Greifswald. Ein Rundgang in der romantischen Universitäts- und Hansestadt

Mecklenburg-Vorpommern
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Greifswald. Ein Rundgang in der romantischen Universitäts- und Hansestadt
Greifswald. Ein Rundgang in der romantischen Universitäts- und Hansestadt
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Hallo! Hier sind die Reisefrequenzen. Heute sind wir unterwegs in der Altstadt der Hansestadt Greifswald und nehmen Euch auf unserem romantischen Stadtrundgang mit.

Das ist unsere Route quer durch die Stadt: Marienkirche – Fisch 13 – Marktplatz – Pommersches Landesmuseum – Abstecher zum Hafen – Caspar-David-Friedrich-Museum  – Dom – Uni – St. Jacobikirche

Heute nieselt der Regen, doch Greifswald ist immer schön. Hier gibt es kein schlechtes Wetter. Auch sonst kann nicht viel schief gehen, Fischbrötchenbuden gibt es an fast jeder Ecke und alle Straßen der Altstadt sind übersichtlich und rechtwinklig angelegt. Drumherum, wo einst die Wallanlagen schützten, ist jetzt eine Grünanlage. Der Wallgraben und einige Abschnitten der Stadtmauer sind übrig geblieben. Sie umschließen das historische Herz und laden zu Spaziergängen ein. Beginnend am mittelalterlichen Fangenturm führt der Weg über den Wall zum Mühlentor, zum Kastanienwall und zum kleinen Tierpark. Dann schließt sich der Fluss Ryck und der alte Hafen an, sie bilden die vierte Seite der Stadtsicherung von Greifswald. Wir wollen das Herz und seine Sehenswürdigkeiten sehen und gehen über die Kopfsteinpflasterstraßen in den Kern Hansestadt.

Kurz die Geschichte von Greifswald

Die Zisterzienser-Mönche aus dem nahen Eldena waren die Gründer der Siedlung. Klar erkannten sie zwei Standortvorteile. Der eine war das Salz aus der nahen Salzpfannenstelle. Der andere Vorteil war der Fluß Ryck. Sechs Kilometer zur Ostsee und ein geschützter Hafen. Das waren der Schutz und die Chance der Stadt. Und wurden ihr später in ihrer Entwicklung zum langsamen Verhängnis, denn die ständig versandenden sechs Kilometer bis zum Greifswalder Bodden der Ostsee waren für große Schiffe kaum machbar. 
Im Juni 1249 kam Greifswald zu Pommern und erhielt den Namen des regierenden Geschlechts der Greifen. Am 14. Mai 1250 wurde der Stadt das Lübsche Recht verliehen. Die Blütezeit in der Hanse begann und bedeutete langen Wohlstand.
Doch der Dreißigjährige Krieg und die Pest waren verheerend. Danach hieß es bitter: Pommernland ist abgebrannt. Nach dem Krieg wurde Greifswald schwedisch und nach 1815 erhielten die Preußen Stadt und Region.
Am 29. April 1945 wurde die Stadt kampflos der sowjetischen Armee überlassen und damit vor der Zerstörung gerettet. Damals stand noch das alte Häusermeer, inzwischen ist nach DDR-Jahrzehnten ein Teil alter Bausubstanz absichtlich der Platte gewichen.
Heute leben in Greifswald etwa 60.000 Einwohner, gut 10.000 Studenten sind an der renommierten Uni immatrikuliert. Sie prägen die Stadt und ihre lebendige Atmosphäre. Gemütliche Cafés, hochkarätige Wissenschaft, kleine Läden, interessante Kultur, herausragende Sehenswürdigkeiten.

Marienkirche in Greifswald

1. Besuch in der St. Marienkirche

Unser erstes Ziel auf der Altstadtroute ist die Marienkirche. Der backsteingotische Bau mit seinem rot-weißen Giebel am chorlosen Abschluss liegt kompakt und behäbig in einer Ecke der Altstadt. Der Turm ragt nur kurz über den mächtigen Körper und vielleicht deshalb nennen die Greifswalder sie die „Dicke Marie“. Sie ist eine der größten norddeutschen Hallenkirche und wird 1280 erstmals erwähnt. Anders als die zahlreichen Basiliken im Ostseeraum strebt sie nicht ihrer tonangebenden Lübecker Schwester, der Lübecker Kirche St. Marien, als Basilika nach. Im Inneren treten wir in den weiten hellen Raum einer lichtdurchfluteten Halle. Besonders auffällig ist die Kanzel. Sie steht nachreformatorisch mitten in der Gemeinde und wurde 1587 von Joachim Mekelenborg aus Rostock in feinen Intarsien gearbeitet. Über 60 verschiedene Holzarten hat er für seine Arbeit verwendet.

