Hallo! Hier sind die Reisefrequenzen. Heute nehme ich Euch auf einen Wanderspaziergang um die Restlöcher der Gipsbrüche bei Sperenberg mit. Zu Steilhängen, zum einst tiefsten Bohrloch der Welt und auf einen ausgeschilderten Boden-Geo-Pfad.
Der Ausflug ist eine Empfehlung für kürzere oder längere Wege im brandenburgisch ungewohnten Auf und Ab.

Die Restlöcher der ehemaligen Sperenberger Gipsbrüche sind eine unerwartet idyllische Entdeckung. Sie führen um die mit Wasser verfüllten Gruben aus denen seit dem Mittelalter im Tagebau Gips abgegraben wurde.
Mein Fußweg beginnt an der von Friedrich II. finanzierten Sperenberger Dorfkirche. Über den Friedhof mit Ausblick spaziere ich durch ein Tor zur gepflasterten Gipsstraße. Auf der rechten Seite stehen Häuser während zur Linken Walnüsse, Holunder und ein grüner Wildnisrand wachsen.
Haus Nr. 9 hat außer der Reihe die Seite gewechselt. Hier beginnt der Boden-Geo-Pfad mit einer ersten ausführlichen Erklärungstafel. Nach ein paar Metern Fußweg durch raschelndes Laub stehe ich am verwunschenen Ufer des ersten Restlochs. Bunte Blätter taumeln auf dem stillen Wasserspiegel. Nach dem Ende des Gipsabbaus 1958 ist Grundwasser in die Gruben gelaufen und Pflanzen haben sich ihr Refugium zurückerobert. Die Szenerie gleicht der Kulisse eines Freilichttheaters für wilde Abenteuergeschichten. Unerwartet steil stürzen im sonst flachen Brandenburg felsige Hänge in kleine Seen. Sie sind mit Restloch 1 – 4 zu unrecht sehr spröde bezeichnet, doch alle Sperenberger Gipsbrüche sind eine Landschaft von Menschenhand. 700 Jahre lang wurde der in Nordostdeutschland selten an der Erdoberfläche vorkommende Gips abgebaut und als Baumaterial in Mauern und Stuckaturen von Rokokoresidenzen und Gründerzeitvillen verbaut. In Sperenberg heißen die Restlöcher auch Bruch.



Im ausgewiesenen Naturschutzgebiet der Restlöcher 1 – 3 haben sich die selten vorkommenden Armleuchteralgen, das mittlere Nixenkraut und rosa blühender Alpenklee ausgebreitet. Als Wegweiser führt Toni der Tausendfüßler über Höhen und Tiefen des abwechslungsreich angelegten Geo-Boden-Pfads. Ausführlich erläutert der symbolische Begleiter die Entstehung von Braunerde, Kolluvisol, Geschiebemergel und anderen Erden. Zwischen artenreichen Laubbäumen schimmert tief unten das Wasser. Bänke laden zu Genusszeiten mit romantischen Seeblicken ein. Höhepunkt des insgesamt 12 km langen Panoramaweges ist der fast 80 m hohe Gipsbergs auf dem ein stählernen Sende- und Aussichtsturm steht. Für Geologen ist dieser Gipsberg ein alter Hut. Als einzige Salzlagerstätte Brandenburgs hat sich das 250 Millionen Jahre alte Sperenberger Vorkommen an die Oberfläche erhoben und einen Gipshut gebildet.
Das tiefste Bohrloch der Welt
Das Gegenteil der weiten Höhe zwischen Feldern ist das tiefste Bohrloch der Welt. Von 1867 bis 1871 wurde im zweiten Bruch die weltweit erste durch Dampfmaschinen angetriebene Bohrung in mehr als 1000 Metern Tiefe niedergebracht. Mit genau 1271,60 Metern hielt sie 15 Jahre lang Weltrekord. Zusätzlich konnte der durchführende Bergrat Eduard Dunker erstmals geothermische Tiefenstufen exakt nachweisen. Jenseits aller Höhen, Tiefen und der Industriegeschichte sind die Sperenberger Gipsbrüche ein lauschig verträumter Ort.
Die alten Gipsmühlen, die „Berliner Gipswerke“ und die Drahtseilbahn zum Transport des Rohmaterials sind längst verschwunden. Nur das Fundament eines Turms der Seilbahn ist als kleine Insel im Restloch stehen geblieben. Ein Eisvogel huscht durchs rauschende Schilf.



Tipps für den Besuch der Sperenberger Gipsbrüche
Was: Wanderung zu 4 Restlöchern und zum Krummen See, Aussichtsturm auf dem Gipsberg.
Unterwegs Denkmal für das einst tiefste Bohrloch der Welt. Der ausgewiesenen Boden-Geo-Pfad führt weiter zu den Klausdorfer Tongruben.
Hinweise: Im Gebiet der Sperenberger Gipsbrüche gibt es Picknickplätze an schönen Stellen.
Mein Lieblingsplatz: Von oben auf die Restlöcher 3 und 4 hinunterschauen.
Das waren die Reisefrequenzen, heute unterwegs zu den Sperenberger Gipsbrüchen knapp 30 km südlich von Berlin.