Güterfelde. Ein Schloss mit Namen Gütergotz und ein Rundweg am See.

Brandenburg
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Güterfelde. Ein Schloss mit Namen Gütergotz und ein Rundweg am See.
Güterfelde. Ein Schloss mit Namen Gütergotz und ein Rundweg am See.
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Hallo! Hier sind die Reisefrequenzen, heute sind wir im Dorf Güterfelde und um den Haussee am Ortsrand von Güterfelde unterwegs. Unterwegs zu drei Stationen. Zu Schloss, See und Dorf.

In einer kleinen Notiz las ich über ein Dorf namens ‚Gütergotz’. Wahrscheinlich waren es die Assoziationen mit dem Räuber ‚Hotzenplotz’ die mich neugierig machten und meine Kinderseele weckten. Eine kurze Recherche klärte auf. Gütergotz heisst seit 1937 Güterfelde und gehört heute zur Gemeinde Stahnsdorf im Südwesten von Berlin. 1937 wurde, unter der Herrschaft der Nationalsozialisten, der seit 1263 urkundlich überlieferte slawische Ortsname Jutergotz kategorisch abgeschafft. Seine Bedeutung rückt nicht recht ins Licht, auch wenn ‚Jutro’ den Morgen oder die morgendliche Dämmerung benennen soll. 
Also Güterfelde. Es gibt ein Schloss, das von außen Grandezza zeigt und innen kürzlich in Wohnungen aufgeteilt wurde. Im märkischen Ortskern steht die markante Kirche aus Feldsteinen und am Ortsrand ein paar neue Häuser in stilistischen Wirrungen bevor sich der Blick zum Haussee öffnet.

Erst das Dorf oder erst der See. Nach zwei Schritten hin und her mache ich einen Kompromiss mit mir. Erst das Schloss, dann der See, zum Schluß der Ortskern.
Hinter den Apfelbäumen einer Streuobstwiese steht das hellgelbe Schloss. Aus seiner Mitte ragt ein Turm mit einer Uhr, an den Seiten stehen zwei kleinere Turmbegleiter. Aufgereihte Dachgauben scheinen mir wie neugierige Augen. Der Anblick ist imposant und erzählt vom gepflegten Luxus auf dem Land. Ich gehe über die Wiese und spüre einen Hauch von Frankreich. Die Neorenaissance eines Palais. 
Drumherum ist Güterfelde. Im alten Garten parken Autos, Gartenmöbel verschiedener Couleur stehen vor der Fassade. In der Nähe rauscht der Verkehr auf der zur Schnellstraße ausgebauten L 40 und auch die Dorfstraße durch Güterfelde zerschneidet kreiselnd die Struktur der vornehmen Anlage.

Güterfelde. Ein Schloss mit Namen Gütergotz und ein Rundweg am See.

1. Die Geschichte des Güterfelder Schlosses und ihrer Besitzer. Vom Lotterie-König zum Finanzier von Krieg und Eisenbahn.

Der König der Lotterie
Anders als in vielen anderen märkischen Dörfern hat das Güterfelder Schloss keine mittelalterliche ritterlicher Tradition, sondern ist erst knapp 220 Jahre alt. Drei Männer hatten es in ihren Händen: Bauherr war der Leiter der staatlich preußischen Lotterie, Direktor aller Lotterien im Königreich Preußen und später Geheimer Oberfinanz-, Kriegs- und Domainen-Rath. August Friedrich Grothe hat sich hochgearbeitet. Zum Abschluß seiner Karriereleiter zog er sich selbst das größte Los. Das reichte für die Finanzierung seines Traums, ein eigenes Schloss. Er tauschte seine Besitzungen in Rudow gegen Gütergotz. Sein Glückslos brachte ihm die finanziellen Möglichkeit, einen Starchitekten seiner Zeit zu bezahlen. David Gilly, der auch für den König in Steinhöfel und Paretz baute, wurde engagiert. Schloß, Gut und Park entstanden im klassizistischen Stil. €

Güterfelde. Ein Schloss mit Namen Gütergotz und ein Rundweg am See.
Schloss Gütergotz. Entwurf David Gilly


Doch für Grothe nahmen die Güterfelder Ambitionen kein gutes Ende. Mit der napoleonischen Besetzung arbeitete er für die Franzosen, wurde später des Verrats und der Intrigen angeklagt und in Gütergotz nicht mehr sehr glücklich. Bevor er nach Warschau floh, ließ er, so schrieb Fontane, die Gütergotzer Schlosswände in einer ersten Schicht mit alten Lottoscheinen tapezieren. 

