Blankensee. Ein anglo-italiano Paradies in der Mark Brandenburg.

Wiese mit Mohn- und Kornblumen
Brandenburg
Blankensee. Ein anglo-italiano Paradies in der Mark Brandenburg.
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Hallo! Hier geht’s zu den Reisefrequenzen. Heute nehmen wir Euch mit auf einen Ausflug nach Blankensee bei Trebbin. Mit Informationen und Tipps zum gleichnamigen Dorf, zum Schloss und Park in Blankensee, zum Bohlensteg am Blankensee und dem nahen Uferweg.

Eine Tour nach Blankensee und damit zu einem Ort, an dem wir eine überraschende, verträumte und typisch märkische Mischung aus italienischer Architektur und englischem Garten finden. Das ist in Brandenburg nicht schwer, es gibt römische Bäder, palladianische Villen, italienische Belvedere und die nach englischen Vorbildern angelegten Parkanlagen von Joseph Peter Lenné. All das besticht nicht nur durch die Eindrücke aus fernen Ländern, sondern auch durch die unbestechliche märkische Natur.

  • Inhalt
    1. Spaziergang durch das Dorf zum Bohlensteg am Blankensee.
    2. Der Schlosspark und die Schriftsteller Fontane und Sudermann in Blankensee.
    3. Der Dichter Sudermann wird Schlossbesitzer.
    4. Eine kleine Wanderung zur gotischen Ruine und dem Aussichtsturm in der Feldmark.
    5. Tipps, Öffnungszeiten und Sehenswürdigkeiten in Blankensee

Blankensee liegt 40 km südlich der Berliner Stadtgrenze im Naturpark Nuthe-Nieplitz-Niederung in der Nähe der Stadt Trebbin. Ab Trebbin haben wir den „Kranich-Express“ bestellt, der Rufbus bringt uns in 15 kurzen Minuten an den Blankensee. Die Reise geht ins Zweistromland von Nuthe und Nieplitz direkt zum Blankensee, der Perle einer kleinen Kette.
Bei unserem ersten Besuch waren wir in Corona-Zeiten erprobt und vorbereitet. Im kleinen Rucksack ist das Baumwolltäschchen mit dem Mund-Nasen-Schutz, das Desinfektionsspray, die Wasserflasche, etwas Proviant für den Fall, dass alle gastlichen Tische belegt oder geschlossen sind und, altmodisch schön, die Wanderkarte.
Inzwischen schlendern wir immer wieder mal durch Blankensee, es ist einfach schön.
Ein Fernglas lohnt sich für den Weitblick am See und ein Notizbuch für unsere Inspirationen an diesem literarischen Ort hätte uns das Schreiben auf den Rändern der Bäckertüte erspart. Aus den Straßenverkäufen der Anlieger und der Bäckerei in der Ortsmitte sind frischer Salat, Kräuter, ein Glas Honig und leckerer Rhabarberkuchen in den Rucksack gewandert. Dazu und gut verpackt noch ein Stück geräucherter Aal aus der Fischräucherei Brauße.

1. Spaziergang durch das Dorf zum Bohlensteg am Blankensee

Über den Alleen aus Eichen, Kastanien und Buchen wölben sich frischgrüne Blätterdächer, auf den Feldern steht das Getreide und am Wegesrand blühen rote Mohnblumen und blaue Kornblumen. Die Hecken sind gesprenkelt voll rosafarbener Rosen. Um den See zieht sich ein Band aus Teichen, Sumpfgebieten und Feuchtwiesen, am Ufer stehen Erlen. Ein Schilfgürtel trennt Mensch und See. Nein, zum Baden ist es nichts. Die Frösche quaken.

Junges Schilf am Blankensee
Das Ufer des Blankensees.

Das weite Grün eines brandenburgischen Märchens, unspektakulär und verwunschen. Der Naturpark Nuthe-Nieplitz ist fast doppelt so groß wie Hamburg, er wurde 1999 gegründet und hat 30.000 Einwohner. Während in Berlin 4.000 Menschen auf jedem km2 leben, sind es im Naturpark Nuthe-Nieplitz 48. Es bleibt viel Platz für Flora und Fauna. Der Bohlensteg am Blankensee ist zu jeder Jahreszeit ein entspannter Ort. „Wer den Blankensee hat braucht kein Meer“ steht schwungvoll geschrieben auf einem Holzschild vor der optimalen Vogelbeobachtungsbrücke.

