Schloss Babelsberg. Die Bank, die Postkarte und der Ausblick.

Hallo! Hier sind die Reisefrequenzen. Statt eines Blogposts über eine Reise kommt heute sozusagen in der Kürze einer Ansichtskarte – die Bank. Alle von Euch und Ihnen, die öfter auf diesem Blog stöbern, kennen sie schon. Sie bittet um Geduld bis zur nächsten Woche. Dann sind die Reisefrequenzen in gewohnter Länge und guter Recherche wieder da. Heute also eine virtuelle Postkarte von der Bank aus geschrieben.

Die Bank vor dem Schloß Babelsberg

Die Bank steht vor dem Schloß Babelsberg in Potsdam und fällt mir ins Auge, weil ich eine Bank – Liebhaberin bin. Sie ist eine von Vieren. Die eine ist original und restauriert, die anderen drei sind neu. Ursprünglich waren sie zu acht und standen seit spätestens 1850 in der Pergola vor dem Schloß in Babelsberg. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden sie grün angestrichen und vor die Terrassenmauer positioniert, vor der sie jetzt wieder wie zu Beginn ihrer Existenz in hellgrauem Farbton stehen. Der Ort ist perfekt. Der Ausblick schweift über den grünen Abhang des Rasens ins Blaue und Weite, gen Potsdam, zur Glienicker Brücke und über die frischgrünen Bäume. 

Schloss Babelsberg. Die Bank, die Postkarte und der Ausblick.
Postkarte um 1920

Die Bank vor dem Schloß Babelsberg besteht aus gegossenen eisernen Einzelteilen. Den Neuguss und die Restaurierung haben Bund und Land Brandenburg und die in Potsdam ansässige Firma „Katjes“ bezahlt. 
Trotz ihrer neogotischen Eigenart und durchbrochenen Zartheit steht sie auf ihren Füßen solide und ist recht bequem. Lediglich nach längerem Sitzen hat sich ein neogotisches Lochmuster auf Hose oder Rock eingeprägt. 

Bank vor dem Schloss Babelsberg
Die Bank vor dem Schloss Babelsberg

Die Geschichte der Postkarte

Von hier aus schreibe ich in Gedanken die Karte. Die ersten Postkarten gab es im 18. Jahrhundert in Frankreich, doch der offizielle Startschuss fiel in Österreich-Ungarn 1869. Das Poststück war für Amts- und Wirtschaftsgeschäfte gedacht und trug den vornehmen Namen „Correspondenzkarte“. Noch im gleichen Jahr wurde die erste Ansichtskarte der Welt produziert. Darauf eine Zeichnung des Klosters Melk und ein wenig Platz für eigene Worte. In Berlin war der erste Verkaufstag von Postkarten am 25. Juni 1870. 45.468 Stück wurden allein an diesem allerersten Tag verkauft. Knapp einen Monat später begann der deutsch-französische Krieg. Wohl auch, weil die deutschen Soldaten kein Porto bezahlen mussten, wurden während des Krieges mehr als 10 Millionen Karten von der Front in die Heimat verschickt. Ein Verkaufsschlager mit riesigem Marketingerfolg.
Den offiziellen Namen „Postkarte“ vergab die Post in Deutschland am 1.März 1872.

Schloss Babelsberg. Die Bank, die Postkarte und der Ausblick.


Im Februar 1905 wurde das bis heute gängige Format der Karte festgelegt. Seitdem ist auf der Vorderseite ein Bild und die Rückseite teilen sich Text und Adresse. Für alle, denen das immer noch viel zu viel Platz für die Worte war, gab es Hefte mit vorformulierten Gedichten und Glückwünschen. Statt entsprechender Internetseiten. Darin mahnte das Vorwort: „Man empfindet es als eine Barbarei, eine Künstlerkarte durch nichtssagenden Text zu verunstalten“ (aus: Altonaer Museen Qb 194) In diesem Sinne sitze ich auf der Bank und sinne, denn jeder Text ist eine Herausforderung.

“Das Wetter ist schön, die Aussicht gut und die Havelwellen glänzen –
 bis zum Wiederhören und –lesen grüßen die Reisefrequenzen“

Blick vom Schloss Babelsberg auf Havel
Blick vom Schloß Babelsberg auf die Glienicker Brücke

Tipps:

Wo: Schloß Babelsberg in Potsdam
Was: Die Bank. Es gibt einen schönen weitläufigen Park, in dem man einen ganzen Tag verbringen kann. Besichtigung des Schlosses ist derzeit (5/2021) aufgrund von Sanierungsarbeiten nicht möglich.
♥️ Unser Lieblingsplatz: Die Bank vor dem Schloß.

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