Kloster Mariental. Eine romanische Oase und ein Tipp für eine Pause an der A2.

Hallo! Hier sind die Reisefrequenzen. Heute mit einem Besuch des romanischen Klosters Mariental bei Helmstedt und der Empfehlung für eine Pause vom Verkehr und der Eintönigkeit auf der Autobahn A2. An der Grenze zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.

Es sind nur 3 Fahrminuten von der Abfahrt 61, Helmstedt-West, bis zum Eingang des Klosters. Von der gesichtslosen, zehrenden, grauen A 2 in eine fast stille, jahrhunderte alte Oase. Es sind ein paar Meter zwischen zwei Welten.  
Am Rande des Lappwalds liegt in einer kleinen Senke die Gemeinde Mariental bei Grasleben. Noch vor dem Ort zwischen nur wenigen Häusern steht die Klosterkirche eingerahmt von alten Bäumen und dem Teich der Roten Riede. Einst schwamm hier der Fischvorrat der Klosterbrüder, jetzt hängen die Weiden tief ins Wasser und zeigen ihr erstes frisches Grün. Kinder spielen auf der Straße. Alles andere ist still. Kein anderer Besucher außer uns. Die großen Gebäude stehen schweigend.

Kloster Mariental. Eine romanische Oase und ein Tipp für eine Pause an der A2.

Blausterne und Scharbockskraut wachsen auf der Wiese. Die Seitentüre der Kirche ist verschlossen, ein Schild weist uns zum Haupteingang. 
Ich bin erstaunt. Ganz langsam öffne ich die schwere Türe und blicke in das weite, kühle Kirchenschiff. 
Das ist die zweite Überraschung nach der stillen Erhabenheit. Alles ist offen, alles Eintritt frei, zahlreiche einladende Hinweise zeigen den Weg. Kirche, ehemaliger Kreuzgang mit Nebengebäuden, ein kleines Museum. Ein unaufgeregtes Willkommen.
Innen wird mein Blick durch die Folge romanischer Bögen zum Chor und dem gotischen Maßwerk des Fensters im Osten gesogen. Bauherren waren die Zisterzienser und entsprechend ihrer Regeln ist die Ausstattung schlicht. Die farbliche Fassung ist neogotisch und die Proportionen der dreischiffigen Kirche durch einen Einbau linkerhand leicht unterbrochen Kloster Mariental ist nicht die höchste Blüte romanischer Baukunst. Es ist ein Ort der andächtigen Gelassenheit. 

Kloster Mariental. Eine romanische Oase und ein Tipp für eine Pause an der A2.

Geschichte und Bau des Klosters Mariental bei Helmstedt

1136 wurde das Kloster Mariental vom sächsischen Pfalzgraf Friedrich II. von Sommerschenburg als Zisterzienserkloster gestiftet. Vierzig Jahre nach Gründung des Ordens in Frankreich. Zwei Jahre später war Baubeginn, vermuten Historiker.
Friedrich aus dem Hause Sommerschenburg südöstlich von Helmstedt war ein Konkurrent der Salier, der wichtigste sächsische Pfalzgraf und unter dem Süpplingburger Lothar III. sowie dem Welfen Heinrich der Löwe einer der „Getreuen des Kaiserhofs“. Dieser im Mächtespiel bedeutende und selbstbewusste Mann ließ Münzen mit seinem Konterfeit prägen und das Kloster Mariental als seine Grablege mit Aufwand gestalten. 1162 stirbt er und wird wie geplant im Chor bestattet. Sein Grab und Grabstein sind nicht mehr erhalten. Heinrich Meibom d.Ä., im 16. Jahrhundert Professor für Dichtkunst und Geschichte an der Uni Helmstedt, berichtet von einem eingemeißelten bartlosen Porträt und einer Darstellung in ritterlicher Rüstung. Die Inschrift rühmte ihn als klug, hochherzig und treu.
Spätestens um 1200 ist der Bau des Klosters abgeschlossen. Die Sommerschenburger haben das nicht mehr erlebt. Das Geschlecht ist ausgestorben, der ehemalige Besitz gehört den Welfen. Niemals wird Mariental die Grablege einer Dynastie sächsischer Pfalzgrafen. 
Doch die gemäß den Bauvorschriften der Zisterzienser schmucklose, aus verwitterungsbeständigem Räth-Sandstein errichtete, Pfeilerbasilika steht bis heute. Sie zeigt weitere Zeichen der Zisterzienser.  Ein flach gedeckte Kirchenschiff, ein gerader Chorabschluß und das Fehlen hoher Kirchtürme. 


