Hallo! Hier geht’s mit den Reisefrequenzen ins sagenhafte Auenreich nach Lenzen in die nordwestlichste Ecke von Brandenburg. Die kleine Fachwerkstadt Lenzen liegt im geschützten Biosphärenreservat der Elbe-Flusslandschaft.
Der Fluss ist die Grenze zwischen Brandenburg und Niedersachsen und selbst auf Brandenburger Seite sehen Dörfer und Siedlungen niedersächsisch aus.
Die Umgebung von Lenzen ist perfekt für alle, die in die Weite schauen wollen. Für Naturfans, die das Besondere suchen. Für Wissbegierige im sagenhaften Auenreich und dem BUND-Auenzentrum, für Radler nicht nur auf dem Elberadweg, für Deichspaziergänger, Grenzturmbesteiger und Ruhesuchende. Einen besonderen Reiz hat das Biosphärenreservat der Elbtalauen im späten Sommer und Herbst wenn die Zugvögel ziehen.



Inhalt:
1. AuenReich und BUND-Zentrum Burg Lenzen
2. Mödlich am Elbedeich
3. Fähre, Eis und Grenzturm an der Elbe bei Lenzen
4. Infos
1. Leidenschaft für Niederungen – Das AuenReich in Lenzen
Das AuenReich in Lenzen gleicht einem verwunschenen Zauberland nicht weit entfernt von Mittelerde. Zwischen stillen Wasserläufen und uralten Bäumen leben hier geheimnisvolle Wesen in ihrem ganz speziellen Universum. Im Herzen des Biosphärenreservats Elbe-Brandenburg entfaltet sich die wunderbare Fülle einer kostbaren Naturlandschaft. Das AuenReich in Lenzen ist ein genussvoller Lernort um die alte Burg am Rand der Stadt.
Im Hauptgebäude der erstmals 929 als Lunkini erwähnten Burg von Lenzen bedient das ahead Burghotel seine Gäste mit veganen Speisen und schönen Zimmern. In die alten Wirtschaftsbauten ist das BUND-Auenzentrum eingezogen. Hier gibt es Infos, Kartenmaterial und den Schlüssel zur Turmbesteigung. Verschiedene Ausstellungen und fachkundige Führungen vermitteln Wissenswertes über die sehr spezielle Flora und Fauna der Elbtalauen.
Hinter einer metallenen Gartenpforte beginnt das Auenreich am Flüsschen Löcknitz. Der weitläufige Burgpark ist in die Farbpalette „Grün“ getaucht und schillert in Nuancen. Auf einem Rundweg erklären sechs Stationen die Bedeutung der Flussniederungen für Hochwasser- und Klimaschutz. Von hölzernen Stegen und einer schwebenden Plattform aus lässt sich spielerisch die artenreiche Natur erkunden. Dazwischen verstecken sich moderne Kunstwerke und Sinnsprüche regen zum Nachdenken an. Der nur 20 mm große Bachflohkrebs schwimmt mit seinen beiden Antennen und tatsächlich 14 Beinen seitwärts durch das flache Wasser, Moorfrosch, Rotbauchunke und Knoblauchkröte gehören zur Amphibienvielfalt. Am Ende des Weges laden zwei Liegen zum Entspannen ein. Mit geschlossenen Augen schleicht sich das Rascheln, Plätschern und Zwitschern leise in die Ohren ein. Auwälder sind eine Lenzener Leidenschaft. Südlich der Stadt können nach der größten Deichrückverlegung Deutschlands die „Lenzener Elbtalaue“ seit 2011 wieder im Wechsel von Trockenheit und Überflutung wachsen. Dort lässt sich der ungestörte natürliche Rhythmus per Rad, per Boot oder zu Fuß erkunden.