Der Kriegsminister
Nach mehreren Besitzerwechseln kaufte am 31. August 1868 der preußische Kriegs- und Marineminister Albrecht Theodor Emil Roon das Schloß und Gut. Er befand dringenden Renovierungsbedarf, zumal nach jahrelangem Leerstand. Sein Architekt ist unbekannt, doch liebte er den Manirismus. David Gillys schlichter Klassizismus verschwand unter der Schicht französischer Neorenaissance. „In gewisser Weise großartig, aber unzweckmäßig von dem einst berühmten Gilly erbaut, bedurfte es einer gänzlichen Reformation in Haupt und Gliedern.“ schrieb Roon in einem Brief an seinen Chef von Bismarck. An Stelle der ursprünglichen Turmkuppel entstand ein Turm mit Pyramidendach, die Seitenflügel wurden aufgestockt und die Fassade in Quadern strukturiert. 

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Der Bankier
Der Kriegsminister Roon blieb nur kurze Zeit und verkaufte 1873 sein Schloß in Güterfelde an Gerson von Bleichröder. Bleichröder, Seniorchef des Bankhauses Bleichröder, nach der Mitfinanzierung der Unionskriege 1872 geadelt, präsentiert sich auf alten Fotos gut aussehend, selbstbewusst und mit auffälligem Bartdesign. Als Investor in Industrialisierung, Eisenbahn und Kriege war er einer der reichsten Männer Preußens. Und neuer Besitzer von Schloß Gütergotz. 
Bleichröder ließ die Neorenaissance am Gebäude nochmals verändern und den Park vom königlichen Hofgärtner Theodor II. Nietner neu gestalten. Dann ist Schluß mit Noblesse in Güterfelde. 

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Das 20. und 21. Jahrhundert für Schloss Gütergotz in Güterfelde
Die Stadt Berlin kauft das Anwesen im Grünen und die Invaliditäts- und Altersversicherungsanstalt richtet ein Lungensanatorium für etwa 100 Patienten ein. Allein die Vielzahl solcher Heilanstalten um Berlin erzählt von den schlimmen Zuständen in der Stadt. 1927 wird das Schloß Gütergotz ein Stabsquartier der Reichswehr. 1933 zog die SA Standarte „Feldherrnhalle“ ein, jetzt verschwand der Name Gütergotz. 1940 übernahm die NSDAP. Nach dem Krieg nutzte die sowjetische Verwaltung das Gebäude. Die DDR-üblichen Überlegungen zum Abriss folgten. Doch Schloss Gütergotz in Güterfelde bleibt zum Glück bestehen. Warum? Ich finde keine Antwort. Es wird als Altenheim genutzt. Dann steht es leer. Bis ein Nürnberger Investor das Gebäude kauft, unterteilt und saniert. Seit 2011 ist Schloss Gütergotz gerettet und ein „Château de Roon“ geworden. Die Marketingsprache sucht neue Namen. So wird aus Gütergotz Schloss Groß… und ich erspar uns hier den Reim. 

Bei meinem Rundgang um das Schloß herum entdecke ich zwei das Schloß flankierende Gebäude. Das eine mag nicht so ganz passen. Es erinnert mich an typische Architektur der DDR und ist doch irritierend. 1952 wurde es von der Bauakademie in experimenteller Lehmstampfweise errichtet und war ein Vorzeigeprojekt für das Bauen auf dem Lande in der Nachkriegszeit, als Baustoffe Mangelware waren. Ihm gegenüber entstand ein neuer gesichtsloser Wohnungstrakt. 
Neben dem Gebäude lag der Pleasureground. Jetzt sind die Buchsbaumhecken abgefressen, dem Wasserbassin fehlt der Schmuck, die Fläche liegt ganz lieblos da. Wie schön muß die einst neobarocke Anlage gewesen sein.

Güterfelde. Ein Schloss mit Namen Gütergotz und ein Rundweg am See.

2. Der Weg zum See. Ein Spaziergang um den Güterfelder Haussee.

Ich gehe zurück über die Streuobstwiese in Richtung Dorf. Vor mir ragt der Turm der alten Dorfkirche auf. Früher war er der höchste Turm im Dorf, bis Bleichröder den Schloßturm in seiner Höhe triumphieren ließ. Die einstige Achse zwischen Schloss und Kirche ist jetzt unterbrochen. Ein Kinderspielplatz nimmt die Symmetrie und die großzügig angelegte Ortsdurchfahrt mit einem Kreisverkehr zersprengt die Harmonie und den Zusammenhang.
Es ist nicht weit zum See. Nach dem letzten Haus des Dorfes öffnet sich der Blick zum Ufer. Dort liegt eine kleine Badebucht mit einem hellen Sandstrand. Nebenan steht unter Bäumen ein großer bemalter Container. Hier gibt es leckeren Kuchen, Tee, Glühwein und im Sommer Bier und Bockwurst. Jetzt gerade herrscht Winterpause, im Herbst und Frühling ist er ein Lieblingsplatz. Kuchen und Tee holen, ans Ufer gehen, einen schönen Platz suchen, genießen. 

