Hallo auf den Reisefrequenzen! Heute berichten wir mit Ideen und Tipps über eine Urlaubsperle im Ärmelkanal. Die Kanalinseln Jersey liegt wie ein grünschillernder Diamant umgeben von felsigen Riffen in der Bucht von St. Malo vor der französischen Küste. Sie ist ein kleiner selbstverwalteter Staat, Kronbesitzung des britischen Monarchen und blühendes Paradies für Foodies, Küstenanbeter, Blumenfreunde und Geldanleger.
- 1. Allgemeine Infos – Die ID der Kanalinseln
- 2. Streifzug durch die Hauptstadt von Jersey – Sehenswürdigkeiten in St. Helier
Tipps für die schönsten Souvenirs aus Jersey
Der Jersey Linienbus Guide - 2.3. Das Elizabeth Castle vor der Küste von Jersey
- 3. Eine Runde Urlaub – Rundtour entlang der Küste zu malerischen Orten, feinen Sandstränden und interessanten Stopps auf Jersey
- 3.2. Von St. Aubin vorbei am Noirmont Point, über Portelet und St. Brelade zum Leuchtturm La Corbière
- 3.3. Von La Cobière entlang der St. Ouen’s Bay an die Nordküste zu den Ruinen des Grosnez Castle
- 3.4. Die Nordküste von Jersey für Romantiker
- 3.5. Von Gorey zum Seymour Slip, nach Samarès und zurück nach St. Helier
- 4. Tipps für das Inland von Jersey
1. Die ID der Kanalinseln – Allgemeine Infos
Seit der letzten Eiszeit sind ihre malerischen Küstenorten und hellen Sandstränden vom Festland getrennt. Jeden Tag erleben Jersey, Guernsey, Sark und ihre Inselschwestern das grandiose Schauspiel eines spektakulären Tidehubs, der mit bis zu 14 Metern zu den höchsten aller Weltmeere zählt.

Britische Lebensart und französisches Essen, unglaublich freundliche Menschen und die skurril anmutende gewinnbringende Eigenstaatlichkeit gehören zu den Attraktionen des Archipels im atlantischen Ozean.
Jersey ist die größte der fünf Hauptinseln und berühmt für eine besondere Rinderrasse, für gute mit Seetang gedüngte Kartoffeln und einen ursprünglich aus Wolle gestrickten Trikotstoff. Etwa 100.000 Einwohner, 15 km lang und 8 km breit, gehört die Insel König Charles III. der hier als Duke of Normandy angesprochen wird. Zur französischen Küste beträgt die kürzeste Entfernung 24 km, 160 km sind es nach England.
Für die Einreise benötigen EU-Bürger einen Reisepass. Jersey und Guernsey haben eigene Banknoten und eigene Briefmarken. Das britische Pfund ist 1:1 kompatibel und wird überall akzeptiert. Kartenzahlung ist üblich. Auch hinsichtlich der mobilen Daten gehören die Kanalinseln nicht zur EU.
Unter der Sonne färbt sich das Wasser in den Buchten karibisch, in üppigen Gärten wachsen subtropische Pflanzen und uralte Dolmengräber erzählen von früher Besiedlung. Zahlreiche Restaurants und Bistros bieten in entspannter Atmosphäre mit Meerblick frisches Seafood, Austern und Muscheln an.
2. Ein Streifzug durch die Hauptstadt von Jersey – Sehenswürdigkeiten in St. Helier
St. Helier ist die lebendige, britisch geprägte Hauptstadt der Insel Jersey. Kleine familiengeführte Geschäfte, alteingesessenen Kaufhäuser und zahlreiche charmante und meist gut besuchte Cafés, Pubs und Restaurants laden zum Bummel durch die blumengeschmückte Fußgängerzone ein. Der Mittelpunkt der innerstädtischen Flanier- und Einkaufsmeile ist der Straßenzug von King Street und Queen Street. Die alten französischen Straßennamen sind kleingedruckt unter den englischen platziert und die Gebäude der Altstadt hübsch renoviert.
Auf dem Royal Square steht der britische König Georg II. als vergoldeter Römer. Seinen Kopf ziert eine dünn-stachelige Krone zur Abwehr der Tauben.