2. Auf dem Elbdeich bei Mödlich – Reetgedeckte Fischerkaten und 150 Vogelarten
Vor dem Elbdeich öffnet sich eine stille, fast unberührte Landschaft weit bis zum Horizont. Die Gräser wiegen sich leise und irgendwo in der Ferne verbirgt sich die Elbe in ihrem Bett. In ihrem Überflutungsgebiet bilden einsame Teiche und Tümpel eine eigene Welt für Flora und Fauna. Wachsam steht ein Reiher im Schilf während der Mäusebussard laut in die gigantische Ruhe kreischt.
Die Elbtalauen zwischen Brandenburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern sind ein einzigartiges Naturereignis und Schutzgebiet mit dem Deich als überlebenswichtige Investition. Hinter dem kleinen Dorf Mödlich wurde er vom niederländischen Admiral Arnold Gysels van Lier nach dem 30jährigen Krieg wieder aufgebaut. Gysels van Lier arbeitet für die niederländische Ostindische Kompanie im heutigen Indonesien bevor er nach Mödlich an die Elbe kam. Der welterfahrene Deichgraf beauftragte niederländische Fachkräfte mit der erfolgreichen Reparatur des Deichssystems in der Lenzener Wische. Heute verläuft ein Abschnitt des Elberadwegs auf der Krone des Deiches und bereitstehende Bänke laden zur Pause während eines Spaziergangs ein. Über 150 Vogelarten nutzen die Elbtalauen zu unterschiedlichen Jahreszeit als ihr Revier und ihre gelassene Beobachtung ist ein Vergnügen. Bei Elbhochwasser drückt das Qualmwasser unter dem Deich hindurch und füllt tiefer liegende Senken. So entsteht ein perfekter Lebensraum für kleine Amphibien und Insekten. Hinter dem Deich liegt das Marschhufendorf Mödlich mit seinen an der Dorfstraße weiträumig aufgereihten Gehöften. Reetgedeckte Häuser, Fischerkaten – hier sieht Brandenburg aus wie Norddeutschland! In der Dorfkirche ist der Deichgraf Admiral Gysels van Lier mit seiner Tochter begraben. Mödlich ist ein Dorf mit Flair zum Verweilen. Im idyllischen Elbeglück oder dem ansprechend modernen Hotel Fischerkate kann man gut übernachten, im gemütlichen Café Elbeglück eine Kartoffelsuppe mit Storchenbier genießen. Am Ende des Dorfes steht auf dem Deich Bernd Streiters Skulptur des mythologischen „Charon“ – für den glücklichen Übergang in ein anderes Universum.



3. Weitblick statt Grenzen – Fähre, Eis und Grenzturm bei Lenzen
Die Elbe fließt durch flache Auen, breitet sich aus und wird wieder schmaler, glitzert unter dem großen Himmel und sucht sich ihren Weg gen Norden. Die weiße Fähre „Westprignitz“ pendelt zwischen Lenzen und Pevestorf um Brandenburg mit Niedersachsen zu verbinden. Bei jedem Wetter ist das kleine Fährschiff unterwegs, seit der erste Fährmann Erich Butchereit 1991 die Trennung durch den Fluss nicht länger hinnahm. Direkt am Fähranleger kann man einen der alten Grenztürme – Typ BT9 aus den 1970er Jahren – besteigen. Eine neue Wendeltreppen führt außen am Turm in die Höhe, Infotafeln geben Hinweise zur Geschichte des Grenzabschnitts und dem Grünen Band des Biosphärenreservats Flusslandschaft. Für die Elbe war die jahrzehntelange Teilung ein glücklicher Gewinn. Sie wurde weder kanalisiert noch an ihren Ufern bebaut sondern konnte sich ungestört und wild entfalten. Vom Dach des Grenzturms bietet sich ein phantastischer Ausblick auf ihren Lebensraum. Nach dem Abstieg sind es nur wenige Meter bis zum Café Eisvogel auf dem schwimmenden Ponton im kleinen Sportboothafen von Lenzen. Im Liegestuhl Eis oder Cocktails auf dem Wasser genießen!


4. Infos zum Besuch der Elbtalauen in und um Lenzen
Hinkommen:
Zum Beispiel mit dem Zug bis Wittenberge, weiter mit Bus 944 ca. 40 Minuten bis Lenzen
Lenzen:
– Besucherzentrum Burg Lenzen, Burgstraße 3, 19309 Lenzen, www.burg-lenzen.de
– Ahead Burghotel, Burgstraße 3, 19309 Lenzen, www.aheadhotel.de
– Café Eisvogel, Am Sportboothafen, 19309 Lenzen (ca. 30 Minuten Fußweg vom Stadtzentrum durch die Auen, direkt am Elberadweg)
– Grenzturm Lenzen, direkt am Elbradweg
– Fähre Westprignitz, Lenzen – Pevenstorf, tagsüber bis 20 Uhr, verkehrt nicht bei Niedrigwasser
Mödlich:
– Café Elbeglück, Lenzener Straße 13, 19309 Lenzen
– Pension Elbeglück, Ferienhäuser und Appartements zur Übernachtung
– Hotel Fischerkate, Lenzener Straße 35, 19309 Lenzen