Beelitz. Landesgartenschau, Spargel satt und ein herausgeputztes Städtchen.

Hallo! Hier sind die Reisefrequenzen. Heute unterwegs in der Spargelstadt Beelitz am Rande der Zauche südwestlich von Potsdam. Unterwegs in den Straßen und Gassen der kleinen Ackerbürgerstadt und auf dem blühenden Gelände der brandenburgischen Landesgartenschau 2022.

Der Spargel aus Beelitz
Seit 2013 hat Beelitz einen vielversprechenden Zusatz im Namen und ein ebensolches Marketing. „Stadt mit Köpfchen“ ist das Motto der
13 000 Einwohner und ihrer Heimat. Die Köpfe des Slogans sind der Kirchturm der Stadtkirche und die Spitzen des Spargels. 
Auf über 1.600 Hektar Fläche wird rund um Beelitz das weiße Gemüse angebaut. Es ist das größte Spargelanbaugebiet Brandenburgs und eines der großen in Deutschland. Die schmalen Stangen lieben den heimischen Sandboden und das spezielle Beelitzer Klima. Es ist trocken und im Vergleich zu allen anderen deutschen Standorten zeigen sich hier die geringsten Temperaturschwankungen im Jahresverlauf.

Die kleine über 1000jährige Stadt lässt den zarten, vornehm anspruchsvollen weißen Stangen dezent den Vortritt. Überall sind sie zu sehen. Auf Schildern, auf Wappen, als Kunst, an Verkaufsständen und garantiert auf dem Teller. Nur in diesem Jahr hat der Spargel Konkurrenz. Vor den Toren der Stadt, in den Auen des Flüsschens Nieplitz und mitten im altstädtischen Herzen blühen die Gärten. Die Landesgartenschau LAGA 2022 hat ihre Pforten geöffnet.

Beelitz. Landesgartenschau, Spargel satt und ein herausgeputztes Städtchen.

Vor dem Eingang liegt ein riesiger geschotterter Parkplatz. Staubwolken wirbeln. Die Expressbuslinien X41 vom Bahnhof und der Bus X40 halten hier. Doch bei soviel Ödnis auf einem Platz werde ich skeptisch. 17 Euro kostet der unermäßigte Eintritt.
 
Landgartenschau Beelitz 2022  
 Nachdem wir die hölzernen Kassen passierten öffnet sich das Reich der ungezählten Blüten. Bunte kreisförmige Beete in frischer Frühjahrbepflanzung laden zum virtuellen Cocktail ein und sorgen von Anfang an für gute Stimmung. Rot blüht im Rondell Bloody Mary und grün der Mojito. In Blau keimt dazwischen der ebenfalls kreisrunde Swimmingpool, am gewachsenen Strand steht ein Liegestuhl. Alles ist frisch und gerade gesprossen. Tulpen und Narzissen und dazwischen kein fremder Halm. Am Ufer der Nieplitz steht ein Schiff im Sand, hier gibt es eine reale Cocktailbar.

Beelitz. Landesgartenschau, Spargel satt und ein herausgeputztes Städtchen.

Die Wiesen explodieren in Tulpen und Narzissen. Ein Wunder zu schauen! Das Gelände ist großzügig, abwechslungsreich und sehr vielfältig angelegt.
Wir erkunden die Show mit ihren zahlreichen Blütenträumen. Die Apfelbäume zeigen ihre weißzarten Blätter, japanische Kirschen stehen im dunkleren rosa. Ein ehemaliges Klärbecken birgt jetzt gelbe Sumpfdotterblumen und andere wasserliebende Pflanzen. Kurz vor dem riesigen Geräteschuppen der LAGA informiert ein Logistikbataillon der Bundeswehr über die eigene Arbeit. Auf grünen Rasenflächen stehen Stühle, gemütliche Liegen und Bänke in Spargelform für eine Pause. Entspannung ist allgegenwärtig.

Eine kleines Amphitheater wartet auf Veranstaltungen. Und am Ende aller Blumenmeere, nachdem wir an den künstlichen besetzbaren Holsteiner Kühen vorbeischlenderten, sahen, wie ein Wal im See versank und alte farbig bemalte landwirtschaftliche Geräte bestaunten, stehen die kleinen Hütten eines nachgebauten Slawendorfes. So wie es einst in der Nuthe-Nieplitz-Niederungen war.

Die LAGA ist voller Liebe zum Detail und voller Entdeckungen. Ein vielfältig und ideenreich gestaltetes Terrain. Es gibt barocke Ecken und romantische Winkel. Streuobstwiese über Blütenteppichen mit Bäumen für Fabienne, Denis und Louise.

Und fantastische Spielplätze. Auf einem ist alles auf Spargel, auf einem anderen spielt die Musik. Das Cello ist eine Rutsche und auf der Oboe lässt sich schön wippen. Etwas entfernt sitzen drei kleine Damen auf einer Treppe und kühlen ihre Füße.  