Am Rande des Platzes erinnert eine Plakette an Robert Wace, der im 12. Jahrhundert dem legendären König Arthur zu literarischer Fassung und einem runden Tisch verhalf.
Seinen Namen verdankt der Royal Square allerdings Charles II., der hier 1649 zum König von England deklariert wurde. Wenige Wochen später erklärten das House of Commons und Oliver Cromwell England zur Republik und Charles musste von Jersey nach Frankreich fliehen. Aus Dankbarkeit für Schutz und Schleuserhilfe vermachte er seinem politischen Beamten, Verwalter und Freund Sir Georg Carteret 1664 ein amerikanisches Territorium. Carteret nannte es nach seiner Heimat New Jersey.
Einige Schritte weiter steht in der Broad Street 15 das historische Post Office. Hier werden Jerseys eigene Briefmarken verkauft, Geld gewechselt und philatelistische Souvenirs angeboten.
Dort wo am Charing Cross einst das Gefängnis lag hockt auf einer Säule die Figur der Kröte. Nur auf Jersey hat die Kröte den eiszeitlichen Abschied vom Festland überlebt, auf den anderen Kanalinseln kommt sie nicht vor. Die inzwischen stark gefährdete Unke wird in der lokalen Sprache des Jèrriais „crapaud“ oder auf englisch „toad“ genannt, so wie ironisch süffisant auch die Inselbewohner.
Auf einer kleinen Anhöhe hinter dem Royal Square steht die trutzige Gemeindekirche Town Church St. Helier. Im Inneren der gotischen Kirche herrscht eine gemütliche Atmosphäre. Es gibt Tee gegen Spende, freies WLAN und eine Kinderspielecke.
Die Geschichte um den Namensgeber St. Helier ist dagegen erschreckend brutal. Der spätere Stadtpatron kam einst als Mönch aus Belgien und lebte sein eremitisches Leben auf einem Felsen vor der Küste von Jersey. Dort wurde er im 6. Jahrhundert von paganen Sachsen erschlagen. Die Tatwaffe ist als doppelte Axt bis heute im Schild des Stadtwappens von St. Helier zu sehen.
Nach einem Vorbild im englischen Bath wurde 1881 die schmucke viktorianische Markthalle, Halkett Place, erbaut. In der Mitte tragend halbnackte Putten einen bunten Brunnen aus dessen Becken alljährlich Münzen im Wert von 5 000 £ gefischt werden. Außer Obst und Gemüse gibt es leckeres Brot, Fudge, Schokolade und Souvenirs. Jeden Morgen außer am Sonntag beginnt um 7.30 Uhr der Handel.
Schräg gegenüber bieten die beiden im alten Fischmarkt, Beresford Street, verbliebenen Fischhändler eine große Auswahl aus hohlen Augen blickenden Meeresgetiers an. Muscheln, Hummer, Austern und super frische Fische. Für Liebhaber von Seafood ist das Bistro Rosa im Fish Market, Beresford Street, auf jeden Fall eine Empfehlung.
Tipps für die schönsten Souvenirs aus Jersey
Überall auf der Insel werden die aus der reichhaltigen Milch der Jersey Rinder hergestellten Sahnebonbons, Fudge, angeboten.
Auch Schokoladenkreationen kleiner Manufakturen wie Ganache Chocolate oder Chocadyllic sind eine Verführung des Gaumens.
Black Butter ist ein Gläsern verkaufter tiefdunkler Aufstrich, der mit Butter gar nichts gemein hat. Melasse, Äpfel und Gewürze werden dazu langsam eingekocht.
Frische Tomaten und anderes Gemüse waren schon im 19. Jahrhundert ein begehrtes Exportgut aus Jersey und Guernsey. Obst, Gemüse und Pflanzen dürfen für den privaten Verbrauch in die EU importiert werden. Ausgerechnet für die berühmten Jersey Kartoffel gilt die Freizügigkeit nicht. Der Zoll ist angesichts einer Kartoffelkrankheit auch bei kleinsten Mengen strickt.
Jersey Skin produziert Seifen und hochwertige kosmetische Produkte aus lokalen Zutaten und verkauft sie in stylishen Packungen.
Verschiedene Juweliere bieten ihre Kreationen an. Perlen aus dem Pazifik und Silber aus altem Schmuck, die Bandbreite ist groß. Jersey Gem zaubert Flip-Flop-Anhänger aus der seltenen Seeohren-Muschel und Jersey Pearls bindet bunte Perlenarmbänder.
Noch mehr besondere Shopping-Schönheiten aus Jersey wie beispielsweise interessante Keramik findet Ihr hier.
Am Ende meiner Reise nahm ich meine zufällig in einem Bioladen entdeckten schottischen Lieblingskekse, sahnige Fudge, frische Erdbeeren, bunte Steine vom Strand und eine Muschelkette mit ins Gepäck.