Je nach Jahreszeit streifen Störche und Kraniche umher, der Seeadler öffnet seine Schwingen, der Kuckuck ruft und nach dem seltenen Ortolan ist im nahen Dorf Stücken ein Wanderweg benannt. Sie sind alle Weitgereist. Ob sie auch das Gefühl der Sehnsucht kennen? Im wilden „Rauhen Luch“ lebt der fleischfressende Sonnentau und über die Ungeheuerwiesen hoppelt ein Haase.
Früher hieß die Gegend um Blankensee der „Thümensche Winkel“, benannt nach Familie von Thümen, die bis 1902 die Erb-, Lehn- und Gerichtsbarkeit von Blankensee und Stangenhagen innehatten. Seit 1340 gehörte der Winkel zu Sachsen-Wittenberg und blieb bis 1815 kursächsische Enklave im preußischen Brandenburg. Er war die letzte Rettung für Deserteure der preußischen Armee.

Inmitten dieser Naturschönheit steht das alte Herrenhaus, nun Schloß Blankensee genannt, um etwas Großartiges daraus zu machen. Das haben weder Haus noch Gegend nötig.

Brücke im Park des Schlosses in Blankensee
Die weiße Brücke im Schloßpark Blankensee

2. Der Schlosspark und die Schriftsteller Theodor Fontane und Hermann Sudermann in Blankensee

Wir schlendern durch den Ortskern und kommen zum Tor des Schlossparks. Dahinter eine kurze Allee, der auch Kaiserallee genannte Hauptweg ist mit Büsten römischer Imperatoren aus dem 17. bis 19. Jahrhundert bestückt. Mit ein paar Schritten ist das Herrenhaus von Blankensee erreicht. Gegenüber blühen die Kastanien rot über einer Balustrade.
Familie Thümen ließ eine Burg bauen und nach verschiedenen Veränderungen entschied sich Amtshauptmann Christian Wilhelm von Thümen 1739 zum fast vollständigen Neubau des Hauses im märkischen Barock. Theodor Fontane hat es später gut gefallen:

„Am schönsten gelegen ist das Herrenhaus. In Front ein Elsenbruch, an den Flügeln breite Seespiegel, und zwischen Schloss und Park ein Wasserlauf, (…) – das ist in großen Zügen die Szenerie.“

Heute kann man hier heiraten oder in geschlossener Gesellschaft feiern.

Skulptur im Park des Schlosses Blankensee
Skulptur im Park von Blankensee

Der Park ist ein verwunschener Traum, ein englisches Gartenparadies. In der Ferne leuchtet weiß eine der Brücken, verschlungene Wege führen neben Wasserläufen. Für die Gestaltung solch verträumte Gärten gab es in Brandenburg den einen großen Zauberer. Joseph Peter Lenné. In der Plankammer von Sanssouci liegt unter den Zeichnungen des Königlichen Preußischen Garten-Directors Lenné ein „Situationsplan Blankensee“ von 1832. Hans Hermann von Thümen träumte von einem modischen englischen Garten und Lenné skizzierte ihn. Drei Arme der Nieplitz trennen den 4,5 Hektar großen Park in drei Bereiche und so spazieren und fotografieren wir durch immer neue Perspektiven.

1902 war für die von Thümens in Blankensee alles vorbei. Der letzte von Thümen, Arthur Victor, musste das Gut mit 10.000 Morgen für 2,5 Millionen Mark verkaufen. Käufer war zunächst die Deutsche Aktiengesellschaft. Ihr Geschäftsmodell war der Kauf landwirtschaftlichen Besitzes zum gewinnbringenden Weiterverkauf zwecks Wohnbebauung. Vom Verkauf der Thümens profitierte ein guter Freund Victors, der sich in den Jahren zuvor schon gerne und begeistert in Blankensee aufgehalten hatte. Der Schriftsteller Hermann Sudermann. Er war schon länger auf der Suche nach einem Landsitz. Schließlich waren Landsitze en vogue, Industrielle wie die Borsigs hatten einen, Rathenau war noch auf der Suche und Bankiers wie die Gutmanns oder Familie Bleichröder besaßen ebenfalls ihre Landgüter. Hermann Sudermann plante in Blankensee eine Siedlung für wohlhabende Berliner, ähnlich dem Alsenviertel in Berlin-Wannsee. Doch die nächstgelegene Bahnstation ist in Trebbin und der Weg über Kopfsteinpflasterstraßen mitsamt Gepäck und Personal beschwerlich. So blieb es bei Sudermann und seinem Schloß.

