Gröben. Ein echter Kietz und der Drehort Krauses Gasthof.

Gröben. Ein echter Kietz und der Drehort Krauses Gasthof.
Brandenburg

 
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Hallo! Hier sind die Reisefrequenzen, heute mit einem Ausflug nach Gröben, einem Dorf südlich von Berlin. Seit einer der Gebietsreformen gehört es als Ortsteil zu Ludwigsfelde.  

Gröben wäre eines dieser märkischen Dörfer. Wenn da nicht Krause wäre. Horst Krause. Schauspieler und titelgebende Figur aus einer Fernsehserie der ARD. Die Filme nutzen zwei brandenburgische Dörfer als Kulisse. Eines ist Gröben, wo wir heute sind, das andere Ihlow, Ortsteil von Oberbarnim. Im Film heißt Krauses Dorf Schönhorst. Wir starten an der Kirche und nehmen Euch, wie immer, mit. 

Gröben. Ein echter Kietz und der Drehort Krauses Gasthof.

Kurze Geschichte Gröbens

Gröben ist eine kleine Ortschaft aus drei Teilen. Das alte Dorf, die neue Siedlung und der alte Kietz. Erstmals erwähnt wird Gröben 1170 als Kolonistendorf der Deutschen, wahrscheinlich schon im Besitz derer von Gröben, die aus der Altmark kamen. Der Name fällt zum ersten Mal 1352. Nach den von Gröbens übernimmt Familie von Schlabrendorf den Gutsbesitz. Sie bleiben gut 450 Jahre. Mal mit mal ohne zweites F in ihrem Nachnamen. Schließlich erwirbt die Bankiersfamilie Badewitz das Gut. Die Quellen in der Zeit der Nationalsozialisten sind etwas spärlich. Hauptmann a.D. Schrage und ein Herr Dr. Lühr sind die Besitzer, dann folgte die Enteignung.

Die Kirche in Gröben


Die Kirche ist ein auffallend großer Bau und anders als die kleinen Feldsteinkirchen anderer märkischer Dörfer ist sie nicht sehr alt. 1908, am Heiligen Abend, ist sie bis auf die Grundmauern abgebrannt und wurde ein Jahr später neu errichtet. Die Pläne stammen von Franz Heinrich Schwechten, der auch die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin baute. Die Vorgabe des Neubaus waren die alten Kirchenmauern von 1508, die den Brand überstanden. Sie gaben den Rahmen für die zeitgemäße Neogotik. Ein schlanker Ziegelturm schaut übers Dorf hinaus. 
Das bekannteste Inventarstück der Kirche war das Kirchenbuch. Es ist das älteste in ganz Brandenburg und stammt von 1578. Bis 1769 schreibt es ungebrochen die Geschichte, dann macht es eine Pause. Theodor Fontane hat daraus zehn Seiten transkribiert und schreibt dann “Krieg- und Pest und Wasser- und Feuersnot und Mißwuchs und Mißgeburten. Und daneben Unglück über Unglück… Fischer ertrinken, (…) Dazu Mord und Brand, und Stäupung und Enthauptung (…) und auf jedem dritten Blatte das alte Lied vom Ehebruch.” Heute ist das kostbare Buch im Potsdamer Museum und in Gröben liegt eine sehr gute Kopie.

Der Trommler
Hinter der Kirche stehen zwei schlanke Männer. Zwischen ihnen sitzt eine ziemlich dicke Katze behäbig auf einer Trommel.  Sie alle sind aus Holz geschnitzt. Der eine ist Leutnant Johann Christian von Schlabrendorff, der im Schlesischen Krieg in der Schlacht bei Mollwitz fiel. 1741 wurde er in der Gröbener Kirche beigesetzt. Der Trommler war sein unbekannter Diener. Er blieb dem Leutnant treu und wachte an dessen Grab. Über Nacht gesellte sich eine graue Katze zu dem Trommler und der Leiche. Doch eines Tages war der Trommler tot und wenig später starb auch die Katze. Jedoch immer, seit dem Aufmarsch Napoleons, stehen Trommler und Katze auf, falls Preußen Krieg und Schaden droht. Erst schleicht die Katze übers Dach, um Mitternacht kommt dann der Trommler aus dem Grab. Punkt zwölf erscheint der Leutnant und warnt vor nahender Gefahr. 
Seit 2002 stehen die drei in Holz geschnitzt an der Feldsteinmauer des Kirchenchores.