Im Seitenschiff schwimmt ein Wal, er ist an die Wand gezeichnet. Seine Aufgabe an dieser Stelle ist unbekannt, doch erinnert er an ein spektakuläres Ereignis. 1545 strandete in Wieck ein riesiger Wal. Eigentlich gibt es sie in der Ostsee fast gar nicht.
Die Gedächtniskapelle zur Erinnerung an die Kriege ist mit vier Passionsbildern aus dem 15. Jahrhundert ausgemalt. In der Kreuzigungsszene scheint es, als durchbohre ein Schwert das Herz der Mutter Maria.

2. Fisch 13 in Greifswald

Unsere nächste Station ist Fisch 13 in der Schuhhagen 13. Vernünftig betrachtet ist es noch viel zu früh, aber vor der weiteren Stadtbesichtigung muss ich mich stärken. Und Fisch gehört einfach dazu. Matjesbrötchen mit Pflaumenmus, die ungewöhnliche Kombination ist ein Genuss. Im Angebot sind auch der sich verschwommene Lachs im Obstgarten oder das Himbeerzauber-Matjesbrötchen. 

3. Der quirlige Markt

Ein paar Schritte weiter auf unserem Rundgang öffnet sich der weite hanseatische Marktplatz. Sightseeing vom Feinsten. Ich stelle mir vor, wie die Waren vom nahen Ryck hier heraufgefahren und geschleppt wurden, um ein großes Angebot für die Greifswalder und ihre Händler zu schaffen. Heute ist außer Montag und Mittwoch an jedem Tag Markttag. Jetzt gibt es Blaubeeren und Pilze, regionale Wildspezialitäten und natürlich Fisch. Mich Großstadtbewohnerin verführen die Blaubeeren. Ihre Farbe, ihre Frische, die Süße und auch, zugegebenermaßen, ihr Preis.
Gotische Backsteingiebel schauen auf das Geschehen, sie gehören zu den ältesten Steinhäusern der Stadt. Unendliche Geschichten wüssten sie zu erzählen, am Markt 13 und 11.  
Der Blickfang hinter den bunten Marktschirmen ist das knallrote Rathaus. Es steht mitten auf dem Platz und teilt Hauptmarkt und Fischmarkt.

Blick auf das Greifswalder Rathaus

1349 wird ein „Kophus“ an dieser Stelle wohl auf älteren Mauern erwähnt. 1551 wird statt des Kaufhauses erstmals ein „Radhus“ genannt. 1713 brannte das Rathaus beim großen Stadtbrand aus und wurde bis 1738 wieder hergestellt. Die barockisierenden Giebel mit der Uhr mittendrin prägen den Platz. 
Hinter dem Rathaus, auf dem charmanten Fischmarkt, steht der Fischerbrunnen des genialen Brunnengestalters Jo Jastram. Die Fischer stehen im Brunnenbecken und der Aalgreifer beugt sich weit über den Rand, um seine glitschige Beute zu greifen.

4. Das Pommersche Landesmuseum ist eine Top-Sehenswürdigkeit

Vorbei am monumentalen und sehr preußischen Gebäude der Stadtverwaltung schlendern wir über den Markt zum weiß leuchtenden Pommerschen Landesmuseum. Im Juni 2005 wurde es als Ensemble mehrerer Häuser eröffnet. Innen werden ansprechend und klug 14.000 Jahre Vergangenheit präsentiert. Das 20. Jahrhundert mit seinen Kriegen, Brüchen und dem gewaltigen Bevölkerungsaustausch bedeutete für die Region die größte Zäsur ihrer Geschichte. Das geplagte Pommernland. Die Ausstellung zeigt die Historie in ihren vielen Facetten. Ein weiterer sehenswerter Höhepunkt sind Gemälde, Radierungen und Zeichnungen von Caspar David Friedrich, dem romantischen Sohn der Stadt.

