Hallo! Sehnsucht nach Down Under? Im östlichen Brandenburg wird an einen Lebensweg nach Australien erinnert. Zwischen Trebatsch, dem Schwielochsee und Cottbus liegt das Ludwig Leichhardt Land. Hier hat der berühmte Forscher und Entdecker Friedrich Wilhelm Ludwig Leichhardt seine ersten 18 Lebensjahre verbracht, hier konnte er eine weiterführende Schule besuchen und auf langen Wegen Naturerfahrung, Mut und Stärke sammeln.
Das Ludwig Leichhardt Land ist eine Marketingidee vielfältiger Inspirationen und Erinnerungen an die brandenburgischen Lebensstationen des im australischen Outback verschollenen weltbekannten Wissenschaftlers.
Sechs Stationen erinnern an sein Leben:
1. Trebatsch – Erinnerungen im Geburtsort Ludwig Leichhardts
Am 23.10.1813 wird Ludwig Leichhardt in Trebatsch geboren und wächst mit acht Geschwistern im Ortsteil Sabrodt auf.
Trebatsch ist eine kleine Siedlung, am Ortsrand fließt die Spree vorbei, auf den ersten Blick unterscheidet sie sich kaum von anderen Dörfern Brandenburgs. In der Ortsmitte scheint das einst königliche Gut dem Verfall zu widerstehen und gegenüber dominiert die neogotische Kirche nach dem Abriss der alten Schule den grasbewachsenen Platz.
Unvermutet sticht farbenfrohe Street Art aus der Szenerie. An der großflächigen Wand des alten Milchhauses schaut Leichhardt aus einem Bilderrahmen auf das Outback während die Regenbogenschlange Wanambi sich als Mythos der Aborigines aus dem fruchtbaren Regenwald in die rote Wüstensteppe des Binnenlands schlängelt.

Gegenüber zeigt eine von Steffen Böttcher gestaltete 2,40 m hohe hölzerner Skulptur Ludwig Leichhardt in seiner Expeditionsausrüstung. Im Sockel ist sein Kürzel L.L. eingraviert – es war eines der letzten im Outback gefundenen Zeichen seiner Existenz. Vor der von Friedrich August Stüler konzipierten Kirche steht ein Gedenkstein am Ludwig-Leichhardt-Platz.
TIPP/INFO: Vor dem Wandgemälde gibt es einen Picknickplatz und an der Hauptstrasse in 5 Fußminuten Entfernung eine Bäckerei. Erklärtafeln bieten detaillierte Infos.
Wenige Minuten weiter östlich steht vor dem kleinen Museum eine Stele mit der geschnitzten Tierwelt Australiens. In vier Räumen zeigt die Ludwig-Leichhardt-Gesellschaft Erinnerungen an das dörfliche Leben und den Forscher, der seine Heimat auf der Suche nach neuen Horizonten verlassen hat.
TIPP/INFO: Ludwig-Leichhardt-Museum: http://www.leichhardtland.de/de/ueber-uns/leichhardt-museum-trebatsch.html Öffnungszeiten nach telefonischer Vereinbarung unter 01759683070
2. Leichhardt Trail – Folge dem Känguru
Leichhardts Taufpate Pastor Rödelius finanziert ihm wahrscheinlich teilweise das Gymnasium in Cottbus und Ludwig wandert mehrmals auf vermutlich dieser Strecke zwischen Elternhaus und Schulort hin und her.
Der Leichhardt Trail ist ein 54 Kilometer langer Rad- und Wanderweg der mit einem schwarzen Känguru auf gelbem Grund markiert ist. Die Route führt von Trebatsch am Schwielochsee entlang nach Goyatz, über Mochow und Byhlen durch den Spreewald nach Briesen, zum Oberkirchplatz in Cottbus nach Branitz.
Für kürze Wanderzeiten gibt es kleinere Runden, unterwegs steht eine Schutzhütte und Infotafeln verweisen auf Besonderheiten.
TIPP/INFO: https://www.leichhardtland.de/de/ludwig-leichhardt/das-leichhardt-land.html
3. Campingplatz „Ludwig Leichhardt“ – Tasmanische Bennett Kängurus
Auf dem Campingplatz Ludwig Leichhardt leben in einem öffentlich zugänglichen Gehege vier Kängurus, zwei große und zwei kleine. Sie sind gut zu beobachten, leben unter der Schirmherrschaft der australischen Botschafterin und wurden aus den Zoologischen Gärten in Cottbus und Nürnberg geliehen.
4. Zaue – Leichhardts Lernort Marienkirche
Unter dem blauen Wolkenhimmel der prachtvollen alten Feldsteinkirche in Zaue arbeitete Pastor Rödelius. In den frühen 1820er Jahren konnte sich Vater Leichhardt für zwei seiner Söhne den Unterricht beim Pastor leisten. Damit begannen Ludwigs lange Wege, 5 Kilometer nach Zaue und 5 zurück. Zusätzlich zum üblichen Unterricht unternahm Rödelius mit seinen Schülern Ausflüge in die Umgebung und vermittelte ihnen Grundwissen der Naturwissenschaften. Sie präparierten Schmetterlinge, legten Herbarien an und zogen selber Pflanzen. (Leichhardt, H.W.Finger)
Tipp/Info: Marienkirche Zaue, Di – Fr 10 – 17 Uhr, vorher telefonische Vereinbarung unter 0335478-178388