Der erste Abt, Bodo, wird vom  dem Kloster Amelungsborn mit zwölf Mönchen aus Altenberg bei Köln entsandt. Um 1300 erwirtschaftet das Kloster Mariental seine Blütezeit. In einem der Klosterräume ist eine Landkarte ausgestellt, die den großen Besitz erahnen lässt. Fischteiche, Mühlen, Steinbrüche, Weinberge und Ländereien bilden das Wirtschaftsimperium.
1569 ist alles vorbei. Mit der Reformation endet die Geschichte der Zisterzienser in Mariental. Das Kloster wird evangelisch. Erst Klosterschule, schließlich und bis heute landwirtschaftliche Domäne. Die Anlage und die Liegenschaften gehören dem Braunschweigischen Vereinigten Kloster- und Studienfonds und werden im Pachtbetrieb bewirtschaftet. Die Klausurgebäude sind vermietet, ein Teil de Wirtschaftsgebäude steht leer. 
Wir betrachten die Muster an der Kassettendecke der Marientaler Klosterkirche bevor wir durch eine doppelte Tür hinaus in den ehemaligen Kreuzgang treten. Die Sonne scheint und wärmt die Steine. Der Kreuzgang wurde 1835 abgetragen und auf seinen Grundmauern die Gebäude des 19. Jahrhunderts errichtet. Die Stille des Kreuzhofes ist erhalten und im östlichen Kreuzgangflügel fallen uns romanischen Rundbögen und frühgotische Konsolsteine mit überraschendem Schmuck auf. 
Im Osten nahe des Kirchenschiffs schließt sich der ehemaligen Kapitelsaal an. Heute wird er als Winterkirche genutzt doch ich zittere bei dem Gedanken vor Kälte.

Es schließt sich die Grabkapelle der von Bartensleben an. Das Adelsgeschlecht ließ einst die Wolfsburg errichten. Ein tonnengewölbter Raum fordert unsere Aufmerksamkeit. In die Steine der Wänden sind Buchstaben und Zahlen tief eingeritzt. Graffiti aus der Zeit zwischen 1340 und 1901. 58 Inschriften sind überliefert, 36 im Original erhalten. Wahrscheinlich haben die Mönche in diesem ehemaligen Arbeits- und Aufenthaltsraum ihre Namen und das Datum ihres Klostereintritts für die Nachwelt tief in das Baumaterial eingemeißelt. 
Wir gehen an den Gebäuden des 19. Jahrhunderts entlang bis zum westlich gelegenen Laienrefektorium. Ein Raum in vollkommener Proportion, getragen von sechs mächtigen Säulen deren Kapitelle in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts sorgsam mit Blattornamenten geschmückt worden sind. Für mich ist es der schönste Raum in Mariental. 

In der Grabkapelle der Familie von Alvensleben, die mit ihren großen gotischen Fenstern westlich aus dem ehemaligen Kreuzgang herausragt, wurde 2009 das Lapidarium eröffnet. Vom 13. bis zum 16. Jahrhundert war die Kapelle eine Grablege. Anschließend Pferdestall und Brennerei. Jetzt hat der Raum seine Würde zurück und wird als Ausstellungsort genutzt. Die Porträts aller Äbte des Klosters bis zur Reformation sind auf Schautafeln aufgereiht. Gesicherte Werksteine aus Romanik und Gotik sind sehr ansprechend präsentiert und ihre Symbolik ausführlich erläutert. Akanthusblätter zur Abwehr des Bösen und die Lilie als Zeichen der Reinheit und Unschuld gehen mit uns metaphorisch den Weg.
Nocheinmal schauen wir in die Kirche.

Kloster Mariental. Eine romanische Oase und ein Tipp für eine Pause an der A2.

Währen wir zu Fuß unterwegs, könnten wir uns den Pilgerstempel prägen. So schlendern wir ohne ihn auf den Friedhof, den heutigen. Eine abgebrochene Rosenblüte liegt vor der Einganspforte, ich nehme sie mit, als ein Zeichen. 
Auf dem Friedhof stehen Bänke unter Bäumen vor großen ungenutzten Flächen. Ein Pausenort. 
Dann geht der Weg zurück, in drei Minuten, in die Welt der A2 zwischen Hannover und Berlin. 

Das waren die Reisefrequenzen. Heute mit einem Stop im romanischen Kloster Mariental bei Helmstedt in Niedersachsen.

Unsere Tipps für die Besichtigung und die Öffnungszeiten des Klosters Mariental bei Helmstedt
Wo: Kloster Mariental bei Helmstedt. Kirchstraße, 38368 Mariental
Was: Besichtigung. Eine Pause von der A2.
Info: Öffnungszeiten von 9 – 19 Uhr, im Winter bis zum Einbruch der Dunkelheit.
Es gibt keine Einkehrmöglichkeit. In Mariental, Siedlung, bietet das Hotel Alte Wache ein Restaurant.  
WC in der Klosteranlage. 
Ein weitere Tipp: Nicht weit entfernt, auf der anderen Seite der Autobahn, steht als Pendant das Kloster Marienberg, ebenfalls aus dem 12. Jahrhudnert und es lohnt ein Besuch. Neugegründeter Konvent und Paramentenwerkstatt. 
♥️ Unser Lieblingsort: Das Laienrefektorium

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