Das Pommersche Landesmuseum vor der Marienkirche in Greifswald
Das Pommersche Landesmuseum und die Marienkirche

Exkurs: Die Persönlichkeiten der Stadt

Wir gehen durch die Gassen und betrachten an den Häusern die angenagelten Schilder, auf denen Namen und Lebensdaten berühmter und vergessener Frauen und Männern stehen. Viele waren Mitglieder der Greifswalder Uni. Die meisten von ihnen sind Männern. Hans Fallada und Wolfgang Koeppen wurden hier geboren und Berthold Beitz, der spätere große Mäzen, ging in Greifswald zur Schule. 
Uns bleiben zwei Dichterinnen in Erinnerung.
Die eine ist Alwine Wuthenow. Die wichtigste niederdeutsche Dichterin des 19. Jahrhunderts wurde 1820 geboren. Fritz Reuter hat ihre Texte veröffentlicht. 
Die andere ist die Barockdichterin Sybilla Schwarz. In diesem 2021. Jahr hätte sie ihren 400. Geburtstag gefeiert. Doch die Tochter eines Bürgermeisters wurde nur 17 Jahre alt. 
Ganz ohne Schild sei erinnert, dass Greifswald 31 Jahre lang zum Wahlkreis von Angela Markel gehörte. Mit der Wahl 2021 hat Anna Kassautzki, SPD, das Mandat gewonnen.

5. Ein Abstecher zum Hafen

Nach einem kleinen Abstecher zum Hafen mit von Schiffen verkauften Fischen im Brötchen und entspannten Ecken, mit alten aber nicht sehr alten Booten im Greifswalder Museumshafen, dem größten in Deutschland, schlendern wir in Richtung Innenstadt zurück. Der Weg ist nicht weit, höchsten 10 Gehminuten. Vor uns erhebt sich der Turm des Greifswalder Domes mit seine acht Ecken über den Dächern. 
Jetzt wäre Zeit für eine späte Mittagspause. Wir bleiben flexibel. Und gönnen uns ein zweites Frühstück im Café Küstenkind. Alles Bio, alles frisch, alles lecker, alles shabby-chic und gemütlich.

6. Das Caspar-David-Friedrich-Zentrum ist Greifswalds Romantik-Hotspot

Ein paar Schritte weiter stehen wir vor dem Caspar-David-Friedrich-Zentrum und warten, bis sich die Türe öffnet. Herr Voss führt uns kenntnisreich und heiter durch das Museum, das einst eine Manufaktur war. Caspar David Friedrich, der berühmte Maler, wurde am 5.September 1774 hier geboren und blieb, bis er erwachsen war. Sein Vater, der wie seine Mutter aus Neubrandenburg kam, betrieb eine Seifensiederei in der damals schwedischen Stadt Greifswald. Er war einer von 5000 Einwohnern, dazu kamen 60 nicht immer geschätzte Studenten. Friedrich blieb bis er zwanzig war, bevor ihn seine künstlerische Ausbildung nach Kopenhagen und später nach Dresden führte. Greifswald und Pommern sind auf seinen Werken oft gegenwärtig und blieben sein Sehnsuchtsziel. Seine Gemälde sind Ikonen der Romantik und hingen über zahllosen ehelichen Betten und über den mit Spitzendecken belegten Wohnzimmertischen. Doch diese Erinnerung tut dem Maler unrecht. Die größte Sammlung seiner Bilder besitzt die Berliner „Alte Nationalgalerie“. Im Museumsshop kaufe ich eine Seife und ein paar Socken mit dem Rügen-Motiv „Mönch am Meer“. 

Auf einem Mini-Umweg schlendern wir am Neubau des Alfried Krupp Wissenschaftskollegs vorbei. Gegenüber, wo bis vor kurzem noch Häuser standen, steigt jetzt Caspar David Friedrich in Bronze aus dem Rahmen. Es ist ein intimes, anrührendes Denkmal entstanden.

7. Der Dom St. Nikolai

Durch die kleine Gasse gehen wir zum Dom St. Nikolai. Sein Turm bestimmt die markante Greifswalde Stadtsilhouette. Der heutige Bau wird um 1260 erstmals erwähnt und ist die Kirche der Hansekaufleute. Außen backsteingotisch, innen neogotisch 19. Jahrhundert. Für den damaligen Umbau gab es Entwürfe von Caspar David Friedrich, doch letztlich waren der Architekt Gottlieb Giese und der Tischler Christian Friedrich billiger. Wie Friedrich sind sie Schüler des Greifswalder Architekten und Malers Quistorp gewesen. 
Fast am Eingang hängt eines der ältesten Ausstellungsstücke. Die Rubenow Tafel. Sie zeigt inmitten einer Gelehrtenrunde einen der wichtigsten Männer der Stadt. Bürgermeister Hinrich Rubenow. Er gründete 1456 die „Universität Greifswald“ und hat der Stadt eine Lebensader verschafft. 
Auf dem Boden des Kirchenschiffes vor dem Altar liegt ein riesiger Wal. Er scheint gestrandet und ist doch nur eine Hülle aus Epoxidharz. Ein junger Mann beginnt mit uns Zweiflern das Gespräch. Der Wal ist ein Kunstobjekt. Wo aber ist Jona? Und wo Ninive?