Auf dem Weg Richtung Meer passiere ich den Busbahnhof von St. Helier.
Der Jersey Linienbus Guide
Jersey lässt sich bequem und einfach mit öffentlichen Bussen erkunden. Die Liberty Bus Station an der Esplanade von St. Helier ist ein perfekter Ausgangsort für Ausflüge mit dem Linienbus. Von hier aus fahren Busse sternförmig alle größeren Orte der Insel an. Der Busplan ist übersichtlich strukturiert, der Busbahnhof perfekt organisiert und die Busse fahren pünktlich. Das Tagesticket kann für 9 Pfund im Busbahnhof oder beim Fahrer erworben werden. Selbstverständlich grüßen alle beim Ein- oder Aussteigen, die Behindertenplätze werden für berechtigte frei gehalten und es herrscht auch in vollen, im Sommer überhitzten Bussen eine entspannte Stimmung. Selten habe ich auf Reisen so viele freundliche Menschen wie auf den Kanalinseln getroffen.
In wenigen Schritten erreiche ich den Liberation Square in der Nähe des Hafens. Hier erinnert seit 1995 ein Denkmal an die Befreiung Jerseys von deutschen Truppen. Vom 1. Juli 1940 bis zum Kriegsende 1945 waren die Kanalinseln von der Deutschen Wehrmacht besetzt, das Pomme d’Or Hotel am heutigen Liberation Square Hauptquartier der deutschen Kriegsmarine. Britische Streitkräfte hatten das Archipel entmilitarisiert, über 30.000 Einwohner evakuiert und kampflos geräumt. Die Wehrmacht befestigte alle Inseln massiv als Teil des gigantischen Atlantikwalls. Insbesondere ab 1944 war die Besatzung mit Hungersnöten verbunden, mehr als 2000 Menschen wurden in Lager im Raum Freiburg deportiert und die Organisation Todt baute Zwangsarbeiterlager für vornehmlich aus dem Osten Europas verschleppte Menschen die zum Bau der Befestigungsanlagen eingesetzt wurden.
Die Zeit der Besatzung hat sich tief ins kolletive Gedächtnis gebrannt und eine ausgeprägte Erinnerungskultur ist auch für Besucher von Jersey gut sichtbar.
Das Gebäude hinter dem Freiheitsdenkmal Monument to Freedom wurde 1871 als Bahnstation für die Züge nach St. Aubin und später weiter nach Le Corbière in Betrieb genommen. Die Strecke wurde 1936 stillgelegt und der Bahnhof ist nach langem Leerstand ein kleines Einkaufszentrum.
Die einstmals dampfbetriebene langsam rostende Schiffsuhr Ariadne Steam Clock auf der anderen Straßenseite erinnert an den ersten regelmäßigen Passagierverkehr mit Raddampfern, aufgenommen 1823. Dahinter liegen in den Hafenbecken unzählige teure Jachten und preiswerte Kähne.


Es scheint mehr Schiffe als Menschen zu geben. Verschiedene Häfen von französisch bis englisch bis zur Elizabeth Marina, eine Station der Seenotrettung RNLI mit einem authentisch deftigen Bistroangebot und der Fährhafen für Fähren nach England, St. Malo und zu den anderen Kanalinseln.


Ich streife auf den Moolen und entdecke ein Whisky- und Ginangebot nur für Männer, eine sehr empfehlenswerte Kunstgalerie am Old Harbour und den gepflegten Garten „Les jardins de la mer“ mit seinen Meerblickbänken neben Neubauten der Finanzinvestoren.



Der schlanke von vielen Orten aus gut sichtbare Turm an der Küste von St. Helier gehört zum 1966 gebauten La Collette Kraftwerk. Obgleich inzwischen 95% der Energie für die Insel aus Frankreich importiert werden generiert es Strom durch Müllverbrennung.
Als zweite auffallende Struktur liegt wie eine weiße Haube das moderne Dach von Fort Regent auf der Stadtsilhouette. Die Verteidigungsanlage des Forts stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert und ist heute ein großes Freizeitzentrum.
2.1. Das Elizabeth Castle
Vor der Küste liegt das wehrhafte Elizabeth Castle. Bei Ebbe ist es über einen schmalen Damm zu Fuß zu erreichen, bei Flut fährt ein Bilderbuchgefährt interessierte Besucher durchs Wasser zur Burg.