Das Dorf
Wir drehen eine kleine Runde durch den Ort, denn eine große gibt es nicht. Viele Häuser sind top renoviert und manche der großen typischen Backsteinscheunen wurden zu Wohnungen ausgebaut. Vor den Häusern stehen Schilder, die den Zutritt zum Gelände streng verbieten. Teure Autos mit fremden Kennzeichen parken am sandigen Straßenrand. Gröben ist bekannt, nicht nur durch Krause. Auch andere Filme wurden hier gedreht. Der Sandmann mit Götz George, Polizeiruf 110 und Effi Briest von 2009. Ein Business im Dorf scheint, anders als im Film, nicht der Tourismus, sondern die Pferdezucht zu sein.
Gegenüber der Kirche steht das alte Gutshaus, 1720 wurde es von Johann Christian Schlabrendorff errichtet. Inzwischen ist es renoviert und neu vermietet. Über dem Eingang prangen weiterhin die Wappen der ehemaligen Besitzer.

Gasthof Naase, Drehort „Krause“


Ein paar Schritte weiter stehen wir vor dem zartgelben Gasthof Naase, so hieß das filmische Lokal Horst Krauses in Wirklichkeit. Wir erkennen klar den Eingang und den Hof und die blauen Türen an der Scheune. Hier, hinter diesem großen Hoftor, wurde gefeiert und geschimpft und schließlich das Spanferkel gegrillt. Jetzt ist das Tor natürlich zu und das Gasthaus seit 2019 leider auch. Im ehemaligen Wirtshaus sind nun Wohnungen. Durch ein Fenster schauen wir zögerlich hinein und sehen einen Saal und eine Theke. Wie im Film. 

Früher gab es drei Restaurants und ein Hotel in Gröben, jetzt gibt es keines mehr. Wir picknicken deshalb auf einer Bank im Kirchhof, schauen in die Sonne und hören den Glocken zu.

Am Ortsende steht ein Schild, dass im hier beginnenden Naturpark Nuthe-Nieplitz auf ein Phänomen verweist. Die Salzwiesen. Die Salzstellen im Binnenland sind geologische und botanische Kostbarkeiten. An Salzstellen tritt Wasser aus dem hunderte von Metern Tiefen Grund und bringt die aus dem 250 Millionen Jahre alten „Zechsteinmeer“ gelösten Salze an den Tag. Die sonst in Brandenburg so üblichen Tone fehlen hier und daher schafft das Salz es durch den Sand. Die Salzwiesen sind eine europäische Seltenheit und streng geschützt. Später sehen wir die gelben Schilder, die uns darauf hinweisen. Früher gab es Salzpütten, Wasserlöcher, die Salinen waren. Mitten im küstenfreien Brandenburg wurde an der Erdoberfläche Salz abgebaut. 

Zum Kietz von Gröben


Theodor Fontane, unser stets anwesender Chronist, schrieb „Groeben gilt bei seinen Bewohnern und fast mehr noch bei seinen Sommerbesuchern als ein sehr hübsches Dorf“ Wir sind hier nicht die Einzigen. Schicke Oldtimer drehen die kleine Dorfrunde, andere drehen sie wie wir zu Fuß. Doch wir ahnen schon Fontanes Ironie. „Ich kann aber dieser Auffassung, wenn es sich um mehr als seine bloße ‚Lage’ handelt, nur bedingungsweise zustimmen. Groeben hat ein märkisches Durchschnittsansehen, ist ein Dorf wie andere mehr, und alles, was als bemerkenswert hübsch in seiner Erscheinung gelten kann, ist seine von einem hohen Fliedergebüsch, darin die Nachtigallen schlagen, umzirkte Kirche.“ 
Die Kirche, die Fontane kannte, ist zwischenzeitlich abgebrannt. Der Flieder ist noch da und schlägt schon aus ins helle Grün. Ein wenig stimmen wir Fontane zu und erkunden deshalb die weitere ‚Lage’.
Wir gehen ein paar Schritte aus dem Dorf hinaus. Das Land ist weit und licht. Rechts und links der Straße wird der Sumpf durch kleine Kanäle entwässert. Die Trauerweiden werden langsam grün, der Specht klopft irgendwo auf altes Holz. Einst floß die alte Nuthe hier. 