3. Der Dichter Hermann Sudermann wird Schlossbesitzer in Blankensee

Hermann Sudermann, ein fast vergessener aber damals sehr erfolgreicher Schriftsteller und Bühnenautor. 1857 wurde er als Sohn einer einfachen Bierbrauerfamilie in einer Kate in Maztiken, heute Litauen, geboren. In Elbing besuchte er die Realschule, kam nach Berlin und feierte Erfolge im Lessingtheater, das in der Nähe des heutigen Berliner Hauptbahnhofes stand. Sein großer dramatischer Triumph war „Die Ehre“ und sein erfolgreichstes Stück hieß „Heimat“, 1893. Später wurde es mit Zarah Leander von den Nationalsozialisten missbrauchend verfilmt. Sudermann war Chefredakteur einer liberalen Zeitung, setzte sich gegen Zensur zur Wehr, schrieb naturalistische sozialkritische Stücke. Seine Kritiker Alfred Kerr und Alfred Polgar warfen im eine „kurzsichtige Flachheit“ vor. Heute sind, wenn überhaupt, seine „Litauische Geschichten“ sein bekanntestes Werk.  Das Haus in Blankensee ist sein sichtbares Vermächtnis und Zeichen seines sozialen Aufstiegs.
Sudermann beauftragte den Berliner Architekten und Baurat Otto Stahn mit Um- und Anbauten am Haus und der Veränderung des Gartens. Der englische Garten mit seinen Sichtachsen und der geplanten Natürlichkeit wurde italienisch möbliert. Es entstand ein Rundtempel, eine Loggia und 1927, ein Jahr vor dem Tod Hermann Sudermanns, der italienische Garten. Marmorbänke laden in den Nischen der Hecken zum Verweilen, die Statue der Venus wartet an ihrem Teich, Pomona und Flora stehen im Lennéschen  Parkteil. Den Rand einer Wildblumenwiese zieren die Skulpturen der vier Jahreszeiten und Chronos, die Zeit. Götter und Göttinnen tauchen unvermutet zwischen dichtem Baumbestand auf, Vasen stehen auf Sockeln im hohen Gras. Die meisten Skulpturen brachte Sudermann von seinen Reisen nach Italien zurück. Nur Flora, Pomona und Voltumna sind aus dem nahen aus Potsdam angereist und stammen vom Hofbildhauer Johann Peter Benkert. 1750.

1917, während des 1.Weltkriegs, schreibt Hermann Sudermann aus Blankensee an seine Frau Clara:
Übrigens kam mir diesmal zum erstmal das Bewusstsein davon, daß wir hier in Blankensee eigentlich ganz und gar in Italien leben. In Haus und Park kann man nicht einen Schritt machen, ohne auf italienische Erinnerungen zu stoßen. Es ist wirklich ein südliches Stückchen Welt, das wir uns hier aufgebaut haben.“

Italienischer Garten im Park in Blankensee
Der italienische Garten im Schlosspark Blankensee

Ein Italien im englischen Garten

Sudermann wollte sein Haus posthum einer Stiftung für kranke und schlecht finanzierte Schriftsteller zur Verfügung stellen. Doch das Geld reichte nicht. Am Ende des 2. Weltkrieges plünderten sowjetische Soldaten und zerstörten unter den Augen des Stiefsohnes Rolf Lauckner das Inventar. Die Skulpturen im Garten bröckelnden, die Lennéschen Sichtachsen überwucherten. Das Haus wurde Schule, Kindergarten, Betriebsurlauberheim. Seit 1994 ist die Brandenburgische Schlösser Besitzerin des Anwesens. Das Schloß hat einen neuen Anbau für Tagungen bekommen und der Park in seinen geheimnisvollen Träumen ist wiederauferstanden.

Die Libellen tanzen um die gelbe Lilien, die vor der weißen Brücke wachsen. Efeu und Kletterrosen ranken sich um eine Marmorbank.
Wir können uns kaum trennen. Gäbe es da nicht noch die Sage vom Schatz und den See. Der Weg zum Schatz führt uns an der Bäckerei vorbei. Radausflügler sitzen auf den Stühlen davor und machen eine Pause.