Nachdem im späten 16. Jahrhundert die Häfen von Jersey nicht mehr gegen zeitgenössische Waffen gewappnet waren schickte Königin Elisabeth I. ihren flämischen Militäringenieur nach St. Helier zum Ausbau der Festung. Der Pirat und Freibeuter Sir Walter Raleigh übernahm von 1600 bis 1603 den Verwaltungsposten in Jersey und benannte die Burg nach seiner Königin.
Ich fand den Weg hin und zurück spannender als den Besuch der mit 24 Pfund Eintritt recht teuren Gemäuer.
3. Eine Runde Urlaub – Rundtour entlang der Küste zu malerischen Orten, feinen Sandstränden und interessanten Stopps auf Jersey
3.1. Von St. Helier zum charmanten Küstenort St. Aubin mit drei Lieblingsstopps
Bei Ebbe sind lange Strandwanderungen entlang der Südküste ein wunderbarer Genuss, bei Flut bietet sich die Fahrt mit dem Liberty Bus an. Auf der knapp sechs Kilometer langen Strecke empfehle ich einen Abstecher zum Old Station Café mit leckerem thailändischem Essen, in den subtropisch bepflanzten Coronation Park und zur beeindruckenden vom französischen Jugendstilkünstler René Lalique gestalteten St. Matthew’s Church.




Für das Lebensgefühl auf Jersey scheint auch auf der vielbefahrenen vierspurig ausgebauten Küstenstraße viel Autoverkehr mit oft hochmotorisierten SUV’s unerlässlich zu sein. Dabei sind die Straßen im Inselinneren kurvig schmal und die Inseldimension insgesamt Luftlinie 8 x 14 km. Eine Entspannung bietet das Netz der 110 Kilometern Green Lanes mit der dort geltenden Vorfahrt für Fußgänger, Radler und Reiter. Die Geschwindigkeitsbegrenzung auf diesen mit einem grün-weißen Verkehrsschild markierten Straßen beträgt ca. 25 km/h.
Eine weiteres Kennzeichen der gehobenen Lebensart ist Grundbesitz direkt an der Küste. Die Eigentümer verhindern Wanderwege entlang der Klippen und zwingen Wanderer zu Wegen landeinwärts.
Daher hat sich der Wanderweg von St. Aubin nach Le Corbière auf der stillgelegten Eisenbahnstrecke für meinen Geschmack als ausgesprochen langweilig erwiesen.
St. Aubin ist wie ein hübsches Gemälde. In der Bucht wacht eine alte Burg vor der Küste, im Hafen liegen die Boote gerade auf dem Trockenen. In der Nachbarbucht ankert eine schicke Yacht, die Skipper kommen mit ihrem Dingi an Land um im Moody Duck zu abend zu speisen.



Mein Favorit ist das The Little Gem Café direkt an der Strandpromenade. Einmal auf und ab gehen, Essen mit Meerblick, Leute und Autos betrachten, St. Aubin.
3.2. Von St. Aubin vorbei am Noirmont Point, über Portelet und St. Brelade zum Leuchtturm La Corbière
Am Noirmont Point südlich von St. Aubin stehen die Bunker des Atlantikwalls auf der Steilküste. Die ehemalige Batterie Lothringen wird als Denkmal erhalten und gibt einen grauen Einblick in die Zeiten des 2. Weltkriegs. Richtung Westen führen steile Stufen zur malerischen Sandbucht von Portelet Bay. Knapp zwei Kilometer weiter ist der Badeort St. Brelade mit seinem bei Ebbe weit ausladenden Sandstrand an mediterranen Tagen ein Sommertraum. In der weiß gestrichenen Häuserzeile am Wasser laden Restaurants und Bistros zum Verweilen beim Meerblick-Aperol.


Ein besonderer Ort sind die beiden Kirchen am westlichen Ende des Strandes von St. Brelade. Hier gründete der aus Cornwall kommenden keltische Prinz Branwalladar ein frühes christliches Kloster und seit dem 11. oder 12. Jahrhundert steht an dieser Stelle die Fishermen’s Chapel. In ihrem Innenraum faszinieren mittelalterliche Fresken der Verkündigung, eines blumengeschmückten Einzugs nach Jerusalem und der Auferstehung aus dunklen Kästen. Nebenan blühen Hortensien vor den archaischen Mauern der kaum größeren gotischen Hauptkirche. Aus der Ferne scheint es als werde sie von den flechtenbewachsenen Kreuzen des alten Friedhofs überragt. Kein Schild verweist auf die ehemalige Grablege deutscher Kriegsgefangener während des 1. Weltkriegs und den sogenannten Heldenfriedhof der deutschen Besatzer im 2. Weltkrieg. Bis 1961 wurden die Gebeine in die Normandie umgebettet und in der Erde ruhen nun die Toten der Gemeinde St. Brelade.