Ich treffe einen Mann mit Hund der mir erklärt, warum die neuen Stege hier mit großdimensionierten Toren abgesperrt sind. Der See ist zu flach, um deutschen Normtiefen entsprechend hier ins Wasser zu springen und die Haftung durch die Gemeinde wäre im Falle eines Unfalls nicht gegeben.
Die Runde um den Haussee in Güterfelde dauert etwa 1 Stunde und führt fast immer direkt am See entlang. Es gibt schöne Ausblicke, federnde Waldwege und zahlreiche Stellen um zu Verweilen. Über allem liegt das Rauschen der Bäume und das der Autos von der nahen L 40. 
Auf der westlichen Uferseite bieten kleine Sandbuchten gute Badestellen. Auf der östlichen Seite schlängelt sich ein Trampelpfad zwischen dem schilfbestandenen Ufer und den Datschen. Hier ragen, ganz unprätentiös und ohne Gitter, kleine private Stege auf das Wasser. Es ist so warm über dem reflektierenden See, dass ich auf dieser heute windgeschützten Stelle einfach eine halbe Stunde in der Wintersonne sitze.

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3. Die Dorfmitte und die Kirche in Güterfelde

Die schöne Seerunde ist in der Dorfmitte zu Ende. Dort ist ein kleines märkisches Idyll. Das letzte Stück der Kopfsteinpflasterstraße wird gepflegt, in der Mitte steht die markante Kirche und die Vierseitenhöfe mit ihren Scheunen liegen drumherum. 

Güterfelde. Ein Schloss mit Namen Gütergotz und ein Rundweg am See.

Am alten Verbindungsweg nach Potsdam steht die trutzige Saalkirche mit ihrem wehrhaftem Turm. Vermutlich wurde sie im 13. Jahrhundert aus Feldsteinen aufgebaut. Ich stelle mir die schwere Arbeit vor, doch es gelingt mir kaum. Granitsteine heranschleppen, exakt behauen, ebenso exakt aufschichten. 

Im 19. Jahrhundert wurde dem Turm der Güterfelder Dorfkirche die Spitze aufgesetzt. Der ursprünglich eingezogene Chor wurde erweitert und ein neogotischer Giebel vorgemauert. Die Tür ist verschlossen. Aus einem Kasten könnte ich eine Bibel mitnehmen. Durch ein Fenster sehe ich im Inneren einen großen Leuchter und einen Weihnachtsbaum. 

Zum Schluß lausche ich Theodor Fontane. Der Chronist Brandenburgs war auch mal hier und schreibt über die Geschichte. Im dritten Band der Wanderungen berichtet er über Gütergotz. Er erzählt davon, „dass der Juthrie-Gott eine Stätte hier hatte; der Name sagt es Ihnen.“ Wenn er jetzt hier wäre, würde ich Fontane fragen, was der Name mir denn genau sage. „Dann kamen die Mönche, und Gütergotz, wie das benachbarte Zehlendorf, wurde Klostergut“ der Mönche in Lehnin. Schließlich übernahm nach einem Zwischenspiel der Bischof Benjamin Ursinus von Bär das Rittergut in Güterfelde. Er ließ sich 1696 ein Lusthaus, ein „Praedium“, am Haussee errichten und weilte mit seinem Gefolge dort. Die Gütergotzer waren nicht begeistert, auch „weil die Hühner des Bischofs ihre Schafe verschrecken”. 
Heutzutage ist Güterfelde ein kleiner Ort zwischen Tradition und Speckgürtel am Rande eines schönen Waldsees.

Güterfelde. Ein Schloss mit Namen Gütergotz und ein Rundweg am See.

Das waren die Reisefrequenzen. Heute unterwegs in Güterfelde, zwischen Berlin und Potsdam. Ein Schloss von außen, ein alter Dorfkern, ein schöner See.

Wo: Güterfelde, zwischen Berlin und Potsdam
Was: Außenbesichtigung des privaten Schlosses. Rundwanderung um den See. Stop im Ortskern bei der Kirche.
Wanderung: Die Wanderung ist ein Spaziergang. In gemütlichem Tempo dauert er eine Stunde. 3,2 Kilometer. Immer dem Seeufer folgen. Im Westen auf dem Waldweg, im Osten auf dem Trampelpfad am See entlang.
♥️ Unser Lieblingsplatz: Die Streuobstwiese mit Blick aufs Schloß. Der Rundweg um den See.

Güterfelde. Ein Schloss mit Namen Gütergotz und ein Rundweg am See.

2 Gedanken zu „Güterfelde. Ein Schloss mit Namen Gütergotz und ein Rundweg am See.“

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