An einer sumpfigen Stelle liegt eine goldene Kugel, ein Miniaturtisch ist für eine höfische Gesellschaft gedeckt, während der Froschkönig lässig am Rande des Stegs sitzt. Die Mühlenremise für Kunstausstellungen ist noch eine Baustelle, aber was ist schon Kunst angesichts des Gartens.

Die Stadt Beelitz
Am Ausgang zur Stadt grüßt im Vorübergehen freundlich die Spargelkönigin in ihrem Kostüm und macht auf das Spargelmuseum aufmerksam. Der Spargel ist einfach immer schon da. Asparagus, aus griechisch der „Nicht-Gesäte“, wild wachsende.
Der Hof der Alten Posthalterei bietet Selbstbedienungsgastronomie in ansprechendem Ambiente. Im Durchgang steht eine alte Postkutsche und ein schönes barockes Treppengeländer begleitet die Stufen nach oben ins Haus. Die Alte Posthalterei wurde im Jahr der Französischen Revolution erbaut. 1789 war Beelitz Postkutschenstation und heute ist das Gebäude ein Museum. Wir erfahren alles über das Reisen zu beschwerlichen Zeiten. Dann öffnet sich vor uns die alte Stadt Beelitz mit einem Blumenmeer. Eine Tafel notiert die Ankunft zweier Störche am 31.03.2022. Doch obgleich wir unsere Köpfe in der Stadt drehen und wenden entdecken wir keinen Horst.
In der Buchhandlung nebenan gibt es Bücher über Blumen und Pflanzen und Spargel. Die Straßen sind akkurat gepflastert, die Häuser in rosa und hellgrün herausgeputzt und jede Baumscheibe abwechslungsreich bepflanzt.

Beelitz war schon zur Bronzezeit bewohnt und wurde 997 als Belizi erstmals urkundlich erwähnt. Vermutlich. 1861 sproß der erste Spargel großflächig auf den Feldern. Der professionelle Pionier war der Glasermeister Karl Friedrich Wilhelm Herrmann. 1928 hatte Beelitz zwar keine Postkutschenstation mehr, aber zwecks modernerer Kommunikation eine Übersee-Empfangsstation der Firma Telefunken und später der DDR-Post. Von Beelitz nach Peking, Kairo, Havanna und Moskau.
Auf dem Kirchplatz stehen die stylischen Buden des täglichen Regionalmarktes. Pflanzen, Zwiebeln, Saaten, handgemachte Gartenwerkzeuge, Soljanka und selbstverständlich Spargel werden verkauft. Wir entscheiden uns für den Einkauf beim Gitarre spielenden Spargelanbieter.
Vor uns erhebt sich die backsteinerne gotische Stadtpfarrkirche Sankt Marien und Sankt Nikolai. 1247 wurde sie urkundlich erstmals erwähnt, aus dieser Zeit stammen auch die Feldsteine in ihrer Fassade. Später wurde umgebaut und die dann dreischiffige Hallenkirche musste von außen mit Strebepfeiler gestützt werden. Uns fällt ein achteckiges Nebengebäude auf. Diese Wunderblutkapelle wurde nach einem Blutwunder einer Hostie erbaut und zeigt ein faszinierendes Gewölbe.

Im Inneren ist die Kirche ein einziges Blumenmeer. Von der Empore wachsen Orchideen, das Kirchenschiff ist eine Woge aus dem Blau der Hortensien, die in der feuchten Kühle des Raumes gedeihen. Bis zum Altar und der Kanzel klettern und ranken die Blüten und Pflanzen. Ein paradiesisches Refugium.
Erfüllt und erschöpft machen wir Pause im Café Alte Wache 1903. Es gibt Waldbeerentorte und Käsekuchen mit Baiser, der beste seit Jahren.
Wir haben in Beelitz die Blaue Blume gefunden.

Das waren die Reisefrequenzen, heute in der Spargelstadt Beelitz mit Besuch der Landesgartenschau 2022.

Beelitz. Landesgartenschau, Spargel satt und ein herausgeputztes Städtchen.

Tipps, Öffnungszeiten, Infos für den Besuch in Beelitz
Was: Besuch in der Stadt Beelitz und der LAGA 2022
Wo: Beelitz
Hinkommen: Bahn R 7 von Berlin nach Dessau, Halt in Beelitz-Heilstätten. Kostenlose Expressbuslinie X41 zum LAGA-Haupteingang. Linie 33 der ODEG von Berlin-Wannsee nach Jüterbog. Von Potsdam aus Expressbuslinie X43
Öffnungszeiten LAGA Beelitz: täglich 9 – 18/19 Uhr https://laga-beelitz.de/landesgartenschau/
Öffnungszeiten Spargelmuseum: täglich 10 – 18 Uhr https://beelitz.de/spargelmuseum/
Öffnungszeiten Posthalterei/Heimatmuseum: Di, Mi, Do 10 – 16 https://www.museum.de/museen/alte-posthalterei-museum-beelitz
Am Ortsrand: Beelitz-Heilstätten. Ehemaliges Lungensanatorium. Lost Place und Baumwipfelpfad. https://baumundzeit.de/
♥️ Unser Lieblingsort: Zwischen den Blüten der LAGA. In und um die Kirche in Beelitz.





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