Von St. Brelade nach La Corbière wandere ich entlang der grandiosen Beauport Bay auf einem Wanderpfad mit kleinen Umwegen und traumhaften Ausblicken vorbei am Gefängnis von Jersey bis zum spektakulären Leuchtturm von La Corbière.

Es ist nicht allein der 1873 erbaute Leuchtturm von La Corbière sondern seine Lage, die ihn zu einem Highlight auf Jersey macht. Der erste aus Beton errichtete Leuchtturm steht in einem gefährlichen Klippendschungel der nur bei Ebbe sichtbar wird.


Ob bei Ebbe oder Flut oder zum romantischen Sonnenuntergang, La Corbière ist immer ein attraktives Ausflugsziel. Außerdem wird aus einem Van heraus kurz vor dem Leuchtturm leckeres Jersey Eis verkauft.



3.3. Von La Cobière entlang der St. Ouen’s Bay an die Nordküste zu den Ruinen des Grosnez Castle
Am Leuchtturm endet mein Wanderpfad und wird von Privatbesitz eingenommen. Der Linienbus bringt mich an den sieben Kilometer langen Sandstrand der St. Ouen’s Bay an der Westküste Jerseys.


Die St. Ouens‘Bay ist der längste Strand Jerseys und als leichtes Einfallstor seit Jahrhunderten militärisch befestigt. Die Martello Türme aus napoleonischer Zeit und die Bunker der deutschen Wehrmacht stehen bis heute im Sand. Dahinter erstreckt sich eine Dünenlandschaft mit reicher Flora und Fauna. Das kleine private Channel Island Military Museum zeigt Objekte, Berichte und eine Dokumentation aus der Zeit der Besatzung. Für Geschichtsinteressierte ist das Channel Island Military Museum meine Empfehlung. Für Foodies…..????


Im Nordwesten von Jersey steht erhaben über den Klippen der einzig übriggebliebene Bogen der Burg Grosnez Castle. Die Anlage wurde im 14. Jahrhundert auf der „grauen Landzunge“ errichtet, darauf verweist der Name in der lokalen Sprache Jèrriais. Im Hundertjährigen Krieg gegen die Franzosen diente Grosnez Castle als Verteidigungs- und Fluchtpunkt.
3.4. Die Nordküste von Jersey für Romantiker
Für alle Liebhaberinnen idyllischer Buchten und atemberaubender Ausblicke von steilen Küsten weit auf den Atlantik bis zu den kleineren Kanalinseln ist die Nordküste Jerseys das Paradies.


Als eine der schönsten Buchten gilt die pittoreske Plémont Bay mit ihren herausragenden Felsen. Grève de Lecq ist etwas flacher, immer noch ein kleiner Fischerhafen und seit 1810 mit den Grève de Lecq Barracks militärisch gesichert. Bis hierher führt ein entspannter Wanderweg, dann folgt die Straße. Vorbei an Devil’s Hole in dem 1851 die „Josephine“ sank und Ronez Point führt die Route zur malerischen Bonne Nuit Bay deren Namen bis heute Rätsel aufgibt. Seit spätestens 1150 wird sie „Gute Nacht“ genannt, möglicherweise weil Seemänner hier geschützt vor widrigen Winden auf ihren Booten in Ruhe Schlaf finden konnten. Bouley Bay und Rozel Bay sind die beiden letzten noch nordwärts zeigenden größeren Buchten bevor sich die Route gen Süden wendet.
In besten Badebuchten sind Plémont und Grève de Lecq und während der Sommersaison hat die Seenotrettung ein wachsames Auge auf beide Strände. In allen größeren Buchten gibt es Bistros und Restaurants sowie kurze Spazierwege auf die Steilküste.
Besondere Highlights auf Jersey
Durch die Hauptstadt St. Helier streifen
In St. Aubin oder Gorey Gourmet – Speisen
Einen subtropischen Garten besuchen
Mit einer geführten Tour bei Ebbe über den Meeresboden wandern
Die kleinen Buchten an der Nordküste besuchen
beim La Corbière Leuchtturm dem Sonnenuntergang zuschauen