5. Goyatz – Leichhardt-Statue Down Under im Schwielochsee
Am schönen Badestrand des Kleinen Schwielochsees steht nah am Ufer eine bläuliche Stele im Wasser. Sie zeigt den Umriss eines Mannes einmal aufrecht und einmal kopfüber. Die doppelte Figur präsentiert Ludwig Leichhardt, der als Junge wahrscheinlich am jetzigen Leichhardt-Strand gebadet hat und später als Forschungsreisender auf der Südhalbkugel quasi kopfüber stand. Die Stele ist mit Texten aus Leichhardts Feder beschriftet und zeigt die Blattrisse zweier von ihm klassifizierter Pflanzen. Sue Hayward, die aus Brisbane nach Brandenburg kam, gestaltete das Denkmal aus Glas und Stahl.
Tipp/Info: In Goyatz gibt es den offiziellen eintrittfreien Badestrand „Leichhardt“ und ein italienisches Restaurant am See.

Ludwig Leichhardt studierte nach dem Cottbusser Abitur in Berlin und Göttingen. Mit einem Studienfreund ging er nach London, wurde fahnenflüchtig ausgebürgert, reiste mit nunmehr britischem Pass durch Frankreich, Italien und die Schweiz. Reiselustig und entdeckerfreudig studierte er Naturgeschichte, Philosophie, Botanik und Physik. Schließlich ging er ohne Abschluss auf die große Reise. Am 1.10.1841 bestieg er das Segelschiff Sir Eduard Paget nach Australien. Nachdem zwei Bewerbungen in Sydney erfolglos blieben, begann er mit der Erforschung des für Europäer weitgehend unbekannten Kontinents. Ihm gelang die erste Erkundung eines Landweges durch den Kontinent, er kartierte den Nordosten, entdeckte die größten Steinkohlevorkommen. Seine drei großen legendären Expeditionen trugen wesentlich zum Verständnis der Flora und Fauna Down Unders bei und machten ihn berühmt. Nach ihm sind ein Fluss im Nordwesten von Queensland, ein Gebirgszug, zahlreiche Tierarten, 33 Pflanzenarten, ein Stadtteil von Sydney und ein Ortsteil von Ipswich bei Brisbane benannt. 1848 blieb er zusammen mit seinen sieben Begleitern, 20 Maultieren und 50 Ochsen für immer im Outback verschollen. Die unterwegs von ihm in Holz und Stein eingeritzten Initialen L.L. wurden zu seinen letzten Zeichen. Ludwig Leichhardt war ein kluger abenteuerlustiger Brandenburger der über Grenzen ging. Außergewöhnliche Wege beginnen oft an unscheinbaren Plätzen.
6. Cottbus – Ein Denkmal statt der Schule
Am Friedrich-Wilhelms-Gymnasium, dem ehemaligen Lyzeum, macht Ludwig Leichhardt nach sieben Cottbusser Unterrichtsjahren 1831 das Abitur. Anschließend geht er zum Studium an die Universität nach Berlin.
Das alte Schulgebäude neben der Oberkirche wurde im 2. Weltkrieg zerstört und später abgetragen. Seit 2019 steht auf dem Oberkirchplatz das bronzene Ludwig Leichhardt Denkmal. Die Statue ist eine Kopie einer Skulptur am imposanten Lands Department Building/Sydney.
Fazit
Für Australienfans und für junge Entdecker ist die Reise durch das „australische“ Brandenburg ein Vergnügen mit einem spaßigen Augenzwinkern. Eine Sehnssuchtstour! Die liebevoll gestalteten Infos zu Ludwig Leichhardt sind informativ und abwechslungsreich. Auch der Schwielochsee als größter natürlicher See in Brandenburg ist ein attraktives Ziel: Baden, Angeln, Ausflugsdampfer oder am Ufer entlang wandern auf den Spuren des Kängurus.
Das waren die Reisefrequenzen, heute auf den Spuren von Ludwig Leichhardt im Leichhardt Land zwischen Schwielochsee, Spreewald und Cottbus.