Path ein rundes Fundament, ich vermute es ist der ehemalige Standplatz einer Flugabwehrrakete. Die deutschen Luftangriffe zerstörten Ziele bis nach St. Ives. 
Ein Wanderer kommt uns entgegen, verharrt, grüßt und fragt rhetorisch, ob wir wüssten was dieses Betonfundament sei. Mir schiesst durch den Kopf, dass der englische Wanderer an meinem Akzent unsere Herkunft aus Deutschland hören wird. Er bleibt gesprächig und erklärend, Diese Einrichtungen seien Stellungen gegen den Feind gewesen. Dann fragt er, woher wir kämen. Aus dem Land der Feinde, antworte ich abwartend. Da dreht er sich um, lacht und stellt fest, so könnten wir jetzt entspannt weiterplaudern. Die Begegnung bleibt mir lang im Gedächtnis. 

4. Trevellas Cove und Blue Hill Tin Mine

St. Agnes in Sicht. Wir steigen den Hang hinunter in die Trevellas Cove, eine kleine kieselige Bucht. Die gesamte Senke ist von Bergleuten umgepflügt und längst mit violett blühender Heide überwachsen. Seit Jahrtausenden wurde hier im Tal eines Baches Zinn abgebaut. Ein weing landeinwärts liegen die Gebäude der Blue Hills Zinn Mine. Es geht ziemlich steil auf und ab, hinter den Gebäuden der Mine türmt sich die glänzende Abraumhalde. Sie ist typisches Stück Cornwall und die letzte ihrer Art. Hier wird noch immer Zinn aus dem Gestein gewaschen, geschmolzen und in handliche Formen gegossen. 

Der Abbau von Zinn ist seit der Vorgeschichte ein Teil cornischen Lebens. Schon damals kamen die Händler aus den Ländern am Mittelmeer zu den legendären Zinninseln, die sie die Cassiteriden nannten. Zinn war einer der begehrtesten seltenen Rohstoffe. Doch Ende des 19. Jahrhunderts war Schluss. Erst seit fast 50 Jahren wird die Blue Hill Tin Mine wieder im Jericho Tal bei St. Agnes betrieben. Die Familie Wills nutzt für ihre Arbeit die alten Methoden. Dazu braucht es eine Erlaubnis des Landbesitzers, des Herzogs von Cornwall Prince Charles. Mit alten Werkzeugen und Verfahren wird das Erz verarbeitet. So entstehen Anhänger, Kerzenhalter, Serviettenringe, Finger- und Ohrringe und andere matt glänzende Erinnerungsstücke. Jedes fertige Produkt erhält ein Zertifikat. Denn Zinn aus Cornwall darf nur mit Zustimmung der Krone genutzt werden. Ich kaufe ein keltisches Kreuz als Geschenk. Leider ist sie 2022 für Besucher geschlossen.
Wir passieren den Strand von St. Agnes und wollen noch ein Stück weiter des Wegs bis zum Wheal Coates.

Perranporth - St. Agnes. Wandern auf dem South West Coast Path in Cornwall. Bergbau, Zinn, Drehort und Meer.

Auf dem Hügel vor uns ragen die Schornsteine der Dampfmaschinenhäuser aus dem Meer von Ginster und Heide. 

5. Wheal Coates

Unten rauscht der Atlantik über der steilen Böschung der westlich liegenden Bucht von Chapel Porth. An die schräge Kante des Geländes krallt sich das Dampfmaschinenhaus Towanroath und gibt uns ein markantes Fotomotiv von Wheal Coates.

Perranporth - St. Agnes. Wandern auf dem South West Coast Path in Cornwall. Bergbau, Zinn, Drehort und Meer.

Wheal ist ein cornisches Wort und meint einen Arbeitsplatz, meist eine Bergbaumine. Dort wo Anfang des 19. Jahrhunderts die Mine Wheal Coates entstand, wurde spätestens seit dem 11. Jahrhundert Zinn gewonnen. Die heute noch stehenden Mauern der alten Infrastruktur wurden in den 1870er Jahren installiert und sind eine interessante Mischung zwischen Lost Place und Industriekultur. Bis zu 140 Bergleute bauten hier Erz ab, die Stollen stemmten sie bis unters Meer. Ich versuche mir die Szene vorzustellen, bin aber von zu vielen filmischen Darstellungen verdorben. Hart war die Arbeit und schlecht bezahlt. Die Bergleute errichteten einen Kalzinierofen um vornehmlich Arsen und Schwefel zu entfernen und schließlich das eindrückliche Dampfmaschinenhaus. Dramatisch steht es aus roh behauenen Steinen mit seinem Ziegelschornstein wie ein Skelett über dem Ozean. 


Seit 1986 wird Wheal Coates vom National Trust gesichert und gehört als pittoreske Erinnerung zum Cornish Mining Welterbe der UNESCO. Bei diesem grandiosen Wetter ist es Kulisse pur. Das hat auch die Filmindustrie erkannt und Wheal Coates als Hintergrund in den Verfilmungen Rosamunde Pilchers und Poldark verwandt. Aiden Turner als Ross Poldark ritt hier rasant über Feld und Heide zum Meer.

6. St. Agnes

Wir wandern fünf Kilometer zurück nach St. Agnes und nutzen dazu eine Abkürzung querfeldein.

St. Agnes mit seinen Häusern aus Granit und Schieferplatten ist ein charmanter Ort. Läden und Cafés sind uns eine willkommene Pause. Unser Lieblingsplatz ist das Café Q. Die Dorfstraße schiebt sich als Town Hill den Berg hinauf, überragt vom steinernen spitzen Helm der Kirche. Inmitten des Ortes, an einem engen Platz, ist die Bushaltestelle, an dem wir auf den Doppeldecker Linienbus warten.

Das waren die Reisefrequenzen. Heute unterwegs auf dem South West Coast Path zwischen Perranporth, der Blue Hill Tin Mine, dem Wheal Coates und St. Agnes in Cornwall. Grandiose Küste, Bergbaugeschichte und eine Filmlocation zu Poldark.

Tipps für die Wanderung auf dem South West Coast Path von Perranporth über St. Agnes zum Wheal Coates an der Nordküste von Cornwall
Was: Wanderung. Wanderschuhe, Regen-, Sonnen- und Windschutz. Trinkwasser mitnehmen. Der Weg ist sieben plus sieben Kilometer lang und nicht zu verfehlen.
Wo: Perranporth – St. Agnes – Wheal Coates an der Küste Cornwalls.
Food: Watering Hole in Perranporth. Café Q in St. Agnes. Und viele weitere Möglichkeiten.
♥️ Unser Lieblingsplatz: Die Szenerie beim Wheal Coates.

2 Gedanken zu „Perranporth – St. Agnes. Wandern auf dem South West Coast Path in Cornwall. Bergbau, Zinn, Drehort und Meer.“

  1. Vielen Dank für den schönen Bericht über die Küstenwanderung, liebe Marike! Da war ich auch schon mal unterwegs – vor einer halben Ewigkeit. Jetzt kommt Sehnsucht nach Cornwall auf, aber ich werde mich wohl noch ein bisschen gedulden müssen, bis ich wieder auf Ross Poldarks Spuren unterwegs sein kann …
    Liebe Grüße
    Elke

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    • Lieben Dank, Elke! Wir sollten einfach mal zusammen die Wanderschuhe schnüren. Ich nehme das Fernglas mit, falls Ross Poldark in der Ferne zu sehen ist 😉

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