3.5. Von Gorey zum Seymour Slip, nach Samarès und zurück nach St. Helier
Gorey gleicht von Süden kommend einer perfekten Kulisse. Im Vordergrund der Hafen, dahinter eine bunte Häuserzeile in die sich sehr gute Fischrestaurants einquartiert haben und über allem thront seit mehr als achthundert Jahren die massive Festung Orgueil. Sie trägt noch immer stolz ihren französischen Namen während das Dorf sich anglisiert gibt. Von oben schweift der Blick über das Wasser nach Frankreich, bis zur Vorburg ist der Weg über eine schmale Treppe frei ohne Eintritt. Die Besichtigung der Burg Orgueil kostet 19 £.
Noch immer gilt was der französische Schriftsteller Victor Hugo einst schrieb.
„Die Kanalinseln sind Stücke Frankreichs, die ins Meer geworfen und von England aufgehoben wurden“.
Gorey und die Bucht von Grouville sind ein Zentrum kulinarischer Genüsse. Hier werden die frühen Jersey Royal Kartoffeln geerntet und die lokale Fischindustrie betreibt großflächige Austernzuchten.
Die Auswahl an guten Restaurants ist groß. The Moorings, Feast, Café Du Port Pier, The Kitchen und Sumas sind nur einige der Orte für Haute Cuisine oder Fine Dining.
Wer ein lokales Andenken sucht wird im Jane James Shop nahe der Bushaltestelle von Gorey wahrscheinlich fündig.
Etwas landeinwärts öffnet in Grouville die Keramikerin Claire Haithwaite unweit der Kirche ihr Atelier und präsentiert ihre aus dem vom Meeresboden gesammelten Ton gearbeiteten Tongefäße.
Eines meiner persönlichen Highlights auf Jersey beginnt mit einem Essen im Seymour Pub gefolgt von einer geführten Wattwanderung durch die Riffe. Bei Niedrigwasser öffnet sich zwischen Steinen, felsigen Kanten und sandigem Boden eine fremde Welt. Vom Seymour Slip über trittsichere Zwischenräume bis zum weit vor der Küste stehenden Seymour Tower und zurück. In diesem 1782 errichteten steinernen Befestigungsturm kann man sogar flutumschlungen Übernachtung. Trudie erklärt auf dem Seabed Walk jedes im Sand steckende Lebewesen, essbare Algen und selbstverständlich die Austernzucht.


Der letzte Stop auf der Route um die Insel Jersey ist der Garten von Samarès. In den 1920er Jahren begann der Millionäre Sir James Knott hinter dem weißen Herrenhaus des Seigneur de Samarès im Marschland einen Garten zu gestalten. Wirtschaftshof, Nutzpflanzen, paradiesische Blumen bilden eine kleine Insel der Schönheit und Ruhe.


4. Tipps für das Inland von Jersey
Meine Tipps für das Inselinnere sind die Gärten der Eric Young Orchideen Stiftung und der private Garten von Judith Queree. Die Dolmen von La Hougue Bie erzählen eindrücklich aus der Vorgeschichte und die War Tunnels Jersey zeigen die Schrecken des 2. Weltkriegs.
Fazit
Ein Besuch auf Jersey lohnt sich.
Während mir John über seine meerumschlungene kleine Heimat erzählt: it is like a prison –
denke ich: it is like paradise. Sort of.



Toller Bericht. Vielen Dank! Gerne ergänze ich noch mit zwei Positionen:
Das ehemalige deutsche Lazarett heißt heute Jersey War Tunnels (Hohlgangsanlage 8). Die weitläufigen Stollen wurden unter der deutschen Besatzung von Zwangsarbeitern in den Fels getrieben und beherbergen eine moderne Ausstellung mit Audio-/Video-Stationen zur Inselbesetzung und zum Lazarettbetrieb.
Der Zoologische Garten ist heute als Jersey Zoo (früher Durrell Wildlife Park) bekannt. Er gehört zur Durrell Wildlife Conservation Trust und konzentriert sich stark auf Arterhaltungs- und Auswilderungsprogramme. Es gibt begehbare Bereiche mit freibeweglichen Lemuren/Kattas; viele Primaten-Arten werden hier für Schutz- und ggf. Wiederansiedlungsprojekte gemanagt.
Liebe Grüße
Gerd-Peter Wunderlich
Herzlichen Dank für den Kommentar, Gerd-Peter Wunderlich! Vielen Dank für die informativen Ergänzungen und Hinweise auf die War Tunnels und den Zoo.
Herzliche Grüße!