8. Das Hauptgebäude der Uni und das Denkmal ihres Gründers

An der nächsten Straßenecke steht das alte ehrwürdige Hauptgebäude der Uni. 1750 wurde das Haus nach Verfall des Vorgängerbaus neu eingeweiht. Auf der einen Seite der Giebelfelder wacht das Preußische, auf der anderen das Pommersche Wappen. 
Gegenüber dieser Aula ragt das Rubenow-Denkmal in den immer noch hellgrauen Himmel. Am 17.10.1856, zum vierhundertjährigen Bestehen der Uni, wurde die wie eine abgeschlagene Kirchturmspitze aussehende Zinkgußarbeit enthüllt. Sie spiegelt die romantische Geschichtsauffassung. Vier Monarchen, vier Vertreter der Fakultäten und in der Mitte als Relief der Stifter der Uni Heinrich Rubenow. 

9. Die Greifswalder St. Jacobi Kirche 

Gegenüber liegt die aus Backsteinen aufgemauerte gotische St. Jacobi-Kirche. Sie ist die jüngste der drei großen Greifswalder Kirchen und stammt aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Hier sammelten sich die Pilger und liefen los nach Santiago de Compostela. Nicht ganz so strahlend wie die beiden anderen Kirchen ist sie zu Unrecht im Schatten der beiden Großen geblieben. Die dreischiffige Halle ist gotisch erhalten und im Gewölbe wacht seit 1410 der Weltenherrscher in einer farbigen Mandorla über die Gemeinde und ihre Besucher.
Am Verkaufsstand entdecke ich eine Postkarte mit einem mir unbekannten Motiv. Backsteine, dreimal tief eingeritzt. Die Kirchenwächterin verlässt ihren Platz, um mir das originale Motiv draußen an der Mauer zu zeigen. Die eingeritzte Struktur ist eine halb noch erhaltene Sonnenuhr.

Einst zeigte sie den Maurern die Tageszeit. Hier konnten die Arbeiter zusehen, wie der Feierabend und damit auch ihre Geldauszahlungen näher rückten. 
Schon senkt sich der Abend. Schnell verging unser Tag in der Altstadt von Greifswald.

Das waren die Reisefrequenzen. Heute unterwegs zu den Sehenswürdigkeiten in der Hansestadt Greifswald.

Tipps & Sehenswürdigkeiten in Greifswald für Euch:
Wo: Greifswald
Was: Ein Stadtrundgang
Food: Fisch 13, Schuhhagen 13.
Café Küstenkind, Lange Straße 28.
Der Markt mit seinen leckeren Frischeangeboten.
Natürlich Büttners (Restaurant im Pommerschen Landesmuseum)
Inspiration: Die Dichterinnen.
Alwine Wuthenow
Mien Modersprak
„Ik kann `t nich hochdütsch seggen,
Wat mi in`n Bussen sitt,
Dat is man halwet Schnacken,
Dat Best will doch nich mit.“
Sibylla Schwarz
Epigramma
„Du meinst ich soll dein noch gedencken und dich lieben /
ob du mich schon verläst / ey sey doch nicht so toll /
Ich habe dir ja offt vor disem schon geschrieben:
Daß niemand Eysen / Stein und Klöze lieben soll.“
Museum: Pommersches Landesmuseum.
Caspar-David-Friedrich-Zentrum.
Tipp: In 15 Stationen führt auf Spuren Caspar David Friedrichs ein Bildweg durch die Stadt. Gemälde Caspar David Friedrichs werden mit heutigen Blicken verglichen. http://caspar-david-friedrich-greifswald.de/caspar-david-friedrich-bildweg.html
Ausflug: Zur Klosterruine Eldena und nach Wieck zur Klappbrücke am Stadtrand von Greifswald.
♥️ Unser Lieblingsplatz: Der Markt, die Marienkirche, der Bilderweg.

Alle Empfehlungen sind subjektiv. Es gibt keine bezahlte Werbung auf den Reisefrequenzen.

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