4. Eine kleine Wanderung zur gotischen Ruine und dem Aussichtsturm in der Feldmark von Blankensee

Wir folgen der Ausschilderung zum Aussichtsturm. Am Ende des Dorfes steht noch eine vorletzte Bank, über der die Worte eines Schlagers eingemeißelt sind:  „Die kleine Bank steht am großen Stern die hab ich lieb die hab ich gern. Sie weiß so viel von Dir und mir und darum geh ich gern zu Dir.“ In Blankensee enden die Träume nie. Wir folgen dem Wanderweg geradeaus. Im Wald verborgen und romantisch überwachsen steht die Ruine einer gotischen Kapelle. Hier endet der Weg. Hier, unter einem Bocksdornstrauch, soll der Schatz verborgen sein. Wir haben keine Chance. Auch Fontane hat hier schon vergeblich gegraben.

Ruine der gotischen Kapelle im Wald bei Blankensee

Nach einem Abstecher zur Aussichtsplattform, von der aus sich ein großartiger Rundblick über die herbstlichen Rastplätze der Kraniche bietet, spazieren wir ins Dorf zurück. Die Kirche ist verschlossen. Das liebevoll eingerichtete Bauernmuseum zeigt in einem stattlichen in fachwerkbauweise errichteten Dielenhaus märkische Lebensweise. In der Museumsschänke werden regionale und internationale Gerichte serviert. Im Mai 2025 startet in der dörflichen Bilderbuchatmosphäre wieder der Blankenseer Musiksommer.

5. Tipps, Öffnungszeiten und Sehenswürdigkeiten in Blankensee:

Was: See, Park, Schloß, Dorf, Kirche, Museum, Vogelbeobachtungsturm und entspannt schöne Landschaft.
Wo: Blankensee. Südlich von Berlin und Potsdam, bei Trebbin.
Öffnungszeiten Blankensee: Der Park des Schlosses Blankensee ist öffentlich und ohne Eintrittsgebühr zugänglich.
Das Schloss Blankensee ist im Privatbesitz und wird für Veranstaltungen vermietet. Es kann nicht besichtigt werden.
Bauernmuseum Blankensee Öffnungszeiten 2025: Fr, Sa 12 – 17 Uhr (Oktober bis März), Do – So 12 – 17 Uhr (April bis September), www.bauernmuseum-blankensee.de/bauern-museum/
Speisen in Blankensee: Die Museumsschänke des Bauernmuseums Blankensee. Öffnungszeiten Sa, So ab 12 Uhr. Tel. 033731/12496
Die Gaststätte Schmädicke. Brötchen und Kuchen auf die Hand aus der Bäckerei Röhrig.
Frischer (geräucherter) Fisch von der Blankenseer Fischräucherei Brauße http://www.fischräucherei-brausse.de
Zum Bestellen für zuhause das sehr gute Biofleisch von Möllers Naturfleischerei öko&co.
Alle Tipps sind unsere Lieblingsempfehlungen, unbezahlt und ohne Auftrag.
♥️ Unser Lieblingsplatz in Blankensee: Der Schlosspark mit seinen versteckten Skulpturen und Brücken. Der Bohlensteg am See. Die Ungeheuerwiesen zur Vogelbeobachtung.

Das war die Reisefrequenz. Ein Ausflug ins märkische anglo-italiano Paradies Blankensee. Zum Schloss, zum Park und zum Blankensee. Nah ist’s auch schön.

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2 Kommentare zu „Blankensee. Ein anglo-italiano Paradies in der Mark Brandenburg.“

  1. Mit dem “ Kranichexpress“ wird man ins Vogelparadies gefahren und dort von reichem Pflanzenwuchs wohltuend empfangen und auch von leuchtend farbigem Blütenschmuck betört. Die wunderbare englische Parkanlage wirkt mit italienischer Architektur angereichert doch irgendwie irritierend. Und dann empfinde ich den “ Freundschaftsdienst“ des Hermann Sudermann gegenüber dem letzten Gutsbesitzer aus dem Haus derer von Thümen wie einen Verrat. Passt das zum dramatischen Triumph “ Die Ehre“, den der neue Gutsbesitzer feiert? Doch ich möchte mich nicht auf den „Ungeheuerwiesen “ aufhalten. In der reichen Natur mit Flora und Fauna und bei der Ansicht all der Kulturzeugnisse die hier zu sehen sind , kann ich reich belohnt werden. Also : auf nach Blankensee!

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