Doch zunächst zieht es uns raus aus dem Dorf zum Kietz. Ich dachte lange Zeit, den Kietz gibt es nur in Berlin. Doch Gröben lehrt mich eines Besseren. Der Gröbener Kietz ist einer der wenigen echten, erhaltenen Kietze Brandenburgs. Es sind ein paar Häuser, die landestypischen Backsteinscheunen und einige langsam sich selbst auflösenden schilfgebauten Fischerhütten. Der Kietz war eine Dienstsiedlung, deren Bewohner dem Adligen in einer Burg zu Diensten standen. Meist lag sie als Fischersiedlung an Gewässern. Den Kietz gibt es nur östlich der Elbe, vermutlich wurde er in der frühen Zeit von Slawen bewohnt. 

Alles ist hier da. Nur die Burg fehlt. Ihr Standort jedoch gilt als gesichert. Die Alte Nuthe umfloss den Bugwall, inzwischen ist sie durch das jahrhundertelange Wassermanagement verlandet. Im Gröbener Kietz erinnern noch ein paar Hütten und die vermodernden Fischerkähne daran, dass Gröben einst vom Fischfang lebte. Der Fisch wurde in Zentnern aus der Nuthe und dem Gröbener See gezogen. Die Saarekrebse aus einem Nebenarm der Nuthe wurden bis nach Paris verkauft, so wird erzählt. 
Der kleine Weiler ist idyllisch, Blausterne und Veilchen blühen. Eine Dame spricht uns an und fragt sich, wo die Zeit des Lebens bleibt. Graureiher und Kormorane fliegen vorüber. Die Pferde stehen auf der Weide und an einer der Scheunen wächst der Wein. Fontane ist wohl nicht bis zum Kietz gekommen.

Unser Tipp: Weiterwandern


Weitergehen. Eine gut 6 km lange Runde führt entlang der Nuthe und um den Gröbener See im Naturpark Nuthe-Nieplitz.

Gröben. Ein echter Kietz und der Drehort Krauses Gasthof.

Die Nuthe ist kanalisiert und schiebt sich träge durch ihr altes Überschwemmungsgebiet. Früher war sie bis zu 40 m breit, auf ihr wurde das Holz aus dem Fläming zur Havel geflößt. Heute fließt sie schnurstracks geradeaus und ihre Ufer gleichen einer baumbestanden Wasserallee. Rechts und links sind weit die Felder und Wiesen. Die Möwen und die Gänse fliegen, ein Schwan zieht seine Kreise. Wir wandern durch das Vogelschutzgebiet auf den erlaubten Wegen. Der Milan schwebt über uns, in der Ferne hören wir das Grugru der Kraniche. Die Salzwiesen sind noch im Winterkleid. 

Gröben. Ein echter Kietz und der Drehort Krauses Gasthof.

Nach einer Weile erreichen wir die Straße und gehen durch das kleine Jütchendorf. Der Storch ist noch nicht wieder da, sein Nest am Spielplatz wartet. Am Straßenrand bieten die Bauern Weidenzweige an, das Stück für einen Euro. Der Weg führt uns zum Gröbener See. Die wilden Kirschen und der Weißdorn blühen, das Schilf wiegt sich im Wind und noch mehr Schwäne ziehen ihre Runden. Idylle am See.
Nur das fast letzte Stück des Weges zurück nach Gröben führt uns auf die Straße. Rücksichtlose Raser halten nichts von dem hier ausgeschilderten Fontane-Wanderweg. Das macht uns erneut deutlich, dass Fontane nie gewandert ist, sonst hätte er die Straße nicht gewählt. Dennoch ist es eine schöne, empfehlenswerte Runde. 
Windräder haben wir übrigens keine gesehen. 

Gröben. Ein echter Kietz und der Drehort Krauses Gasthof.

Das waren die Reisefrequenzen. Heute in Gröben. Beim Gasthof “Krause”, in einem echten Kietz und bei den Salzwiesen im Vogelschutzgebiet.


Wo: Gröben, Ortsteil von Ludwigsfelde
Was: Spaziergang durch den Ort und 6 km leichte Wanderung.
Inspiration: „Krauses Zukunft“ ist noch bis August 2021 in der ARD Mediathek zu sehen.
Das spannende Kirchenbuch aus Gröben ist großartig digitalisiert hier zu sehen http://kirchenbuch-groeben.de
♥️ Unser Lieblingsplatz: Im Kietz, an der Nuthe und am Gröbener See.

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